Pressemeldung
[17.03.2015]

"Ich" und "Du" und "Wir zusammen"
Schule als Spiegel der Gesellschaft

Die durch die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, beauftragte und am 17. März in Berlin vorgestellte Schulbuchstudie „Migration und Integration“ stellt als Befund fest, dass widrige Darstellungen von Migration in den untersuchten Schulbüchern nicht vorkommen, gibt aber auch Empfehlungen für die Bildungspraxis.

Die Entwicklung von Toleranz und einem offenen Miteinander gehören zu den wesentlichen Elementen schulischer Bildung. Zu erkennen und zu akzeptieren, dass jedes Kind, jeder Mensch anders ist, prägt die pädagogische Debatte der letzten Jahre besonders. Es ist für den Ernst Klett Verlag selbstverständlich, dass Schulbücher und Unterrichtsmaterialien die Vielfalt gesellschaftlicher Entwicklungen diskriminierungsfrei präsentieren und dazu beitragen, dass tolerantes Denken und Verhalten entstehen bzw. gefestigt werden kann. Wir teilen die Meinung der Autoren Dr. Inga Niehaus, Rosa Hoppe und Dr. Marcus Otto, dass Schulbücher zur Akzeptanz von Diversität beitragen müssen und in diesem Sinne Migration nicht als Sonder- und Problemfall dargestellt werden darf, sondern als gesellschaftliche Normalität.

Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Verlagsleiter des Ernst Klett Verlages, sieht im Hinblick auf die Ergebnisse der Studie, die Bemühungen des Verlages diesbezüglich bestätigt: „Wir entwicklen unsere Programme und Konzepte vor dem Hintergrund aktueller didaktischer und gesellschaftlicher Entwicklungen und Themen beständig weiter. So sind in den letzen drei bis fünf Jahren Schulbücher und Medien entstanden, in denen Inklusion und Diversität deutlich zum Tragen kommen und es um die Vielfältigkeit und Vielseitigkeit gesellschaftlichen Lebens und ihrer Potentiale geht.“

Migration als Normalfall

Wenn die Studie positive Beispiele aufzeigt, dann handelt es sich in der Regel um Ausschnitte und Zitate aus den genannten neuen Konzepten des Ernst Klett Verlages: Am Beispiel des Sozialkundebuches Anstöße 2 - Politik und Wirtschaft wird beispielsweise hervorgehoben, dass Schülerinnen und Schüler durchaus Angebote erhalten, um sich ein Verständnis von Integration zu erarbeiten und sich kritisch mit Europas Grenzpolitik und mit den z. T. fatal verlaufenden Überquerungsversuchen europäischer Grenzen auseinanderzusetzen. Das Lehrwerk wird dabei als gelungenes Beispiel dafür genannt, wie das Thema Vorurteile im Kontext der Migrationsgesellschaft als Aufgabe behandelt werden kann, um damit Diskriminierungssituationen im Klassenraum entgegenzuwirken.
In einem weiteren Kapitel untersucht die Studie, wie der historische und gesellschaftliche Wandel mit Migration und Integration verbunden ist. Dazu wird festgestellt, dass Schulbücher, wie das Lehrwerk Geschichte und Geschehen 3, die Migration als einen Aspekt gesellschaftlichen Wandels definieren und mithin die Migration und Integration als Chance für ökonomisches Wachstum und gesellschaftliche Modernisierung betrachten.

„Aber nicht nur in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern sondern auch in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik spielt die Frage nach Integration eine wesentliche Rolle“, so Körner-Wellershaus und verweist dazu auf weitere Beispiele aus dem Ernst Klett Verlag (s. Anlage 1).

Im Dialog zu Integration, Inklusion und Diversität

Deutschland ist nicht nur eine offene Einwanderungsgesellschaft sondern auch ein Land, in dem Geschlechtergerechtigkeit, Religionsfreiheit und das Recht auf Inklusion besteht. Insofern transportiert jedes Schulbuch immer auch unterschiedliche gesellschaftliche Positionen. Strittige Aspekte oder gesellschaftliche Diskussionen müssen entsprechend dargstellt werden, deshalb führt der Ernst Klett Verlag seit Jahren einen offenen Dialog mit Migrantenverbänden, religösen Gruppierungen und Initiativen gegen Rassismus. Erst kürzlich fand am Rande der didacta in Hannover ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Migrantenverbände in Deutschland, zusammen mit der Kultusministerin Nordrhein-Westfalens, Sylvia Löhrmann, statt.

Der Ernst Klett Verlag sieht sich in der Verpflichtung Integration, Inklusion und Diversität durch seine Schulbücher und die große Anzahl an gedruckten und digitalen Bildungsmedien zu befördern und mit allen Kräften zu unterstützen. Insofern sind wir für weitere Gespräche offen und dankbar für Anregungen, die wir auf diesem Weg bekommen.