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Infoblatt Infektionskrankheiten


Virus (Klett)

Infektionskrankheiten, Pandemien und Geomedizin

Einleitung

Als Infektion bezeichnet man das Eindringen, das Vorhandensein sowie die Vermehrung von Krankheitserregern wie Viren (z. B. AIDS, Ebola, Grippe, Hepatitis, Masern, Pocken), Bakterien (u. a. Milzbrand, Cholera, Diphtherie, Lepra, Pest, Tetanus), Pilzen, Protozoen, Parasiten (z. B. Ruhr, Malaria) oder auch Prionen (u. a. BSE) im menschlichen Körper. Sofern die Immunabwehr mit den Eindringlingen nicht sofort bzw. sehr schnell fertig wird, entwickelt sich diese Infektion zur Krankheit.

Auch ohne Therapie heilen viele Infektionserkrankungen nach einer von der Erkrankung abhängigen Zeit folgenlos aus. Vielfach benötigt der Körper des Erkrankten neben Medikamenten z. B. Bettruhe, Vitamine oder viel Flüssigkeit. Andere Infektionskrankheiten wie z. B. Aids, Hepatitis, Tuberkulose, Malaria oder Lungenentzündung bedürfen dagegen oft einer intensiven Behandlung. Einige Infektionskrankheiten sind zurzeit immer noch nicht heilbar.
Treten Erkrankungen massenhaft auf, spricht man von einer Epidemie oder Seuche, welche jedoch zeitlich und räumlich begrenzt bleibt. Breitet sich die Krankheit länderübergreifend oder gar weltweit aus, handelt es sich um eine Pandemie. Wie man gut im Fall von SARS sehen konnte, begünstigt der seit einigen Jahrzehnten stark anwachsende Flugtourismus die schnelle Ausbreitung von Krankheiten rund um den Globus.
Träger von Erregern sind Personen, Tiere oder Waren (beispielsweise Früchte), sog. Vektoren, durch die der Erreger an entfernte Orte gelangt, wo dann ein neuer Infektionsherd entstehen kann (Vektorübertragung).
Die großen Seuchen der Vergangenheit waren verheerend: Im Mittelalter starben etwa 25 Millionen Menschen, also über ein Drittel der Einwohner Europas, an der Pest; Cholera, Pocken und Lepra entvölkerten ganze Landstriche. Allein durch Grippeviren starben mehr Menschen, als in allen Kriegen zusammen. So forderte die 1918 ausgebrochene "Spanische Grippe" allein 20 bis 25 Millionen Menschenleben weltweit.
Nicht zuletzt die Angst vor Terroranschlägen mit hochinfektiösen Erregern wie Milzbrand oder Pocken oder die Ausbreitung von SARS seit November 2002 macht vielen Menschen die Bedrohung durch Infektionskrankheiten bewusst. Dank der medizinischen Fortschritte und verbesserter hygienischer Bedingungen gelten die meistgefürchteten Seuchen der Vergangenheit zumindest in Europa und Nordamerika als besiegt, aber immer noch lagern riesige Bestände von Erregern in Militär- und Forschungslabors und immer wieder erreichen uns Meldungen aus allen Teilen der Welt von Infektionen durch Erreger, die als beinahe ausgerottet galten.
Jährlich sterben weltweit Millionen von Menschen an Infektionskrankheiten wie beispielsweise Cholera, Malaria, Diphtherie oder AIDS. AIDS gilt mit über 20 Millionen Todesopfern und über 40 Millionen Infizierten als die große Seuche unserer Zeit. Viele Krankheitserreger werden resistent gegen Antibiotika, unsere Allzweckwaffen im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Vor allem in den Tropen sterben Menschen an Krankheiten, deren Erreger teilweise völlig unbekannt sind.

Gegenmaßnahmen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterhält eine eigene Abteilung zur weltweiten Überwachung von infektiösen Krankheiten (CSR - Communicable Disease Surveillance and Response). Die Mitgliedsstaaten der WHO haben sich verpflichtet, Verdachtsfälle bestimmter Infektionskrankheiten sofort der Organisation zu melden, die dann die betroffenen Länder bei der schnellen Eindämmung der Seuche unterstützt, bevor sie sich zu einer Pandemie entwickeln kann.

Geomedizin

Als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich die medizinische Geographie oder Geomedizin mit den räumlichen und zeitlichen Zusammenhängen zwischen dem Auftreten und der Entwicklung von Krankheiten. Sie untersucht die geographischen Verteilungsmuster von Infektionskrankheiten sowie ihrer Assoziation bzw. Korrelation mit bestimmten Co-Faktoren. Als solche kommen beispielsweise die klimaökologische Situation, aber auch Armut, Urbanisierung oder Migrationsbewegungen in Frage. In vielen Entwicklungsländern herrschen besonders günstige Voraussetzungen zur Ausbreitung von Seuchen: Tropisches Klima, hoher Bevölkerungsdruck, Umweltbelastungen, wuchernde Megastädte mit zum Teil katastrophalen Hygienebedingungen sind nur einige der zu nennenden Faktoren.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sebastian Siebert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 21.05.2012


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