Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Waldbrände


03.08.2003 - Waldbrände in Portugal und Spanien (Quelle: Global Fire Monitoring Center)

Definition, Entstehung, Auswirkungen von Waldbränden

Was sind Waldbrände?

Waldbrände werden definiert als natürliche oder von Menschen (anthropogen) verursachte Brände, die den Wald zumindest an der Oberfläche schädigen. Man unterscheidet drei Arten von Waldbränden: Bodenfeuer, die fast ausschließlich die Humusschicht des Waldes zerstören; Grundfeuer, die das Unterholz und die Waldstreu (kleine Äste, Blätter und Nadeln) vernichten; Kronenfeuer, die bis zu den Kronen der Bäume reichen und sich im Bestand fortpflanzen. Oftmals treten alle drei Arten von Waldbränden gemeinsam auf, sie können aber auch einzeln beobachtet werden.

Entstehung von Waldbränden

Waldbrände können natürliche (z. B. Blitzschlag und Selbstentzündung) oder anthropogene Ursachen haben, beispielsweise Brandrodungen zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen, Brandstiftung oder Unachtsamkeit wie eine weggeworfene Zigarette oder Glasscherbe. Die Anfälligkeit eines Gebietes für Waldbrände wird maßgeblich vom Wettergeschehen beeinflusst. Temperatur, Feuchtegehalt im und auf dem Boden sowie Niederschläge bestimmen über das Abtrocknen des brennbaren Materials und somit über dessen Entzündbarkeit. Wind beschleunigt das Abtrocknen und facht bestehende Waldbrände an, ebenso trägt er zur Vergrößerung der Brandfläche bei. Neuerdings wird befürchtet, dass die Klimaveränderung zu vermehrten Waldbränden in den riesigen Nadelwäldern im Norden Kanadas, in Alaska und Sibirien führt. Die höheren Temperaturen und geringeren Niederschläge könnten dort dazu führen, dass entstehende Brände größer werden und nicht mehr so leicht von selbst verlöschen bzw. zu löschen sind.

Sind Waldbrände nur schädlich?

Natürlich stellen Waldbrände eine Gefahr für Siedlungen, die Forstwirtschaft und den Tourismus dar. Vor allem die Tierwelt leidet stark unter ihnen. Insekten und höheren Tieren bleibt fast immer nur die Flucht aus dem betroffenen Gebiet. Aber Waldbrände sind nicht nur negativ zu bewerten, sie weisen sogar diverse positive Effekte auf. So sind einige Pflanzenarten geradezu auf Waldbrände angewiesen, um weiter wachsen und sich vermehren zu können. Unterschieden wird zwischen den sog. "Resprouters" und den "Reseeders". Zum Beispiel regenerieren sich die Steineichen nach einem Waldbrand durch Stockausschlag, d.h. sie treiben neu aus. Die Samen anderer Pflanzen werden durch die Hitze eines Brandes zum Keimen stimuliert. Nach einem Waldbrand kehren auch die Tiere in der Regel nach kurzer Zeit zurück. Waldbrände an sich stellen keine Katastrophe dar, problematisch können jedoch häufige, schnell aufeinander folgende Brände sein, da sie die Regeneration der Flora beeinträchtigen.
Die Frage, ob Waldbrände schädlich sind, hängt auch zu einem großen Teil von der Art des betroffenen Ökosystems ab. Die großen Brände der letzten Jahre z. B. in den USA sind Teil der dortigen Ökosysteme. Die bei den Bränden entstehende Asche dient als Dünger für neue Triebe. Im Yellowstone-Nationalpark werden seit einigen Jahren natürlich auftretende Brände nur noch beobachtet, nicht aber sofort gelöscht, da die Vernichtung des bodenbeschattenden Unterholzes das Überleben anderer Arten erst sichert. Die Samen einiger Kiefernarten keimen z. B. erst, wenn Licht an sie gelangt, d. h. der Boden nicht mehr abgeschattet wird. Die Brände in den Tropenwäldern Südamerikas oder Zentralafrikas hingegen sind zumeist mutwillig gelegt und dem Ökosystem nicht dienlich. Im Gegenteil: Sind erst einmal die Böden freigelegt, werden diese nicht mehr vom Wurzelwerk gehalten und mit den nächsten Regenfällen abgetragen. Diese Flächen fallen schon nach wenigen Jahren der Desertifikation anheim oder versteppen. Während die Wälder der gemäßigten und hohen Breiten sich im allgemeinen gut von Waldbränden erholen, wächst auf diesen Böden kein Tropenwald mehr heran, unter Umständen bildet sich noch eine Sekundärvegetation aus.

Landnutzung und Waldbrände

In Mitteleuropa entstehen Brände vor allem in dichtstehenden Nadelholzreinbeständen bis zum Alter von 40 Jahren, wie sie viel in intensiv bewirtschafteten Fichtenmonokulturen zu finden sind. Am wenigsten gefährdet sind hingegen Altholz-Mischbestände wie z. B. in einem Plenterwald. Ein Laubholz-Unterstand unter Nadelholzbeständen wirkt sich positiv auf das Bestandsinnenklima aus und vermindert daher die Entzündungsgefahr. Trockene, sandige Standorte mit geringer Wasserversorgung und trockene Grasdecken, Reisig und Heidevegetation sind besonders durch Waldbrände gefährdet.

Auswirkungen der Brandlöschung

Wird jeder noch so kleine Waldbrand im Keim erstickt, sammeln sich im Laufe der Jahre große Mengen Biomasse an. Dazu gehören Blätter und Nadeln sowie Totholz. Diese Biomasse erhöht die Gefahr eines großen Waldbrandes, der für den Wald vernichtend sein kann. Besser ist es, kleine Waldbrände zuzulassen, um die angesammelte Biomasse gering zu halten. Gute Erfahrungen hat man in Mitteleuropa mit vorbeugenden Maßnahmen gemacht. Dazu gehören die Begründung (Pflanzung) von Mischbeständen, welche zu einem feuchteren Innenklima führt und die Anlage von Feuerschutzstreifen zur Unterbrechung großer Kiefernbestände; dies können entweder min. 10 m breite Krautstreifen (Wildwiesen) oder ca. 50 m breite Laubholzstreifen sein.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 31.03.2012


Zurück zur Terrasse