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Infoblatt Pest


Insbesondere Flöhe gelten als Überträger der Pest-Bakterien auf den Menschen. (Klett)

Definition, Arten, Therapie, Vorsorge und Verbreitung

Definition, Übertragung, Inkubation

Bei der Pest handelt es sich um eine seit der Antike bekannte und bei Nagetieren auftretende bakterielle Infektionskrankheit. Sie wird durch das Bakterium Yersinia Pestis hervorgerufen und kann von Ektoparasiten (insb. Flöhen) auf den Menschen übertragen werden. Eine anschließende Übertragung von Mensch zu Mensch über Tröpfchen oder infizierte Gegenstände ist aufgrund des hochinfektiösen Bakteriums (bereits ca. 100 bis 500 Pestbakterien können zu einer Ansteckung führen!) möglich.
Die Inkubationszeit (= Zeitraum von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome) beträgt dabei wenige Stunden bis maximal sechs Tage und ist bei der Lungenpest deutlich kürzer ausgeprägt als bei der Beulenpest.
Auch ohne Wirtstier kann das Bakterium Yersinia Pestis über längere Zeiträume in der Erde, in Kadavern oder Exkrementen überleben.

Unterschieden werden vier verschiedene Formen der Pest:


  • Beulenpest
    Die Beulenpest ist die am häufigsten auftretende Pestform, die sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis sechs Tagen mit Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Benommenheit ankündigt.
    Das Pestbakterium wandert in der pathogenetischen Phase von der Bissstelle des Flohs bis zum nahegelegensten Lymphknoten und führt dort zu einer Entzündung des lymphatischen Gewebes, welches beulenartig anschwillt.
    Diese schmerzhaften charakteristischen Pestbeulen können bis zu 10 cm groß werden und als eitriges Geschwür zerfallen.
    Dieser Selbstzerfall oder auch das chirurgische Öffnen der Beulen können zwar den Heilungsverlauf erleichtern, aber auch ein ungewolltes Verteilen der Erreger in den Blutkreislauf begünstigen.

  • Lungenpest
    Wandert das Bakterium jedoch in den Blutkreislauf oder es kommt zu einer Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, so kann sich eine gefährliche Lungenpest ausbilden. Im Gegensatz zur sekundären Lungenpest, die sich sukzessive aus der Beulenpest entwickeln kann, ist die Inkubationszeit bei der primären Lungenpest nach einer Direktübertragung mit weniger als 48 Stunden sehr kurz.
    Sie beginnt zumeist sehr heftig mit Symptomen ähnlich einer Lungenentzündung wie z. B. Atemnot, Husten und blutigen (hochinfektiösen) Auswurf und bildet im Verlauf ein Ödem (Wasseransammlung in der Lunge) aus.
    Unbehandelt führt die Lungenpest im Regelfall binnen weniger Tage zum Tod.

  • Pestsepsis
    Auch die septische Form der Pest kann sekundär durch den Übertritt der Bakterien in den Blutkreislauf als Folge einer Beulenpest oder primär durch eine Direktinfektion auftreten.
    Die Verteilung des Erregers über das Blut erfolgt rasend schnell, verursacht hohes Fieber und zum Teil großflächige äußere und innere Blutungen.
    Unbehandelt führt die Pestsepsis innerhalb von weniger als 36 Stunden zum Tod.

  • Abortive Pest
    Die abortive Pest ist mit Abstand die harmloseste Ausprägung: Sie verläuft im Regelfall mit milden Symptomen und nur leichten lymphatischen Schwellungen, führt auch unbehandelt nicht zum Tod und hinterlässt eine oft lebenslange Immunität gegen das Pestbakterium.

Therapie und Vorsorgemaßnahmen

Eine frühzeitige Behandlung mit bestimmten Antibiotika-Gruppen erhöht die Heilungschancen, welche bei der Beulenpest deutlich höher liegen als bei der Lungenpest oder septischen Pest. Die Letalitätsraten ("Tödlichkeit" einer Erkrankung), welche unbehandelt bei den beiden letztgenannten Formen bei annähernden 100 % und bei der Beulenpest bei ca. 60 % liegen, können durch eine wirkungsvolle Therapie mit Antibiotika auf ca. 20 - 50 % gesenkt werden.
Eine Schutzimpfung existiert zwar, wird aufgrund umfangreicher Nebenwirkungen und der kurzen Vorhaltezeit von nur sechs Monaten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) allerdings nur Hochrisikogruppen empfohlen. Alternativ ist eine antibakterielle Prophylaxe-Behandlung (beispielsweise von Krankenhauspersonal) möglich.
Die eigentliche Bekämpfung der Pest beginnt bereits vorbeugend bei der Vermeidung von Rattenplagen und der sorgsamen Überwachung atypischen Nagersterbens.

Verbreitung

Keineswegs handelt es sich bei der Pest um eine historische Krankheit, die längst ausgerottet ist. Auch heute noch gibt es neben Einzelfällen periodisch auftretende, regional begrenzte Epidemien.
Letztgenannte kommen aufgrund der schlechteren hygienischen Bedingungen eigentlich nur in Entwicklungsländern vor und lassen sich mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten und entsprechenden Maßnahmen im Regelfall schnell eindämmen.
Die letzten größeren Pest-Ausbrüche ereigneten sich 2005 und 2006 in der Demokratischen Republik Kongo, im Zuge derer es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 161 Tote zu beklagen gab.
Dass die Pest zwar weltweit keine tragende Rolle mehr spielt, nach wie vor aber allgegenwärtig ist, zeigt eine Statistik der WHO, nach der es im Jahr 2003 weltweit 2.118 Fälle von Pest mit 182 Toten gegeben hat.
Neben den Ländern der Dritten Welt, insbesondere südliches und zentrales Afrika sowie Süd- und Südostasien, gelten auch einige Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion, Staaten Südamerikas sowie die USA als Risikogebiet.
In Deutschland unterliegt die Pest der Meldepflicht für Infektionskrankheiten; allerdings gilt das gesamte Europa als pestfrei.

Aktuelles und Zukunftsszenarien

Das Pestbakterium ist aufgrund seiner Ansteckungsfähigkeit eines der wahrscheinlichsten Erreger für die Verwendung in Biowaffen für terroristische Anschläge.
Vor diesem Hintergrund – und trotz der Tatsache, dass die Pest als natürliche Krankheit eine untergeordnete Rolle spielt – findet sie im Zusammenhang mit biologischer Sicherheit durchaus Beachtung in der Forschung.
Wie bei anderen Bakterien auch, so hat man beim Pesterreger ebenfalls bereits erste Resistenzen gegen Antibiotika festgestellt. Schon 1995 wurde auf Madagaskar ein Yersina Pestis-Erregerstamm isoliert, der eine Resistenz gegen antibakterielle Medikamente aufwies. Da sich solche Mutationen wiederholen können, dürfte sich eine weltweite Ausrottung der Pest schwierig gestalten.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Nils Wiemann
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2006
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.08.2012


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