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Infoblatt Hollywood


Hollywood Sign (Corel)

Cluster der Unterhaltungsindustrie

Hollywood ist ein Stadtteil von Los Angeles (L.A.) im US-Bundesstaat Kalifornien. In dem Stadtteil leben gegenwärtig etwa 141.202 Einwohner. Hollywood ist aber weniger als Stadtteil von L.A. bekannt, sondern steht vielmehr als das dominierende Zentrum der Filmproduktion. Die "Traumfabrik Hollywood" wird oft als Synonym für die gesamte US-amerikanische Film- und Unterhaltungsbranche verwendet. Wie an keinem anderen Standort der Welt konzentrieren sich hier Unternehmen und Institutionen der Filmindustrie. Eine solche geographische Ballung wirtschaftlicher Akteure der gleichen Branche wird auch als Cluster bezeichnet. Hollywood ist somit ein Beispiel für ein Cluster der Film- und Unterhaltungsindustrie. Bekannte Beispiele anderer Cluster sind z. B. das Silicon Valley (IT-Branche) oder das Dritte Italien (Mode).

Die Geburtsstunde Hollywoods

Der Stadtteil Hollywood wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Im Jahr 1907 mussten Dreharbeiten für einen Spielfilm aus dem verregneten Chicago nach L.A. verlagert werden. Schnell erkannten die Filmproduzenten den Vorteil des neuen Standorts. L.A. hatte damals den Ruf als saubere, sonnenverwöhnte und von Zitrusplantagen umgebene Stadt. Außerdem wurde noch ohne künstliches Licht gedreht und im Gegensatz zum damaligen Zentrum der Filmindustrie New York waren die Tage in Kalifornien länger. Immer mehr Filmproduktionen wurden so in den Stadtteil Hollywood verlagert. Ein weiterer Vorteil war die große Entfernung zu New York, da man fürchtete, an die mächtige Motion Picture Patents Company Gebühren zahlen zu müssen. Darüber hinaus erwies es sich als Vorteil, dass in Hollywood Stars aufgebaut wurden, während in Filmen aus New York meistens unbekannte Darsteller zu sehen waren. Der Aufstieg als "Traumfabrik" begann 1911, als David Horsley's Nestor Company das erste Filmstudio in Hollywood eröffnete. In rascher Abfolge gründeten sich die großen Hollywoodstudios. Die sieben sog. Major Studios Universal (Gründungsjahr: 1912), Warner Bros. (1913), Paramount (1914), 20th Century Fox (1917), Columbia Tristar (1920), Walt Disney (1923) und Metro-Goldwyn-Meyer (1924) dominieren heute noch die internationale Filmszene.

Eroberung des Weltmarktes

Mit dem Aufstieg der großen Filmstudios begannen die amerikanischen Filmproduktionen den Weltmarkt zu erobern. Seit 1917 wurden die Kosten für die Filmproduktionen geschätzt und davon das Budget für einen Film abgeleitet. Dieses Vorgehen führte dazu, dass viele Filme bereits auf dem US-amerikanischen Markt die Kosten einspielen konnten. Die Filmproduktionen konnten weltweit dann oft günstiger angeboten werden und waren qualitativ sogar besser als europäische Filme. Die Infrastruktur und Rationalisierung der Produktionsabläufe in Hollywood waren ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Zudem konnten die führenden europäischen Filmstudios im 1. Weltkrieg aufgrund der internationalen Isolation ihre Produkte nicht anbieten. Auf der einen Seite konnten die europäischen Filmstudios den Hollywoodproduktionen nichts entgegensetzen und auf der anderen Seite wurden die europäischen Filmmärkte von den Hollywoodstreifen überschwemmt. Viele europäische Filmproduktionsgesellschaften mussten schließen. Ende der 1920er Jahre hatten die US-amerikanischen Filmproduktionen einen Weltmarktanteil von ca. 90 %. Im Gegensatz dazu hatten ausländische Filmproduktionen auf dem US-amerikanischen Filmmarkt keine Chance. Im Jahr 1927 liefen lediglich 65 internationale Filme in den US-amerikanischen Kinos, während in manchen Ländern im selben Jahr 1.000 und mehr Filme aus den USA gezeigt wurden.

Aus der Krise zum globalen Medienkonzern

Das "Golden Age" – die Goldene Ära – der Studioproduktionen ging in den 1940er Jahre zu Ende. Ein entscheidender Grund für die Krise der Filmindustrie war die Eroberung der Haushalte durch den Fernseher. Weiterhin urteilte der Oberste Gerichtshof, dass die Hollywoodstudios ihre Kinoketten abgeben mussten. Damit wurde das Vertriebsmonopol der großen Studios gebrochen. Diese reduzierten ihre produzierten Filme deutlich und versuchten die Fixkosten zu senken.
Filme des "New Hollywood" werden als solche bezeichnet, wenn sie in der Zeit zwischen 1967 und 1976 entstanden sind. Diese Art der Filme modernisierte das US-amerikanische Kino. Fast alle Produktionen beinhalteten eine gesellschaftskritische Position und oft wurde auf ein Happy End verzichtet. Diese relativ kurze Ära des New Hollywood gilt als eine der künstlerisch anspruchsvollsten Phasen des amerikanischen Films.
Es dauerte jedoch bis in die 1980er Jahre, bevor wieder eine ähnliche Zahl an Filmen wie in der Goldenen Ära erreicht wurde. Die Anzahl der Kinobesucher blieb hinter früheren Zeiten allerdings zurück. Die deutliche Zunahme der produzierten Filme Anfang der 1980er Jahre kann mit dem Auftauchen der Independents erklärt werden. Zu den Independents wurden alle Filmstudios außerhalb der sieben Majors gerechnet. Die neue Konkurrenz konnte der Dominanz der sieben Majors aber nichts anhaben. Diese vereinnahmten weiterhin rund drei Viertel aller Ticketverkäufe für sich.
In den 1980ern tauchte in den Lichtspielhäusern außerdem eine neue Art von Filmen auf. Die sog. Blockbuster wurden mit immer aufwändigeren Spezialeffekten produziert. Moderne Filmproduktionen und Kinos, wie z. B. die Multiplexkinos, sorgten für einen Anstieg der Besucherzahlen. Gegenüber dem Tiefstand von 1971 verdoppelte sich die Zahl der verkauften Eintrittskarten. Zwar stiegen die Besucherzahlen, aber die aufwändigen Produktionen spielten immer seltener die Kosten ein. Deshalb wurden die Blockbuster zunehmend weltweit aggressiv vermarktet. Über die Hälfte aller Einnahmen durch Filmproduktionen wurden außerhalb der USA erzielt. Zudem erreichte ausländisches Kapital in steigendem Maße Hollywood. Die Majors wurden zu einem Bestandteil global agierender Medienkonzerne.
Einer der weltweit größten Medienkonzern Time Warner entstand 1989 u. a. aus Warner Bros. und Time Inc. Im Jahr 2001 fusionierte das Unternehmen auf dem Höhepunkt der "Dotcom-Blase" mit AOL zu AOL Timer Warner. Später wurde der Namensbestandteil "AOL" wieder gestrichen, weil er symptomatisch für das Platzen der Blase und die Abwärtsspirale des Unternehmens stand. Mit einem Marktanteil von 19,2 % stieg im Jahr 2011 Paramount zur erfolgreichsten Filmproduktionsfirma auf, gefolgt von Warner Bros, Sony/Columbia, Buena Vista und Universal.
Die Filmstudios nehmen eine wichtige Schlüsselrolle bei den Medienunternehmen ein. Die Filmproduktionen bieten die inhaltliche Basis für die gemeinsame weltweite Vermarktung von Vergnügungsparks, Video- und PC-Spielen, TV-Kanälen und Merchandising. Außerdem sorgen die Filmstudios aus Hollywood mit ihrem Glamour für einen erheblichen Image-Gewinn.

Ungebrochene Dominanz von Hollywood

Der Entwicklungspfad des Unterhaltungsclusters Hollywood lässt erahnen, warum der Film-Produktionsstandort nach wie vor eine weltweit einmalige Stellung einnimmt. Fast alle Independents und die sieben Majors der USA haben ihren Standort in Los Angeles. Etwa 62 % aller weltweiten Produktionskosten werden von der Filmindustrie in Hollywood verwaltet. Den zweiten Rang nimmt Japan ein (ca. 8,1 % Anteil, Stand 2005). Deutsche Filmproduktionen rangieren international hinter Frankreich und Großbritannien auf dem fünften Platz mit 3,7 % der weltweiten Filmproduktionskosten. Im Jahr 2005 wurden weltweit ca. 4.600 Filme produziert, davon kamen rund 699 Produktionen aus Hollywood, 356 aus Japan, 240 aus Frankreich, 124 aus Großbritannien und 103 aus Deutschland. Rund 70 % aller Einnahmen an den Kinokassen in Deutschland werden von Filmen der sieben Majors aus Hollywood abgeschöpft. In vielen Ländern sieht es ähnlich aus. Ein Großteil der Einnahmen geht an die Filmindustrie aus Hollywood und nur ein geringer Anteil an die jeweils einheimische Filmindustrie. Die Zahlen verdeutlichen, dass den Filmproduzenten aus Hollywood beständig Kapital zufließt. Dieser einzigartige Kapitalkreislauf wird für Herstellung und Vermarktung neuer Streifen eingesetzt. So können die beliebtesten Schauspieler, die besten Regisseure, die teuersten Effekte und die beste Vermarktung verwendet werden. Durch die vielseitige Ausrichtung der Medienunternehmen können die verschiedenen Plattformen für den Vertrieb neuer Filme genutzt werden. So erzielen die Medienkonzerne einen zunehmend höheren Einnahmenanteil durch den Vertrieb von Filmen auf DVD.
In jüngster Zeit gibt es jedoch immer mehr krisenhafte Symptome in der Filmindustrie und somit auch für Hollywood. Offen ist die zukünftige Entwicklung von Hollywood als zentraler Standort für Filmproduktionen. Zunehmend werden andere Drehorte weltweit aufgesucht, an denen geringere Produktions- und Personalkosten möglich sind. Große, inzwischen auch internationale Bedeutung konnte sich z. B. die indische Filmindustrie (auch Bollywood genannt) erarbeiten. Außerdem gibt es seit Anfang der 2000er Jahre einen erheblichen Besucherschwund in den Kinos. So wurden 2011 in den USA nur 1,3 Mrd. Kinokarten verkauft, dieser Negativrekord wurde zuletzt 1995 erreicht. Als mögliche Ursachen gelten die Konkurrenz der neuen Medien wie Internet und DVD sowie fehlende neue Inhalte für spannende Filme. Gegenwärtig reagiert die Filmindustrie darauf hauptsächlich mit Fortsetzungsfilmen, Neuauflagen von Blockbustern und 3-D-Produktionen. Allein in Deutschland erreichte der Marktanteil von 3-D-Filmen 22,8 % im Jahr 2011.

Literatur

MOSSIG, I. (2006): Hollywood-Filme weltweit. - Spiegel der Forschung, 23. Jg., Nr. 1/2.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 28.05.2012


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