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Infoblatt Hongkong


Hongkong - Sonderverwaltungszone Xianggang

Von der Kronkolonie zur Sonderverwaltungszone

Im Jahre 1841 hatte der britische Kapitän Charles Elliot zur Durchsetzung britischer Handelsinteressen (insbesondere Verkauf von Opium in China) den Union Jack an der Küste von Hongkong Island gehisst und im Vertrag von Nanjing (Nanking) trat China 1842 die Insel "für alle Ewigkeit" an Großbritannien ab. 1860 wurde der Kronkolonie die Halbinsel Kowloon angegliedert, 1898 wurde ein Landstreifen, die sog. "New Territories" sowie eine Reihe von kleineren Inseln von den Chinesen für 99 Jahre den Briten überlassen. Damit war aber auch gleichzeitig der Termin für das Ende der Kolonialzeit bestimmt. Als Folge einer 1984 von Großbritannien und der Volksrepublik China unterzeichneten "Gemeinsamen Erklärung" wurde 1990 eine speziell für Hongkong geltende Verfassung erarbeitet und verabschiedet. Am 1. Juli 1997 wurde die frühere britische Kronkolonie (offizieller Status bis 1983, dann als "Britisch verwaltete Niederlassung an der Südküste Chinas" bezeichnet) von Großbritannien an die Volksrepublik China zurückgegeben.
Unter dem Motto "Ein Land, zwei Systeme" werden den Bürgern Hongkongs politische Sonderrechte und marktwirtschaftliche Freiheiten in einer vom restlichen China getrennten Sonderverwaltungszone "Hongkong, China" garantiert. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zur "Pearl River Delta Open Economic Area" (Zusammenfassung der Wirtschaftssonderzonen Shenzhen, Zhuhai und der offenen Küstenstadt Guangzhou Kanton) hat Hongkong einen besonderen Standortfaktor im Geschäft mit China aufzuweisen.

Die Entwicklung Hongkongs vom britischen Handelsstützpunkt zum Finanz- und Dienstleistungszentrum Ostasiens

Der profitable Handel mit Opium nach China (bis 1911), aber auch mit Industriegütern sowie der Export von Tee, Seide und Porzellan aus China über den Hafen Hongkong führten ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer raschen Bedeutungszunahme der ursprünglich sehr kleinen Siedlung. Damit verbunden war ein schneller Bevölkerungsanstieg aufgrund der Zuwanderung von Briten und anderen Europäern, von Amerikanern und natürlich auch von Chinesen, die den Hafen auch für die Emigration nutzten. Die Einwohnerzahl betrug 1900 ca. 300.000 Menschen und stieg bis Mitte der 1930er Jahre auf ca. 1 Mio. Bewohner an, obwohl in diesem Zeitraum der Ostasien-Handel noch von Shanghai dominiert wurde. Allerdings spielte Hongkong schon eine wichtige Rolle als Umschlagplatz sowie als Ausrüstungs- und Reparaturhafen für den Schiffsverkehr im Ostasienhandel. Während des Japanisch-chinesischen Krieges in den 1930er Jahren stieg die Bevölkerungszahl sprunghaft zunächst an, nahm dann jedoch in der japanischen Besatzungszeit von 1941 bis 1945 wieder um fast zwei Drittel ab. Dies lag insbesondere an den schwierigen Versorgungsverhältnissen.
Infolge des chinesischen Bürgerkriegs (1945 bis 1949) und der kommunistischen Machtübernahme wurde Hongkong von einer Flüchtlingswelle überrollt; die Bevölkerung stieg von ca. 600.000 Einwohnern im Jahre 1945 auf über 2,2 Mio. im Jahre 1950 an. War Hongkong bis dahin kaum industrialisiert, so war der Flüchtlings- und damit auch Arbeitskräftezustrom eine wesentliche Voraussetzung für den nachfolgenden industriellen Aufschwung.
Tausende von Industriellen, Handwerkern und Bankangestellten flohen aus Shanghai und anderen Orten Chinas und gründeten Unternehmen bzw. Betriebe in Hongkong. Sie lösten damit einen bedeutsamen Kapital- und Know-How-Transfer aus. In kürzester Zeit wurde Hongkong zu einem wichtigen industriellen Zentrum, wobei insbesondere Billigprodukte der Textilindustrie und Metallverarbeitung, einfache Elektrogeräte und Kunststoffartikel sowie Spielzeug hergestellt wurden. Die Umstellung auf die Industriegüterproduktion war auch deshalb notwendig geworden, weil die UN ein Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China verhängt hatte und somit Hongkong seine Bedeutung als Transithafen für China vorübergehend einbüßte. Aufgrund der starken Bevölkerungszunahme erlebte naturgemäß auch die Bauwirtschaft einen Boom.
Mitte der 1970er Jahre lag die Einwohnerzahl der Stadt bereits bei ca. 4 Mio. und die Kronkolonie zählte zu den "Vier kleinen Tigern". Neben Hongkong waren dies Südkorea, Taiwan und Singapur, die sehr hohe Wachstumsraten des Sozialprodukts aufwiesen. Hongkong verfügte über keine nennenswerten Rohstoffe oder Energiereserven. Es sind deshalb für den steilen wirtschaftlichen Aufstieg insbesondere folgende Gründe anzuführen:

  • die von der früheren britischen Kolonialregierung garantierte freie Marktwirtschaft mit freiem Waren- und Kapitalverkehr,
  • die gleichzeitig langfristige politische Stabilität, wenn auch zeitweise eine gewisse Bedrohung bzw. Unsicherheit von der VR China ausging,
  • die von der chinesischen Bevölkerung gezeigte Leistungsbereitschaft verbunden mit einem hohen Aufstiegswillen, bei gleichzeitig konkurrenzlos niedrigen Löhnen.

Etwa ab 1975 vollzog sich ein Wandel Hongkongs vom Hersteller von Billigprodukten zum Produzenten höherwertiger Artikel, wofür folgende Gründe genannt werden:

  • Ein großer Teil der Hongkonger Bevölkerung hatte sich beruflich und sozial etabliert und strebte nun mehr als nur die Existenzsicherung an.
  • Die erste gut ausgebildete Nachkriegsgeneration chinesischer Hongkong-Bewohner verließ die Schulen und Universitäten und stand für höherwertige Arbeitsplätze zur Verfügung.
  • Die auch in Hongkong steigenden Arbeitskosten erforderten moderne Fertigungsverfahren.
  • Die Abnehmer der Hongkonger Industrieprodukte verlangten bessere Qualität.
  • Die Regierung Hongkongs leitete umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen ein, wie z. B. den Bau eines Straßentunnels zwischen der Insel Hongkong und der Halbinsel Kowloon bzw. den Bau von Schnellstraßen, U-Bahn und Container-Hafen.

(Vgl. Darstellung bei Buchholz, Hanns, J.: Europäischer Handelsvorposten Hong Kong. Industriekolonie – Transferzentrum für China. In: Geographische Rundschau, 1986, S. 515)

Damit vollzog sich ein Wandel, wie er in vielen Ländern im Laufe eines Industrialisierungsprozesses zu beobachten ist. Gefördert wurde diese Entwicklung auch durch die Errichtung der Wirtschaftssonderzone Shenzhen, die unmittelbar an Hongkong grenzt. Galt sie zunächst als verlängerte Werkbank Hongkongs, zeigte sie insbesondere seit 1997 Bestrebungen, Hongkong den Rang abzulaufen. Ab den 1980er Jahren verlagerte sich die Textilindustrie immer mehr ins benachbarte Shenzhen, andere Industriezweige folgten. Aufgrund der durch die Regierung der VR China praktizierten "Politik der offenen Tür" gingen immer mehr ausländische Unternehmen dazu über, direkt dort zu investieren und ihre Geschäfte vor Ort, ohne den Umweg Hongkong, zu tätigen. Trotzdem konnte Hongkong weiterhin eine positive wirtschaftliche Entwicklung aufweisen. Dies ist insbesondere auf eine erhebliche wirtschaftliche Funktionserweiterung zurückzuführen:

  • Durch den Ausbau der Hafenanlagen wurde Hongkong 2005 zum führenden Containerhafen der Welt, der wesentliche Logistikaufgaben im Warenumschlag Ostasiens übernahm. Allerdings verlor Hong Kong die erste Position im internationalen Containerverkehr im selben Jahr an Singapur. Derzeit gilt Hong Kong mit 23,5 Mio TEU als drittgrößter Containerhafen weltweit hinter Shanghai und Singapur (Stand 2010).
  • Hongkong wird zu einem der führenden Finanzplätze der Welt: Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften haben hier ihre Zentralen bzw. unterhalten Niederlassungen und Filialen. Die Aktienbörse wurde zu einer der führenden Börsen der Welt und auch im Devisenhandel spielt Hongkong eine bedeutende Rolle. Die Grundlage für das Finanzzentrum wurde bereits in den 1950er und -60er Jahren gelegt, als "Fluchtkapital" aus dem südostasiatischem Raum aus Angst vor kommunistischen Machtübernahmen im relativ "sicheren Hafen" Hongkong angelegt wurde.
  • Zu einer weiteren wichtigen Einnahmequelle wurde der Tourismus, nicht zuletzt wegen des 1998 fertiggestellten Hong Kong International Airports. Der als Chep Lap Kok bekannte Flughafen zählt mit einem jährlichen Passagieraufkommen von 53,9 Mio. Passagieren im Jahr 2011 zu den zehn weltweit größten Passagierflughäfen. Täglich heben über 900 Flieger von mehr als 100 Airlines zu bis zu 160 Zielen ab. Zu den bedeutendsten touristischen Attraktionen zählt das 2005 eröffnete Hongkong Disneyland. Fast 42 Millionen Besucher im Jahr 2011 machten Hongkong zu einer der wichtigsten Tourismusdestinationen Asiens.

Mit der Übernahme Hongkongs durch die VR China hat sich das positive Bild jedoch erheblich verändert. Schon nach Abschluss der Übernahmeverhandlungen 1984 machte sich eine gewisse Unsicherheit über die Zukunft des Gebietes breit, was zu einer Verlagerung von Unternehmenszentralen ins Ausland und zu einer erwähnenswerten Abwanderung von jungen Managern und Hochschulabsolventen (also eines Teils der wirtschaftlichen und intellektuellen Führungsschicht) ins Ausland führte. Brain-drain und Kapitalflucht waren "die" Themen in der internationalen Presse, aber besorgniserregende Ausmaße nahmen beide Abwanderungsströme letztendlich nicht an.
Tatsächlich hat sich nach 1997 das Wirtschaftsklima erheblich verschlechtert, wobei neben der Übernahme durch die Volksrepublik China auch die Ostasienkrise heftig ins Kontor schlug. 1998 ging das BIP um ca. fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, die Immobilienpreise sanken 1998 um 20 Prozent, um den gleichen Wert auch die Zahl der Touristen. Nach einer Phase wirtschaftlicher Erholung (1999 und 2000) litt Hongkong 2001 und 2002 unter der weltweiten Rezession. Die Industrieproduktion sank 2002 um fast zehn Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 7,5 %. In den ersten Monaten des Jahres 2003 führte die Krankheit SARS zu weiterer wirtschaftlicher Unsicherheit.
Bereits vor dem Jahr 1997 hatte Hongkong mit der VR China intensive Handels- und Investmentbeziehungen. Nach der Rückgliederung der ehemaligen Kolonie in die Volksrepublik bei gleichzeitig weiterer Öffnung Chinas für den Weltmarkt hat sich der Wettbewerbsdruck auf Chinas Wirtschaft stark erhöht. Jedoch bleibt Hongkongs Export- und Importgeschäft (eigentlich: Re-Exporte von in China für Hongkonger Unternehmen hergestellten Produkten) ein wesentlicher Antrieb für das Wachstum der Wirtschaft. Im Jahre 2011 betrug das BIP 243,4 Mrd. US-$, die Exporte beliefen sich auf 429,0 Mrd. US-$ und die Importaufwendungen auf 483,9 Mrd. US-$. Ein hoher Anteil des BIP wird durch den Handel mit dem Kernland China erwirtschaftet.

Die wirtschaftliche Bedeutung Hongkongs im Jahre 2011

Trotz wirtschaftlicher Schwächeanzeichen in den vergangenen Jahren hat Hongkong immer noch eine bedeutsame Stellung im ostasiatischen Raum:

  • BIP: 243,3 Mrd. US-$, davon 1,8 % verarbeitendes Gewerbe, 3,3 % Bauwirtschaft und 92,9 % Dienstleistungen (davon 15,4 % Banken und Versicherungen)
  • BIP je Einwohner: ca. 35.580 US-$ (das entspricht in etwa 23.541 Mrd. €)
    Damit liegt Hongkong weltweit auf dem zehnten Platz.
  • Zahl der Beschäftigten ca. 3,7 Mio.
  • Arbeitslosenquote ca. 3,4 %
  • Bankenstandort:
    Hongkong ist eines der weltweit bedeutendsten Finanzzentren. 69 der 100 weltweit größten Banken sind in Hongkong tätig; mit 200 zugelassenen Banken und 71 Vertretungsbüros hat es eine der größten Angebotsdichten im Finanzbereich weltweit.
  • Börsenplatz:
    Nach Japan und der Volksrepublik China liegt Hongkong an der 3. Stelle der asiatischen Börsen und ist nach Marktkapitalisierung die sechstgrößte Börse der Welt. Die Marktkapitalisierung betrug im Jahr 2011 2,1 Mrd. US-$. Im Jahre 1999 wurde ein zweites Marktsegment für New Economy-Gesellschaften, ähnlich dem NASDAQ, installiert. Ende 2010 waren 640 Unternehmen aus Festlandchina mit einer Marktkapitalisierung von ca. Euro 950 Mrd. an der Hongkonger Börse gelistet.
  • Hafen für Ostasien:
    Hongkong beherbergte 2011 den drittgrößten Containerhafen der Welt. In diesem Jahr wurden dort 23,5 Mio. TEU umgeschlagen.
  • Tor nach China:
    Exporte (2011) insgesamt 429,4 Mrd. US-$
    Importe (2011) insgesamt 483,9 Mrd. US-$
    52,4 % der Exporte gingen 2011 in die Volksrepublik China, 45,1 % der Importe kamen von dort. Unternehmen aus Hongkong sind zudem die wichtigsten Investoren in der Volksrepublik. Mehr als 100.000 Hongkonger Unternehmen beziehen Güter aus dem Stammland und alleine in der benachbarten Provinz Guangdong werden etwa 5 Mio. Menschen durch Unternehmen aus Hongkong beschäftigt (Stand 2007).

Daten zur Bevölkerung

  • Landfläche: 1095 km²
  • Einwohnerzahl (2012) ca. 7,14 Mio.
  • Bevölkerungsdichte (2012) ca. 6.520 Einwohner/km²
  • Wachstumsrate Bevölkerung (2011) 0,9 %
  • Entwicklung der Bevölkerungszahlen
Jahr Einwohner in Mio. (ca.)

1841

1900

1941

1945

1950

1967

1986

1996

2001

2006

0,005 Mio.

0,300 Mio.

1,639 Mio.

0,600 Mio.

2,237 Mio.

3,900 Mio.

5,396 Mio.

6,217 Mio.

6,708 Mio.

7,013 Mio.

Naturgeographische Grundlagen


  • Territorium: Die Landfläche umfasst die im Mündungsgebiet des Perlflusses gelegenen Inseln Hongkong und Lantau, die Halbinsel Kowloon, die New Territories (Grenzgebiet zu Shenzhen) sowie 262 – meist unbewohnte – kleine Inseln.

  • Klima: Wechselfeuchtes subtropisches Klima (schwülheiße Sommermonate, trockene milde Winter) mit Taifunen in den Sommermonaten. 90 % der Niederschläge fallen zwischen März und September.

  • Topographie: Steilküsten mit tiefen, weit ins Innere reichenden Meeresbuchten (Hafengunst!) und schmalen Küstenebenen. Der Landknappheit wird durch Meeresaufschüttungen (Neulandgewinnung) sowie durch Abtragung von Bergen bzw. Terrassierung von Hängen entgegengewirkt.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Franz Xaver Heckl, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 23.08.2012


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