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Infoblatt Kairo


Größte Metropolregion Afrikas

Lage und Kennzahlen

Kairo liegt im Nordosten Ägyptens am Nil. Das Stadtgebiet erstreckt sich hauptsächlich östlich des Flusses. Im Westen der Stadt befinden sich die berühmten Pyramiden von Gizeh und der Sphinx. Nördlich von Kairo öffnet sich das Tal und geht in das von vielen Wasserarmen durchzogene Nildelta über. Jenseits des Nils und des Stadtgebiets erstrecken sich Wüstengebiete. Kairo ist die Hauptstadt von Ägypten und größte Metropolregion in der arabischen Welt. Auch auf dem afrikanischen Kontinent gilt Kairo vor Lagos (Nigeria) und Kinshasa (DR Kongo) als größte Stadt. Weltweit gehört Kairo zu den 16 größten Ballungsräumen. Dabei hat Kairo erst seit den 1960er Jahren eine rasante Bevölkerungszunahme erfahren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Kairo kaum mehr als zwei Millionen Einwohner. Bis 1960 erhöhte sich die Bevölkerungszahl auf ca. 3,3 Millionen. Innerhalb eines Vierteljahrhunderts, im Jahr 1986, ist die Einwohnerzahl auf über sechs Millionen angeschwollen. Heute hat Kairo ca. acht Millionen Einwohner, wobei der Großraum Kairo als Agglomeration schätzungsweise 20 Millionen Einwohner umfasst (Stand 2012). Gründe für dieses rapide Bevölkerungswachstum sind in den hohen Geburtenraten in Ägypten, der starken Landflucht und in der Rolle Kairos als Primatstadt zu suchen.

Kurze Geschichte der Stadtentwicklung

Die Ursprünge der heutigen Millionenmetropole sind in mehreren einzelnen Siedlungen zu suchen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde auf dem heutigen Stadtgebiet eine Siedlung von den Römern angelegt. Ende des 4. Jahrhunderts siedelten sich dort Kopten (Christen) an und errichteten Kirchen und Schutzmauer. Bis heute existiert in Kairo ein koptisches Viertel. Die römische Festung wurde 641 n. Chr. von Arabern unter Führung eines Feldherrn aus Bagdad erobert. In unmittelbarer Nähe zur bestehenden Festung wurde eine neue Siedlung namens „El Fustart“ gegründet. Aus beiden Siedlungen entwickelte sich mit der Zeit eine Stadt, der heutige Altstadtbereich von Kairo. Durch Modernisierungsmaßnahmen (z. B. Wasser- und Abwasserversorgung) erlebte die wachsende Siedlung eine Blütezeit. In späteren Jahren wurde sie von den Herrschern aus Bagdad jedoch kaum beachtet, Brände zerstörten große Teile der Stadt. Im Jahre 969 n. Chr. eroberten fatimidische Herrscher (Schiiten in Nordafrika) die geschwächte Festung und errichteten eine neue Residenzstadt in unmittelbarer Nähe. Der Name der neuen Siedlung war "El Qahira" (die Starke). Das ist der heutige arabische Name der Stadt, aus dem sich das westliche "Kairo" ableitet.
Kairo wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder von wechselnden Herrschern erobert und zerstört. So hinterlassen die Kreuzritter (1168 n. Chr.), erneut die Araber (1171 - 1250 n. Chr.) und die Mameluken (ab 1250 n. Chr.) ihre Spuren in Kairo. Anno 1517 begann die osmanische Herrschaft aus dem fernen Konstantinopel (heute Istanbul) in Kairo. Fast 300 Jahre dauerte die Regierungszeit der Osmanen, die durch den französischen Kaiser Napoleon vorübergehend unterbrochen wurde. Während seiner Expedition übernahmen französische Truppen zwischen 1798 und 1801 die Kontrolle über die Stadt. Danach setzten die Osmanen mit britischer Unterstützung ihre Herrschaft fort.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Kairo zur Hauptstadt Ägyptens. Die einsetzende Industrialisierung veränderte die Stadt zunehmend. Die Einwohnerzahl nahm zu und die Stadt wurde durch die Errichtung neuer Viertel deutlich erweitert. Stadtplaner aus Frankreich und England sorgten für einen wachsenden europäischen Einfluss. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die nur noch schwache Bindung zum osmanischen Reich offiziell aufgehoben. Ägypten und somit auch Kairo waren fortan ein britisches Protektorat. Zwischen den beiden Weltkriegen erlangte Ägypten seine Unabhängigkeit. Kairo verwandelte sich nun zusehends schneller. Das Stadtbild veränderte sich durch neue Trabantenstädte und immer höhere Wohn- und Gewerbegebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Metropolisierungsprozess ungezügelt fort.

Stadtgliederung und Stadtstruktur

Städtebaulich gesehen kann aus heutiger Sicht die Innenstadt Kairos in einen traditionellen Teil und in einen deutlich größeren, modernen Teil gegliedert werden. Der historische Kern Kairos weist im Wesentlichen die Grundelemente einer orientalischen Stadt auf. Ein typisches bauliches Merkmal der traditionellen orientalischen Stadt ist der Sackgassengrundriss. Das Gewirr aus Gassen ist in der Regel heute noch in der Altstadt (Medina) zu finden. Zahlreiche kurze Straßen führen von den Sackgassen in das Innere der Wohnhausblöcke. In einem solchen Grundriss kommt das Streben der Bewohner nach Schutz der Privatsphäre zur Geltung. Das traditionelle orientalische Stadtbild prägen weiterhin die Moscheen und die dazugehörigen Minarette (Moscheetürme), von denen die Muezzins die Gläubigen zum Gebet rufen. Der zentrale Markt - Souk (arabisch) oder Bazar (persisch) - ist das traditionelle Handels-, Gewerbe- und Finanzzentrum der Stadt. Hier befinden sich Einzel-, Groß- und Fernhandel auf engstem Raum.
In den letzten 200 Jahren hat sich das Bild der traditionellen orientalischen Stadt stark verändert, so auch in Kairo. Der Einfluss des Westens auf alle gesellschaftlichen Bereiche und das enorme Wachstum der Stadt hat zu einer Zweipoligkeit der heutigen Stadtstruktur geführt. Dabei stehen dem erhaltenen historischen Stadtkern als Gegensatz die neuartigen und modernen Viertel gegenüber. Städtebaulich werden diese Differenzen durch das Aufeinandertreffen von Gebäuden im orientalischen Stil (z. B. Baumaterial aus Lehm) und funktionalen Betonbauten erkennbar. Häufig werden die alten Stadtkernbereiche einfach abgebrochen. Erhalten bleiben meist die Moscheen und Bazare, wobei die traditionellen Märkte zunehmend ihre einstige Bedeutung verlieren. Denn in den Außenbezirken, aber auch im Innenstadt-Bereich Kairos entstehen neue Geschäfts- und Bürozentren nach westlichem Vorbild. Diese Entwicklung wird durch die zunehmende Motorisierung durch den Individualverkehr unterstützt und wird hauptsächlich durch die Oberschicht der Bevölkerung getragen, welche ihre eigenen Wohnquartiere nach modernen Aspekten bewohnen. Bevölkerungsgruppen aus einfachen und sozial schwachen Schichten sind hingegen meist in informellen Siedlungen (Slums) zu finden, die die Stadt umgeben. Die am westlichen (d.h. vor allem nordamerikanischen bzw. europäischen) Stil orientierten Modernisierungen haben zur Folge, dass die traditionellen orientalischen Stadtstrukturen und Lebensformen zunehmend überprägt oder auch zerstört werden.

Kairo als Primatstadt - Folgen der Metropolisierung

Problematisch für Ägypten und Kairo ist das starke Bevölkerungswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg. Durch die naturräumliche Lage Ägyptens konzentriert sich die Siedlungstätigkeit im Wesentlichen auf das Nildelta und insbesondere auf Kairo. Da Kairo alle anderen Städte von Ägypten an Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft weit übertrifft, wird die Metropole auch als Primatstadt bezeichnet. Eine Primatstadt besitzt alle harten und weichen Standortfaktoren eines Landes. Viele wichtige Funktionen der Politik, der Wirtschaft, des Verkehrs und der Kultur sind in einer solchen Stadt konzentriert. In Europa sind beispielsweise Paris, London und Athen Primatstädte. Durch die hohe Konzentration an Wirtschaftskraft und Bevölkerung verstärkt sich der Metropolisierungsprozess mit entsprechenden Vor- und Nachteilen weiter. Kairo ist ein bedeutendes Handelszentrum und eine Drehscheibe zwischen Südeuropa und dem Maghreb. Zahlreiche Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen haben ihren Hauptsitz in der ägyptischen Hauptstadt. Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind das Verarbeitende Gewerbe (z. B. Möbel, Schuhe, Tabak), der öffentliche Sektor (z. B. Verwaltung, Militär) und nicht zuletzt der Tourismus. Einen hohen Stellenwert nimmt auch der informelle Sektor ein.
Die ungebremste Metropolisierung Kairos bringt aber zahlreiche Probleme mit sich. Da die Verkehrsentwicklung mit dem rasanten Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten kann, ist ein Verkehrschaos die Folge. Im innerstädtischen Bereich und in randstädtischen Gebieten haben sich Elendsviertel herausgebildet. Charakteristisch sind neben einer heruntergekommenen Bausubstanz auch schlecht ausgebaute Infrastruktureinrichtungen. Armut und Arbeitslosigkeit sind hier außerordentlich hoch. Dadurch sind die sozialen Probleme wie Kriminalität, Drogenmissbrauch, Alkoholismus und Krankheiten besonders gravierend.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.07.2012


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