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Infoblatt Seehafen Hamburg


Seehafen Hamburg im Überblick

Geschichte des Hamburger Hafens

Die Geburtsstunde des Hafens liegt im Jahr 1189: Kaiser Friedrich Barbarossa erteilte den Hamburgern einen Freibrief über die zollfreie Fahrt auf der Unterelbe und das Marktrecht. Somit blickt der Hamburger Hafen auf eine 818-jährige Geschichte zurück. Durch den Beitritt der Stadt zur Hanse im Jahr 1321 verschaffte man sich einen strategischen Vorteil im nationalen und internationalen Handel. Damit einhergehend wuchsen auch die Stadt Hamburg und die sie durchfließenden Gewässer.
Schon ab dem 16. Jahrhundert wurde der Strom für eine verbesserte Schiffbarkeit ausgebaggert. Im Laufe der Zeit gab es so viele Begradigungs-, Vertiefungs- und Zuführungsmaßnahmen, dass man den heutigen Elbverlauf getrost als Kunstprodukt bezeichnen kann.
Während die ersten Hafenanlagen an der Nicolaifleet durch das Aufstauen der Alster und die damit verbundene Teilung in Außen- und Binnenalster quasi trocken gelegt wurden, entstand an der Mündung der Alster in die Elbe der erste Elbehafen.
Bis zu Beginn des 19.Jahrhunderts war der Hamburger Hafen großer Konkurrenz der (damals dänischen) Hafenanlagen in Altona ausgesetzt. Als sich kleinere Erweiterungen des alten Hamburger Hafens als nicht ausreichend erwiesen, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts die Planungen eines Tidehafens (ein zum Meer hin offener Seehafen mit Gezeiten) vorangetrieben. Die Gründung der bekannten Blohm + Voss-Werft fällt in diese Zeit.
In den Jahren 1881 bis 1889 entstanden Freihafen und Speicherstadt – bis heute der weltweit größte zusammenhängende Lagerhauskomplex und darüber hinaus Freihandelszone (seit 2003 ist die Speicherstadt hiervon ausgenommen). Für ihre Errichtung mussten damals etwa 20.000 Anwohner umgesiedelt werden.
Zusätzlich zu diesen Maßnahmen wurden nach 70jähriger Bauzeit 1910 die Landungsbrücken in St. Pauli eröffnet. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Hamburg nicht nur Millionenstadt, sondern besaß nach London und New York den drittgrößten Hafen der Welt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden ca. 80 % der Hamburger Hafenanlagen zerstört, welche jedoch nach Kriegsende schnell wieder aufgebaut wurden. Die bereits 1929 zum Hafenerweiterungsgebiet deklarierten Gebiete Moorburg und Neuenfelde wurden 1961 durch das Hafenerweiterungsgesetz teilweise beschlossen und auf die Gebiete Moorburg und Altenwerder beschränkt. Die Nutzbarmachung dieser Gebiete zeigte sich beispielsweise im Jahr 2002, als in Altenwerder einer der weltweit modernsten Containerterminals in Betrieb genommen worden ist.

Zahlen und Fakten zum Hamburger Hafen

Der Hamburger Hafen ist Deutschlands größter Seehafen und wird europaweit nur von Rotterdam übertroffen. Die Fläche des Hafengebietes entspricht ungefähr der Größe der gesamten Stadt Cloppenburg. Interessant und durchaus von Nachteil ist die Lage des Hafens: Gut 110 km landeinwärts von der offenen Nordsee entfernt, muss die Elbe dauerhaft vor Versandung geschützt werden, um die Mittelrinne für große Schiffe befahrbar zu halten. Der Schwerpunkt des Hafenverkehrs heutzutage liegt eindeutig im Bereich Containerverkehr. Im vergangenen Jahr wurden hier ca. 9 Millionen TEU umgeschlagen. Als Containerhafen liegt Hamburg damit weltweit an 14. Stelle.

2006 2011

Gesamtumschlag (in Mio. t) 134,9 132,2
Massengutumschlag 42,7 39,6
Flüssigladung 14,2 13,9
Sauggut 6,3 6,2
Greifergut 22,2 19,4
Stückgutumschlag 92,1 92,6
Container (in Mio. t brutto) 89,5 90,1
Containerisierungsgrad (Anteil am Stückgut in Prozent) 97,2 97,3

Entwicklung des Güterumschlags im 5-Jahres-Vergleich

Große Bedeutung kommt dem Umschlag durch das Freihafen-Areal zu:
Dieser Teil des Hafens wird bereits seit 1888 als Freihandelszone ohne Zollpflicht behandelt, um einen reibungslosen und zollfreien Weitertransport zu ermöglichen. Erst bei einer Einfuhr in die Bundesrepublik werden die Waren mit einer Zollabgabe belegt. Naturgemäß sind in diesem Teil des Hafens besonders viele Unternehmen angesiedelt. Blickt man auf den seeseitigen Außenhandel, so zeigen sich besonders starke Verknüpfungen Hamburgs mit Ländern des asiatischen Raums.

Die Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Hamburgs im internationalen Containerverkehr stellt sich für das Jahr 2011 wie folgt dar:

Rang Land Container in 1.000 TEU Änderung gegenüber Vorjahr


1. VR China 2.999 9,4 %
2. Russland 596 35,7 %
3. Singapur 538 - 4,3 %
4. Finnland 336 23,8 %
5. Südkorea 316 21,6 %
6. USA 297 81,6 %
7. Schweden 295 16,7 %
8. Polen 238 33,3 %
9. Malaysia 234 12,1 %
10. Brasilien 231 22,2 %
Andere Länder 2.934 11,6 %

Weitere Daten


  • Hafenfläche gesamt: 7.236 ha (davon 4.249 ha Land- und 2.987 ha Wasserfläche)

  • Hafennutzungsgebiet: 6.403 ha (davon 3.416 ha Land- und 2.987 ha Wasserfläche)

  • Verkehrsflächen: 483 ha (hierin enthalten sind 137 km Straße und 314 km Gleisanlagen)

  • Freiflächen: ca. 1.634 ha

  • Schiffsliegeplätze: 320 insgesamt, davon 38 für Container- und Massengutschiffe

  • Tiefgang der Elbe: Maximal 15,10 m, am Liegeplatz bis 17 m

  • Deiche und Hochwasserschutz: ca. 2.250 ha des Hafenareals sind sturmflutgeschützt, die max. Deichhöhe beträgt 7,50 m im Hafen und 9,25 m entlang der Hamburger Hauptdeichlinie

Ausblick

Die Umschlagprognosen für den Hamburger Hafen gehen bereits bis zum Jahre 2015 von einer Verdoppelung des Gesamtumschlags und einer beinahen Verdreifachung des Containerumschlags aus. Einen Dämpfer erhielten diese Prognosen jedoch durch die Wirtschaftskrise 2008/2009. So ging der Güterumschlag von 2008 mit 140,4 Mio. t auf nur noch 110,4 Mio. t in 2009 zurück. Damit lagen die Werte in den wesentlichen Bereichen unter denen aus dem Jahr 2004. Wie in der obigen Tabelle ersichtlich hat sich der Hafen von diesem zwischenzeitlichen Tief jedoch weitgehend erholt.
Sollte sich die positive Prognose jedoch erfüllen, wird dies dem Hamburger Hafen und natürlich auch der Stadt Hamburg weitere Wachstumsimpulse verleihen, damit verbunden sind aber auch umfangreiche Baumaßnahmen. Am Nordrand des Hamburger Hafens, wo einst zur Errichtung der Speicherstadt 20.000 Menschen umgesiedelt wurden, entsteht derzeit mit der Hafen-City ein komplett neuer Stadtteil, dessen Fertigstellung für das Jahr 2020 geplant ist. Es bleibt fraglich, ob der Hamburger Hafen auch in Zukunft in seiner jetzigen Form genügend Kapazitäten zur Bewältigung der enormen Wachstumszahlen zur Verfügung stellen kann. Durch die Binnenlage des Hamburger Hafens lässt sich ein künftiger Planungskonflikt zwischen der durch immer größere Schiffe bedingten möglichen Verbreiterung sowie Vertiefung der Elbe einerseits und dem Hochwasserschutz andererseits kaum vermeiden.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Nils Wiemann, Ilona Olesch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 11.06.2012


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