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Infoblatt Christentum


Osterprozession in Guatemala (Rother)

Entstehungsgeschichte, Leitfigur und religiöse Praxis

Entstehung und Geschichte

Jesus, genannt Jesus von Nazareth, wurde um das Jahr 6 v. Chr. in dem kleinen Dorf Bethlehem im Königreich Judäa geboren. Es stand unter römischer Verwaltung. Vor ca. 2.000 Jahren - im Lebensalter von etwa 30 Jahren- begann Jesus, in Judäa als umherziehender jüdischer Lehrer und Heiler göttliche Wahrheiten zu predigen und öffentlich zu wirken. Er versammelte eine Gruppe von 12 Männern um sich, die seine Jünger wurden. Seine Jünger betrachteten ihn als den Christus, den Gesalbten oder Messias, der auf Erden Gottes Reich verkündete.
Der römische Statthalter Pontius Pilatus ließ Jesus als „König der Juden“ zum Tode am Kreuze verurteilen. Gemäß der Bibel ist Jesus am dritten Tag nach seiner Kreuzigung auferstanden. Er starb an einem Freitag (Karfreitag) und seine Auferstehung war an einem Sonntag (Ostern). Nach seinem Tod verkündeten die als Christen bezeichneten Anhänger Jesus seine wunderbare Auferstehung. Ihre Zahl wuchs sehr schnell und ihr Glaube wurde schließlich von den römischen Kaisern angenommen.
Nachdem Jesus am Kreuz gestorben war, sollte Paulus (einer seiner Jünger) die christliche Botschaft von Gott an die Menschen weitergeben.

Glauben und Heilige Schrift

Die heilige Schrift im Christentum ist die Bibel. Jesus hinterließ keine eigenen Schriften. Sein Anspruch war es, der von Gott versprochene Erlöser des Volkes Israel zu sein. Dabei berief er sich auf die Verheißungen des Propheten.
Um die frohe Botschaft von Leben, Tod und Auferstehung Jesus in der Welt zu verbreiten, musste ein Schrifttum herausgegeben werden – die Bibel. Die Bibel besteht aus dem Alten und dem Neuen Testament. Im Neuen Testament stehen die ersten christlichen Schriften des Paulus. Dabei ist das Evangelium (griech.: Frohe Botschaft) von Markus die erste schriftliche Überlieferung von etwa 65 n. Chr. Erst viel später folgten die Evangelien von Matthäus, Lukas und Johannes (alle drei waren Jünger). Obwohl diese vier Evangelien im Neuen Testament an erster Stelle stehen, entstanden sie erst wesentlich später als die frühen Briefe des Apostel Paulus an die Korinther.
Die Evangelien beschreiben Leben, Tod und Auferstehung Jesus aus der Sicht der ersten Gemeinden. Die Apostelgeschichte erzählt, wie sich die christliche Gemeinde vom Judentum löste und sich auch anderen Völkern öffnete.

Religiöse Praxis

Im römischen Katholizismus gilt der Papst als Nachfolger des Apostels Petrus im römischen Bischofsamt. Sein Sitz ist in Rom im Vatikan. Zu den Rom-unabhängigen katholischen Kirchen zählen die orthodoxen Kirchen, die orientalischen Kirchen sowie die altkatholische Kirche. Obwohl sich die Konfessionen in Gottesdienst, Lehre und Leben oft sehr unterscheiden, besteht eine unverkennbare Einheit der Welt-Christenheit: Alle christlichen Kirchen berufen sich auf Jesus Christus und die Bibel. Von allen großen Weltreligionen ist das Christentum wohl am stärksten auf eine Person konzentriert. Der jüdische Wanderprediger Jesus wollte keine neue Religion gründen. Vom Ergebnis seines Wirkens her ist er dennoch als Religionsstifter zu bezeichnen.

Kirche

Die Kirche ist das Gotteshaus der Christen. Die Predigt leitet der Pfarrer oder Pastor. Im Jahre 1054 wurde die Kirche von einer tief greifenden Spaltung auseinander gerissen. Sie bezeichnet den Anfang der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche als selbstständige Einheiten. Obwohl ein Friedenstreffen organisiert wurde, endete es in einer Katastrophe, die zwei Kirchen gingen getrennte Wege.
Im 16. Jahrhundert wurde Europa von mehreren Reformbewegungen erschüttert, welche die katholische Kirche herausforderten. Diese Bewegung wurde die Reformation genannt, welche die neue protestantische Kirche hervorbrachte. Die wichtigste Reformationsbewegung ging von Martin Luther aus, einem deutschen Augustinermönch. Luther empörte sich über die römisch-katholische Kirche und deren Ablasshandel, der es Menschen ermöglichte, sich mit Geld die Erlösung zu kaufen und so dem Fegefeuer zu entgehen. Außerdem übersetzte Luther erstmals das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche, damit auch bildungsärmere Bevölkerungsschichten den Wortlaut verstehen konnten.
Obwohl sich die christlichen Kirchen in Form und Lehre sehr stark unterscheiden (z. B. orthodoxe, römisch-katholische, reformierte Kirche) gibt es doch vier allumfassende Merkmale des Christentums: Aufnahmeritus, Gottesdienst, geistliches Amt und "gute Werke". Außerdem haben die Kirchen das Neue Testament mit den vier Evangelien und den Briefen des Apostel Paulus als Heilige Schrift gemeinsam.
Der Aufnahmeritus (Taufe), bei dem das Wasser eine besondere Rolle spielt, ist hergeleitet von der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer.
Den Gottesdienst halten die christlichen Kirchen für das Wichtigste. Der klassische Gottesdienst besteht aus vier Elementen: Lobpreisung oder Anbetung, Bekenntnis der Sünden, Danksagung und Fürbitte. Mittelpunkt des Gottesdienstes der christlichen Kirche ist die Feier des Abendmahls (Reichung von Brot (Hostie) und Wein durch den Geistlichen; das Brot bedeutet hier symbolisch den Leib Christi und der Wein das Blut Christi).
Der erste Brief des Apostel Paulus an die Korinther enthält diese Anordnung und gilt daher traditionsgemäß als Mittelpunkt des Gottesdienstes.
In der katholischen Glaubensgemeinschaft gibt es die Beichte. Die Gläubigen können hier ihre Sünden dem Pfarrer beichten und um Vergebung derselben bitten.

Christenverfolgung

Die ersten Christenverfolgungen (64 n. Chr. durch Kaiser Nero) ähneln Pogromen: Sie sind Ausdruck des Hasses gegenüber den als "Schande des Menschengeschlechts" bezeichneten Christen. Der römische Staat griff dabei nur zur Erhaltung der Ordnung ein. Dies änderte sich im 2. Jahrhundert, als durch ein Edikt Kaiser Trajans das Christsein zu einem Verbrechen wurde, auf das die Todesstrafe stand. Die Weigerung, die Schutzgötter des Reiches anzubeten und den Kaiser als Gott anzuerkennen, wurde von nun an ein Hauptanklagepunkt. Die schwersten Verfolgungen fanden unter Mark Aurel 177 in Lyon, unter Decius 250 und unter Diokletian von 303 bis 311 statt. Nach deren Scheitern wurde ein Toleranzedikt veröffentlicht, dem das berühmte Mailänder Edikt von Kaiser Konstantin (313) folgte. Das Christentum wurde als Religion anerkannt.
Die Verfolgungen schafften in jeder sozialen Schicht Märtyrer (von griechisch martyr, "Zeuge", "Blutzeuge"). Der Märtyrer bezeugt durch die Hingabe seines Lebens seine Liebe und Treue zu Gott; sein Schicksal ähnelt dem Schicksal Jesu, der die Folter erlitten hat und am Kreuz gestorben ist. Es wird verständlich, dass in dieser Zeit der Verfolgung das Martyrium als herausragendeste Form der Heiligkeit und als direktester Weg zum ewigen Leben galt.

Literatur

Fischer Weltalmanach 2004 Udo und Monika Tworuschka (Hrsg.): Religionen der Welt. Grundlagen, Entwicklung und Bedeutung in der Gegenwart. München 1992.
Christentum verstehen. Sympathie-Magazin Nr. 37. Klett-Perthes 1998.
taz Verlags- und Vertriebs GmbH (Hrsg.): LE MONDE diplomatique. Atlas der Globalisierung. Berlin 2003.
Michael Kidron und Ronald Segal: Der Poltische Weltatlas. Bonn 1992.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 28.05.2012


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