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Infoblatt Rallye Dakar


Die berühmteste Wüstenrallye der Welt

Geschichte

Die Geburtsstunde eines der größten Motorsportereignisse der Welt ist schnell erzählt. Der Franzose Thierry Sabine strandet 1977 mit seinem Motorrad bei einer Rallye in Libyen und galt für mehrere Tage als verschollen. Als er wohlbehalten aus der Wüste wieder auftauchte, dachte er sich das große Abenteuer einer Wüstenrallye von Europa nach Afrika aus. Im Renntempo sollte die Rallye von der französischen Hauptstadt Paris nach Dakar in der ehemaligen Kolonie Senegal führen. Im Dezember 1978 war es soweit: In Paris erfolgte der Start der Rallye Paris-Dakar. Bereits beim Auftakt waren 182 Fahrzeuge, darunter mehr als die Hälfte Motorräder, am Start. Für den ersten Sieger gab es umgerechnet 3.000 Euro Preisgeld zu gewinnen. Dafür mussten 10.000 ungewisse Kilometer mit PS-Kraft und Geschick überwunden werden. Schon in der 2. Rallyewoche gab es das erste Todesopfer unter den Teilnehmer zu beklagen. Gerade mal 74 Fahrzeuge erreichten das Ziel Dakar bei der ersten Auflage. Diese Zahl verdeutlicht, welche Herausforderung die Wüstenrallye für die Teilnehmer darstellte. Im zweiten Jahr waren dem abenteuerlichen Ruf bereits 216 Starter gefolgt. Außerdem wurde die Wertungsklasse „Trucks“ eingeführt. Journalisten interessierten sich zunehmend für die abenteuerlichen Ereignisse in den unbekannten Wüstenregionen. Spektakulär und bunt setzte sich in den nächsten Jahren auch das Teilnehmerfeld zusammen. Ehemalige Formel-Eins-Piloten waren genauso dabei, wie monegassische Prinzen, britische Politikersöhne, Schauspieler oder Sänger. Die negativen Seiten der Rallye Paris-Dakar mit jährlichen Todesfällen wurden durch das Abenteuerliche und den Glamour der Teilnehmer überdeckt. Im Jahr 1986 verunglückte der Gründer Thierry Sabine und drei weitere Begleiter bei einem Helikopterabsturz in Mali. Nach dem tragischen Tod des Gründers übernahm sein Vater fortan die Organisation der Rallye. Dieser verkaufte die Rallye Paris-Dakar später an die französische Amaury Sport Organisation (A.S.O.). Die A.S.O. ist u. a. für große Sportereignisse wie die Tour de France verantwortlich.
Bis Ende der 1980er nahm die Teilnehmerzahl fast jährlich zu. So starteten 1988 in Versailles (bei Paris) 603 Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen. Seit diesem Rekordteilnehmerfeld gingen die Zahlen jedoch drastisch zurück. Anno 1993 gingen lediglich 154 Fahrzeuge ins Rennen, was in der Geschichte der Rallye Dakar einen Negativrekord bedeutete. Bis Ende der 1990er Jahre konnten wieder steigende Teilnehmerzahlen an der Rallye registriert werden. Die Rekordzahl von 1988 konnte 2005 mit 688 Fahrzeugen übertroffen werden. Der bisherige Rekordsieger der Rallye Dakar ist der Franzose Stéphane Peterhansel. Er gewann in den 1990ern sechsmal in der Motorradwertung. Dreimal konnte er mittlerweile auch in der Automobilwertung triumphieren, wie zuletzt im Januar 2007. Die erste Frau und einzige Deutsche, die bislang die Rallye Dakar gewinnen konnte, ist die gelernte Physik-Ingenieurin Jutta Kleinschmidt. Im Jahr 2001 belegte sie den ersten und im darauf folgenden Jahr den zweiten Platz.
Erstmals in ihrer Geschichte fand die Rallye 2008 nicht statt; der Start in Lissabon wurde einen Tag vor Beginn abgesagt. Grund war eine dringende Reisewarnung der französischen Regierung, nachdem vier französische Touristen ermordet und Soldaten an der algerischen Grenze überfallen worden waren. Es gab auch Terrordrohungen gegen die Rallye selbst. Als Folge auf Absagen und Drohungen fand das Rennen im Jahr 2009 nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika statt. Sie startete in Buenos Aires und endete – nach 6.000 km durch Argentinien und Chile – dort auch wieder. 2011 wurde die Strecke in Südamerika verändert und führte nun auch nach Peru. Über eine eventuelle Rückkehr der Rallye nach Afrika ist bislang nichts bekannt; weitere Rennen sind in Südamerika geplant.

Routen

Ursprünglich trug die Rallye den Namen der Start- und Zielorte Paris-Dakar, wurde später aber in Rallye Dakar umbenannt. Bis 1991 verliefen die Rennstrecken zwischen der französischen Hauptstadt und der westlichsten Großstadt Afrikas. 1992 führte die Route von Paris durch den gesamten afrikanischen Kontinent nach Kapstadt (Südafrika). Jedoch erwies sich die Streckenführung als problematisch, so konnte z. B. auf den engen Straßen in Zentralafrika kaum überholt werden. Deshalb kehrte man mit der Streckenführung nach Nordafrika zurück. Seitdem gibt es wechselnde Start- und Zielorte. 1995 war das erste Jahr, in welchem die Rallye nicht in Frankreich, sondern im andalusischen Granada begann. Im Jahr 2003 führte die Route von der französischen Hafenstadt Marseille in die ägyptische Touristenhochburg Sharm-El-Sheik auf der Sinai-Halbinsel. 2004 erfolgte der Rallyestart im zentralfranzösischen Clermont-Ferrand, 2005 in Barcelona, 2006 und 2007 in Lissabon, wobei sich die senegalesische Hauptstadt als Zielort und Namensgeber der Rallye Dakar als Konstante herauskristallisiert hat. In der Regel dauert die Rallye Dakar 14 Tage und es müssen 9.000 - 10.000 km überwunden werden. Jede Tagesetappe ist etwa zwischen 600 - 800 km lang. Damit ist die Rallye Dakar ein echtes Langzeitrennen. Ein Großteil des Streckenverlaufs führt über Wüstenboden. Die Rallye sollte 2008 in Lissabon starten und die Länder Portugal, Marokko, Mauretanien und Senegal passieren. Die Veranstaltung wurde jedoch kurz vor Start aus Sicherheitsgründen abgesagt. 2009 wurde das Rennen dann von Afrika nach Südamerika verlegt. Die Strecke führte in einem Rundkurs mit Start- und Zielpunkt Buenos Aires durch Argentinien und Chile. 2010 und 2011 fand die Rallye mit gleichem Start- und Zielpunkt wiederum in diesen beiden Ländern statt. 2012 führte sie von Mar del Plata in Argentinien über Chile bis zur peruanischen Hauptstadt Lima.

Kritik

Seit der Geburtstunde gab es mehr oder weniger heftige Kritik an der Rallye Dakar. Als besonders problematisch wird vor allem die hohe Anzahl an Todesfällen bei Teilnehmern, Begleitern und Zuschauern angesehen. Seit ihrem Bestehen hat das Rennen 59 Todesopfer gefordert, das letzte bei der 2009er Veranstaltung in Südamerika. Kritisiert wurde außerdem die Routenführung durch afrikanische Dörfer, da es hier oft zu Unglücken mit Zuschauern kam, obwohl eine Streckenführung jenseits bewohnter Gebiete in den meisten Fällen möglich gewesen wäre. In den Anfangsjahren wurde das Rennen oft mit modernem Kolonialismus gleichgesetzt. Ferner gab es Kritik von Umweltbewegungen. Dessen ungeachtet sorgte die Rallye jedoch durch das hohe mediale Interesse dafür, dass vergessene afrikanische Regionen zumindest kurzzeitig weltweit wahrgenommen wurden. Die Rallye Dakar hatte positive Einflüsse auf den Handel und die Infrastruktur der durchquerten nordafrikanischen Regionen. Brisante Themen wie Terrorismusgefahr und Landminen wurden durch die Rallye, oft durch tragische Unfälle, in den Blick der Weltöffentlichkeit gerückt.
Für die teilnehmenden Piloten wurde nach und nach ein umfangreiches Sicherungssystem eingeführt. Jedes Fahrzeug hat Verbindung über ein Satellitentelefon, welches auch in der tiefsten Wüste funktioniert. Bricht die Verbindung ab, steigt ein Rettungshelikopter auf. Über ein GPS-Tracking-System kann jedes Fahrzeug vom heimischen Computer aus fast metergenau geortet werden. Ferner sorgt die funkgestützte Abstandswarnung in jedem Fahrzeug dafür, dass im unübersichtlichen Gelände die Piloten sich nicht zu nahe kommen. Dennoch bleibt die Rallye Dakar das selbst ernannte schwierigste Rennen der Welt.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich, Dr. Petra Sauerborn
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.05.2012


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