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Infoblatt Großstädte in Deutschland


(Butz)

Funktionen von Großstädten, Dezentralitätsprinzip

Laut deutscher Gemeindestatistik ist eine Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern eine Großstadt. Geographisch betrachtet ist diese Festlegung allerdings wenig aussagekräftig, da die jeweiligen Stadttypen und auch ein unterschiedliches Ausmaß an Eingemeindungen eine Rolle spielen. Im allgemeinen Sinne wird deshalb eine größere multifunktionale Stadt mit entsprechenden oberzentralen Funktionen und einer erkennbaren City und Subzentrenentwicklung in den Vororten gemeint. Die Siedlungsentwicklungen in den letzten Jahrzehnten, in denen Vororte rasant gewachsen sind und sich Subzentren herausgebildet haben, verhindern gar eine exakte Abgrenzung zwischen Stadt und Umland. Deshalb wird in der deutschen Raumordnung meist von Verdichtungsraum und als Gegensatz dazu von Ländlichem Raum gesprochen. Zum Verdichtungsraum gehören die eigentliche Kernstadt und die verdichteten Bereiche der Stadt-Umlandzone. Ein solcher Verdichtungsraum kann aus einer Großstadt und mehreren Kleinstädten bestehen. Häufig wachsen aber auch nahe gelegene Großstädte mit ihren jeweiligen Umland-Bereichen zu einem großen Verdichtungsraum zusammen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die größten Verdichtungsräume Rhein-Ruhr, Berlin, Rhein-Main, Hamburg, Mittlerer Neckar (Stuttgart) und München. Die einzelnen Großstädte sind im Folgenden aufgelistet:

Die größten deutschen Städte (Stand 31.12.2010)

Berlin - 3.460.725 Einwohner
Hamburg - 1.786.448 Einwohner
München - 1.353.186 Einwohner
Köln - 1.007.119 Einwohner
Frankfurt am Main - 679.664 Einwohner
Stuttgart - 606.588 Einwohner
Düsseldorf - 588.735 Einwohner
Dortmund - 580.444 Einwohner
Essen - 574.635 Einwohner
Bremen - 547.340 Einwohner
Dresden - 523.058 Einwohner
Leipzig - 522.883 Einwohner
Hannover - 522.686 Einwohner
Nürnberg - 505.664 Einwohner
Duisburg - 489.599 Einwohner
Bochum - 374.737 Einwohner
Wuppertal - 349.721 Einwohner
Bonn - 324.899 Einwohner
Bielefeld - 323.270 Einwohner
Mannheim - 313.174 Einwohner

Funktionen einer Großstadt

Innerhalb der deutschen Raumordnung werden Großstädte als Raum mit einer deutlichen Verdichtung von Wohnstätten und Arbeitsplätzen sowie Infrastruktur betrachtet. Zusammengefasst werden diese Aufgaben und Leistungen der Großstadt als oberzentrale Funktionen bezeichnet. Mit den oberzentralen Funktionen sollen nicht nur die Bewohner der Großstadt versorgt werden, sondern auch die Menschen im angrenzenden Umland oder teilweise in ferneren Gebieten, in denen es keine Großstadt gibt. Oberzentrale Funktionen sind beispielsweise die gehäufte Bereitstellung von vielfältig qualifizierten Arbeitsplätzen, von kulturellen Aktivitäten wie Theater, von sozialen Einrichtungen wie Universitätskliniken und diverse Bildungseinrichtungen wie Hochschulen. Aber auch Einkaufsmöglichkeiten für den spezialisierten Bedarf sind meistens in solchen Großstädten zu finden. Viele spezielle Einrichtungen, wie z. B. große Sportstätten, werden nur von bestimmten Bevölkerungsgruppen benötigt und zudem ist die Unterhaltung für die Städte zu kostspielig. Deshalb sind solche Funktionen hauptsächlich in Großstädten zu finden, in denen genug Menschen leben, die diese Einrichtungen auch nutzen können. Aus diesem Grunde werden in der Raumordnung die Großstädte als Schwerpunkte für die Versorgung mit besonderen Funktionen betrachtet. Das Einzugsgebiet der Großstädte richtet sich dabei nach der jeweiligen Größe der Großstadt und der Erreichbarkeit durch die Verkehrsträger.
Konflikte entstehen dadurch, dass viele Menschen zwar die Einrichtungen von Großstädten nutzen, aber im Umland wohnen und dort auch die Steuern zahlen. Dadurch werden die Großstädte nicht nur mit dem Verkehrsaufkommen und somit mit verschlechterten Umweltbedingungen belastet, sondern es fehlen auch die notwendigen finanziellen Mittel, um die entsprechenden Funktionen bezahlen zu können. Deshalb gibt es in der deutschen Raumordnung u. a. den Ansatz einer Bestimmung von Zentralen Orten mit unterschiedlichen Einstufungen. Dieser Grundsatz entspricht dem Dezentralitätsprinzip der Raumordnung in der BRD.

Das Dezentralitätsprinzip

Großstädte haben im Sinne des Dezentralitätsprinzips die Funktion der Versorgung mit hochspezialisierten Einrichtungen. Die Grundversorgung der Menschen soll aber hauptsächlich über die jeweils nähergelegenen Zentren von Klein- und Mittelstädten erfolgen. Damit sollen nicht nur die Großstädte entlastet werden, sondern auch der Umlandbereich bzw. der Ländliche Raum gestärkt werden. Grundlage für die Ausgestaltung des sog. Zentrale-Orte-Prinzips ist die Aufteilung der Verwaltungsaufgaben auf die räumlichen Ebenen des Bundes, der Länder und der untersten Ebene, den Kommunen. Jede Verwaltungsebene hat ihre unterschiedlichen Aufgaben, der Bund ist z. B. für die Autobahnen zuständig. Die Bundesländer übernehmen u. a. die räumliche Planung ihres Gebietes und die Ausgestaltung der Bundespolitik. Die (Groß-)Städte sind im Rahmen der sog. kommunalen Selbstverwaltung in vielen Bereichen für sich selbstverantwortlich, z. B. bei der Errichtung eines neuen Wohngebiets. Die Aufgaben und Probleme sollen demzufolge auf der dezentralen Ebene gelöst werden, wo die Aufgaben tatsächlich anfallen.
Nicht verwechselt darf dieses Dezentralitätsprinzip mit dem dezentralen Raummuster in der Bundesrepublik. Das dezentrale Netz aus Großstädten und Siedlungen ist historisch begründet und stammt noch aus Zeiten der Kleinstaaterei. In der Tabelle der größten Städte wird diese Aussage auch deutlich, da es viele Städte mit einer ähnlich hohen Einwohnerzahl gibt. Lediglich die Hauptstadt Berlin nimmt hier, zumindest laut Einwohnerzahl, eine gewisse Vorrangstellung ein. Die tatsächliche Bedeutung bzw. Vorrangstellung von Berlin gegenüber den anderen deutschen Großstädten, wie z. B. als wirtschaftlicher oder kultureller Schwerpunkt, wird allein an der Einwohnerzahl nicht deutlich. Anders ist dies beispielsweise in Frankreich, wo Paris als französische Metropole dominiert. Im Gegensatz zu Deutschland gilt in Frankreich das Zentralitätsprinzip, welches z. B. an der klaren Vorrangstellung von Paris deutlich wird.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.05.2012


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