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Infoblatt Malaria


Plasmodien im Blutausstrich (Klett)

Malaria - Ansteckung, Krankheitsverlauf, Symptome, Behandlung, Infektionsraten

Ansteckung und Inkubation

Malaria ist eine auch als Sumpf- oder Wechselfieber bekannte Infektionskrankheit, die durch Parasiten des Typs Plasmodium hervorgerufen und von der Anopheles-Stechmücke übertragen wird. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Nach einer Inkubationszeit von – je nach Typ des Erregers – sieben bis 40 Tagen ähnelt der Ausbruch der Krankheit in seinen Symptomen häufig einer grippalen Erkältung oder einer Magen-Darm-Infektion.
Daher gilt es gerade nach Reisen in Risikogebiete solche Symptome weitergehend untersuchen zu lassen: Der Nachweis des Plasmodium-Erregers über eine Blutuntersuchung gelingt im Regelfall einfach und schnell.

Pathogenese - Krankheitsverlauf

Nach einer Infektion vermehren sich die Malaria-Erreger innerhalb der Leber, bilden dort sog. Merozoiten, welche Teile der Leberzellen zerstören und anschließend in die roten Blutkörperchen eindringen. Auch hier findet wiederum eine Vermehrung statt, die letztlich unter Freisetzung von Giftstoffen und Zytokinen (zuckerhaltige Proteine) zu einer Auflösung der befallenen roten Blutkörperchen führt. Auf diesem Wege werden immer mehr rote Blutkörperchen befallen und zerstört.

Symptome

Die eingangs erwähnte Auflösung der roten Blutkörperchen in Verbindung mit der Freisetzung von Zytokinen ist maßgeblich für die charakteristischen Fieberschübe verantwortlich.
Weitere Symptome einer Malaria-Erkrankung sind Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und gastrointestinale Beschwerden im Frühstadium sowie im weiteren Krankheitsverlauf eine sich durch den Zerfall roter Blutkörperchen einstellende Anämie (Blutarmut).
Auch Schädigungen der Niere, der Milz, der Lunge (Ödem) und des Herzens sowie bei komplizierten Verläufen des Gehirns sind möglich.

Grundsätzlich werden drei verschiedene Arten der Malaria unterschieden:

Malaria Tertiana

  • durch den Erreger Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale verursacht
  • häufig gutartig, nur selten mit Komplikationen einhergehend
  • einziger Malaria-Erreger, der auch in den gemäßigten Zonen vorkommt

Malaria Quartana

  • durch den Erreger Plasmodium malariae ausgelöst
  • ebenfalls größtenteils gutartige Verläufe, gilt als mildeste Form der Malaria

Malaria Tropica

  • durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst
  • gilt als die mit Abstand gefährlichste Variante
  • sehr plötzlicher Beginn mit z. T. schweren Komplikationen; besonders als zerebrale Malaria mit Gehirnbefall führt sie nicht rechtzeitig behandelt oft zu irreversiblen Schäden oder gar zum Tod
  • unbehandelt liegt die Todesrate für die Malaria Tropica bei ca. 30 %

Alle Malaria-Varianten sind hochgradig rezidivierend, d. h. Rückfälle – gerade bei Nichtbehandlung – treten in den ersten Jahren nach der Primärerkrankung häufig auf.

Behandlung

Die Behandlung einer akuten Malaria erfolgt mit verschiedenen Medikamenten zur Bekämpfung des Erregers sowie begleitend symptombezogen.
In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig.
Vorbeugend kann sowohl Expositionsprohylaxe (weitestgehende Vermeidung von Mückenstichen in Infektionsgebieten) als auch Chemoprophylaxe (Malariamedikamente im Vorfeld einer Reise oder als Stand-By-Medikation bei Verdacht auf Infektion vor Ort) betrieben werden. Allerdings bieten diese Maßnahmen keinen vollständigen Schutz gegen eine mögliche Infektion.
Eine Impfung gegen Malaria ist nicht möglich!

Verbreitung, Infektionsraten

Malaria ist die Todesursache Nr. 1 in tropischen Ländern!
Zwischen 1,5 und 2,7 Millionen Menschen sterben nach Angaben der WHO jährlich an den Folgen einer Malariaerkrankung, fast ausschließlich in Entwicklungsländern. Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr bis zu 300 Millionen Menschen weltweit an Malaria, womit sie neben Tuberkulose die am weitesten verbreitete Krankheit in Entwicklungsländern ist.
Diese hohen Zahlen sind insbesondere deshalb alarmierend, da die Krankheit bei adäquater Behandlung eigentlich gut therapierbar ist. Jedoch fehlen in den ärmsten und am meisten betroffenen Regionen der Welt häufig entweder die benötigten Medikamente oder die finanziellen Mittel für eine effektive Behandlung der Infektion. Malaria gilt daher auch als armutsbedingte Krankheit, deren Durchseuchungs- und Todesrate weitaus niedriger liegen könnte.
Besonders stark vom Erreger betroffen ist der afrikanische Kontinent südlich der Sahara bis zum nördlichen Südafrika. Diese Region macht über 85 % der weltweiten Malaria-Erkrankungen aus.
Gefährdet sind auch die Grenzgebiete zwischen Thailand, Laos, Myanmar und Kambodscha sowie Indonesien, Papua-Neuguinea und die Salomonen in Asien. Des Weiteren gelten Teile Brasiliens und einige wenige Areale der Karibik als Malaria-Risikogebiet.
Insgesamt leben etwa 40 % der Weltbevölkerung in Malaria-Endemiegebieten. Eine Sonderform stellt die sog. Flughafenmalaria dar, die durch den Transport infizierter Anopheles-Mücken hervorgerufen wird und immer wieder zu lokalen Malaria-Ausbrüchen in Industrieländern führt.
In Deutschland lag die Zahl der gemeldeten Malaria-Fälle in den vergangenen Jahren laut Robert-Koch-Institut konstant bei unter 1.000 per annum mit einer Todesrate von ca. 2 %.

Aktuelles und Zukunftsaussichten

An einem Impfstoff gegen Malaria wird weiterhin fieberhaft geforscht, wobei ein Durchbruch in absehbarer Zeit eher nicht zu erwarten sein dürfte. Daher konzentrieren sich Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche parallel auf die Bekämpfung der Anopheles-Trägermücke.
Da die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Malaria enorm sind und die Todesraten in den vergangenen Jahrzehnten trotz fortgeschrittener Behandlungsmöglichkeiten dennoch anstiegen, richtet sich der Fokus der Weltgemeinschaft wieder verstärkt auf diese Krankheit.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Nils Wiemann
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011


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