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Das Toshka-Projekt


Toshka-Projekt (Klett)

Informationen rund um das Toshka-Projekt in Ägypten

Nur wenige Kilometer von der weltberühmten Tempelanlage Abu Simbel entfernt liegt eine der mächtigsten Pumpstationen Ägyptens. Sie ist das Zentrum eines gewaltigen Projektes zur Erschließung der südwestlichen Wüstenregion des Landes zwischen dem Nassersee und den Oasen in der libyschen Wüste. Bis zum Jahr 2017 sollen mind. 420.000 ha Wüstenboden urbar gemacht werden und 18 große Dörfer bzw. kleine Städte entstehen, in denen bis zu drei Mllionen Menschen leben können. Damit würde sich die Siedlungsfläche Ägyptens von zurzeit fünf auf 25 Prozent ausweiten und so helfen, die enorme Bevölkerungskonzentration im schmalen Niltal und des Deltas zu verringern.

Idee und Durchführung


Niloase und Toshkaprojekt (Klett)

Schon seit einigen Jahren führt der Nil überdurchschnittlich viel Wasser und um ein Überlaufen des Nassersees zu verhindern, musste seit 1996 das Nilwasser während der Hochflut in die Toshka-Senke abgeleitet werden, das dann dort ungenutzt verdunstete. Diese unrentable Wassernutzung war 1997 der Auslöser für das Erschließungsprojekt. Anfang 2003 wurden die ersten Großpumpen in Betrieb genommen. Sie befördern das Wasser aus dem Stausee bis zu 50 m hoch in das Kanalsystem auf dem Hochplateau, das sich mehr als 320 km durch die Wüste schlängelt. Einige Flächen werden bereits landwirtschaftlich bewirtschaftet, während andere Gebiete noch vorbereitet werden. Täglich sollen sich einmal bis zu 25 Mllionen m3 Wasser in die Kanäle ergießen. Doch aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen benötigt das Toshka-Projekt, trotz des Einsatzes modernster wassersparender Bewässerungstechniken, etwa zehn Pzozent des für Ägypten verfügbaren Nilwassers. Diese Wassermenge muss im bisherigen Verteilungssystem eingespart werden, da aufgrund des Nilwassernutzungsabkommens der Nilanrainer Ägypten nur eine begrenzte Menge des Nilwassers (55,5 Mrd. m3 pro Jahr) zusteht. Schon jetzt wird mehr Wasser verbraucht.

Finanzierung

Der Aufbau einer exportorientierten Agrarwirtschaft in einer peripheren Wüstenregion fordert Know-how und Kapital. Nach Angaben des Wasserministeriums liegen die Ausgaben mit bislang vier Milliarden Ägyptischen Pfund (800 Millionen Euro) noch im Plan. Insgesamt wird mit Kosten von etwa 300 Mlliarden Ägyptischen Pfund (62,3 Milliarden Euro) gerechnet. Um die Erschließung finanziell abzusichern, ist es notwendig, internationale Investoren für das Megaprojekt im Rahmen eines Public-Private-Partnership zu gewinnen. Die ägyptische Regierung lässt die Basisinfrastruktur (Straßen, Elektrizität) errichten, stellt Land und Wasser zu Niedrigstpreisen zur Verfügung und bietet langfristige steuerliche Anreize. Die privaten Investoren, überwiegend von der Arabischen Halbinsel, liefern das Kapital und die westlichen Unternehmen setzen ihre Erfahrungen zum Aufbau der Projekte sowie beim Management der Großfarmen und bei der internationalen Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ein.

Hauptziele

Das Toshka-Projekt soll insbesondere junge Ägypter ermuntern, aus dem engen Niltal wegzuziehen, neue Arbeitsmöglichkeiten für sie schaffen und späteren Generationen eine Zukunft sichern. Der überwiegende Teil der Arbeitsplätze soll von landwirtschaftlichen Großbetrieben bereitgestellt werden, die nach modernsten agrarwissenschaftlichen Methoden arbeiten. Weitere Arbeitsplätze sollen im Transport, bei der Weiterverarbeitung der Erzeugnisse und in der Verwaltung entstehen. Zur Landwirtschaft sollen Bergbau und Metallindustrie hinzukommen, weil die Region reich an Mineralien und anderen Rohstoffen ist. Zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten werden in neuen Betrieben der Infrastruktur und Versorgung der Bevölkerung sowie im Tourismus erwartet. Bei Toshka sollen u. a. Fischfarmen aufgebaut werden, die mehr als 5.000 t Fisch jährlich produzieren. Der Strom für die Betriebe wird der Assuan-Staudamm liefern, Straßen existieren bereits und sobald es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, sollen Bahnverbindungen zu anderen Städten entstehen.

Ein umstrittenes Projekt

Dennoch stößt das gigantische Toshka-Projekt nicht nur auf Zustimmung. Erste Kritiker waren Archäologen, die gerade in der Toshka-Ebene, wo nur eine dünne Sandschicht alten Lehmboden überdeckt, Spuren antiker Kulturen vermuten. Agrarwissenschaftler sind sich nicht einig, ob der Boden der Ebene überall fruchtbar ist, es müsste dann mit großen Mengen organischen Düngers oder mit Kunstdünger gearbeitet werden, um reichlich Ertrag zu bringen. Ökologen weisen immer wieder auf das äußert empfindliche Gleichgewicht von Fauna und Flora in der Wüste hin, das wohl mit dem Andrang von Menschen und dem landwirtschaftlichen Anbau für immer verloren gehen würde. Ob und wann sich allerdings die Erwartungen erfüllen, dass die vorgesehenen drei Millionen Menschen in der Toshka-Ebene leben, ist noch nicht geklärt, denn bei einem trockenen, heißen Wüstenklima mit Temperaturen von über 50°C in den Sommermonaten wird es schwierig, Interessenten zu finden, die diese Pionierarbeit leisten wollen. Ein weiteres ökologisches Problem ist die Versalzung der Böden, nach Angaben der Wissenschaftler würde das eingeleitete Wasser in der heißen Ebene schneller verdunsten, als es der trockene Boden und die Pflanzen aufnehmen könnten. Die Folge wären riesige Salzseen in der Wüste, die eine landwirtschaftliche Nutzung erschweren bzw. unmöglich machen.
Doch trotz all der Kritik hält die ägyptische Regierung an den Erschließungsplänen fest und hofft, dass sich die negativen Prognosen nicht bestätigen werden – denn für Ägypten hat das Toshka-Projekt eine ähnliche Bedeutung wie der Bau des Assuan-Staudamms.


Im Kontext:
Der Nasser-Stausee (Assuan-Staudamm)
Weltweiter Dammbau – Segen und Fluch



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Susanne Heise
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003/2011
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 05.09.2017


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