Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Flurbereinigung im Kaiserstuhl


Weinbergterrassen im Kaiserstuhl (MEV)

Auswirkungen der Flurbereinigung auf die Natur und den Weinanbau

Der Kaiserstuhl ist ein schmaler Gebirgsstock in der Oberrheinischen Tiefebene, der an seiner höchsten Stelle eine Höhe von 557 m ü. NN erreicht. Er weist die höchsten durchschnittlichen Temperaturen Deutschlands auf. Hier existieren hervorragende Voraussetzungen für den Weinbau, aber auch für die Existenz mediterraner Tier- und Pflanzenarten. Neben dem Wein gedeihen hier viele andere Kulturpflanzen wie Feldgemüse, Erdbeeren und Tabak.

Die Flurbereinigung

Wegen der Armut im Kaiserstuhl verließen im 20. Jahrhundert immer mehr Menschen ihre Heimatdörfer. Um diese Entwicklung zu stoppen, wurden in den 1960er und 1970er Jahren die Pläne für eine Flurbereinigung des Kaiserstuhls verwirklicht. Die Weinhänge waren damals in kleine Terrassen zergliedert, die hangparallel angelegt waren. Die Sonneneinstrahlung konnte so von den Reben sehr gut genutzt werden. Die Zerteilung der Terrassen durch Erbteilung war aber schon weit voran geschritten, die Bearbeitung von Hand sehr mühsam.
Bei der Flurbereinigung wurden ganze Hänge mithilfe großer Maschinen abgetragen und neu modelliert. Der Löss wurde zu riesigen Terrassen geformt. Viele Weinbauer hatten nach der Flurbereinigung nur noch wenige Rebstücke mit vielen Reihen von Reben auf großen Terrassen. Das ersparte ihnen viel Zeit bei der Bearbeitung. Sie mussten nicht mehr ein kleines Terrassenstück nach dem anderen bearbeiten und brauchten nicht mehr so viel Zeit, um von einem Rebstück zum nächsten zu gelangen. Außerdem wurden breite, asphaltierte Wege angelegt. Ab den 1960er Jahren schafften immer mehr Bauern Traktoren und Maschinen an, mit denen sie bequem die Rebstücke erreichen konnten. Die Arbeit im Weinberg war nun leichter geworden, da man mit den Maschinen zwischen die Rebreihen fahren konnte. Bei der Rebumlegung gingen jedoch auch alle alten Reben verloren und die neu gepflanzten Reben auf den Großterrassen brachten erst nach etwa drei Jahren einen Ertrag.

Auswirkungen

Nachteilig wirkte sich z. B. die Neigung der Terrassen zum Hang hin aus. Die Neigung wurde so gewählt, um Erosion auf den großen Flächen zu vermeiden. Hier sammelte sich jedoch in Strahlungsnächten die Kaltluft und brachte die Weinreben zum Erfrieren. Die Kaltluft floss die Terrassen und Böschungen entlang an die tieferen Stellen und sammelte sich dort. Da sie schwerer ist als die warme Luft, konnten sich Kaltluftseen bilden, die erst durch Sonneneinstrahlung wieder aufgelöst wurden. Auch die Ausstrahlung der Böschungen wurde kaum noch genutzt, denn der größte Teil strahlte in den Nächten in den Weltraum ab, während bei den ehemals kleinen Böschungen der größte Teil der Ausstrahlung den Reben zugute kam. Bei Starkregen gab es oft Hangrutschungen, da die neu geformten Steilhänge nicht so standfest waren wie die natürlichen Lösshänge. Zudem wurden im Zuge der Flurbereinigung wertvolle Habitate seltener Tierarten vernichtet und Vorkommen geschützter Pflanzen zerstört.
Bis in die 1970er Jahre hinein fielen der Flurbereinigung fast alle Löss-Hohlwege zum Opfer, die bedeutsame ökologische Nischen speziell für Wildbienen und Vögel darstellten. Anfang der 1980er Jahre begann man, die noch vorhandenen Hohlwege zu schützen und als Naturdenkmale auszuweisen. Viele charakteristische Tier- und Pflanzenarten des Kaiserstuhls sind fast nur noch in den ausgewiesenen Naturschutzgebieten zu sehen. Das wohl wichtigste Naturschutzgebiet ist der zwischen Oberbergen und Alt-Vogtburg gelegene Badberg, der mit dem Haselschacher Buck zusammen eine große zusammenhängende Trockenrasenfläche bildet. Hier gedeihen u. a. zahlreiche seltene Orchideenarten.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.04.2012


Zurück zur Terrasse

Ihr Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden