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Infoblatt Baumwolle


Baumwolle (Klett)

Baumwolle im Überblick

Einleitung

Baumwolle (Gattung Gossypium) gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie ist eine sehr alte tropische Kulturpflanze und zählt zu den Fasern liefernden Nutzpflanzen.

Beschreibung

Die Baumwollarten sind i. d. R. mehrjährige Halbsträucher oder Sträucher, werden in Kultur aber oft einjährig gehalten. Baumwolle besitzt eine kräftige, 2 - 3 m tief reichende Pfahlwurzel.
Die Blätter sind wechselständig, langstielig und meistens fünflappig. Die Kronblätter sind der Hibiscusblüte sehr ähnlich. Sie sind fünfzählig, gelb, weiß oder purpur und fallen meistens nach 1 - 3 Tagen ab. Die Filamente der Staubblätter sind zu einer Röhre verwachsen.
Die Pflanze bestäubt sich vorwiegend selbst, in einigen Fällen kann auch eine Insektenbestäubung erfolgen. Die Frucht ist eine 3 - 5-fächrige Kapsel, die ungefähr vier Wochen bis zur Reife benötigt. In den einzelnen Fächern liegen die birnenförmigen Samen. Der Epidermis der Samenschale entspringen die Baumwollhaare. Diese bis zu 4 cm langen Samenhaare sind einzellig, bandartig abgeflacht und in sich schraubig verdreht. Die längeren, verspinnbaren Fasern werden als "Lint" bezeichnet. Außerdem befinden sich auf der Samenschale noch kürzere Haare, die "Linters" oder Grundwolle genannt werden. Zunächst sind die Samenhaare mit Zellplasma gefüllt, was dann aber bei der Anlagerung von Cellulose in der Zelle verbraucht wird. Die reife Faser besteht zu 80 - 90 % aus Cellulose und fällt beim Trocknen bandartig zusammen.
Bei Reife öffnen sich die Kapseln und die Haarbüschel der Samen werden wie ein großer Wattebausch sichtbar.

Herkunft / Verbreitung / Anbaugebiete

Die Baumwolle besitzt mehrere Ursprungsgebiete, zum einen das südliche Afrika bzw. Indien-Indonesien (altweltlich) und zum anderen die nördlichen Anden (neuweltlich).
Schon 3000 v. Chr. wurde im Industal bzw. 2500 v. Chr. in Peru Baumwolle verarbeitet. In Ägypten wurde seit 500 v. Chr. Baumwolle angebaut. Im 9. und 10. Jahrhundert gelangte die Baumwolle durch die Araber nach Spanien und Sizilien. Bedeutung in Europa erlangte die Baumwolle im 19. Jh. mit Beginn der Industrialisierung und Kolonialisierung.
Heute wird Baumwolle auf allen Kontinenten angebaut. Wichtige Baumwollproduktionsländer sind z. B. die USA, China, Indien, die Länder der ehemaligen Sowjetunion, Pakistan, die Türkei, Brasilien, Griechenland, Australien, Ägypten oder auch Argentinien.

Baumwollsorten

Nur vier Sorten der Baumwolle bilden Samenhaare. Diese angebauten Arten gliedern sich in zwei altweltliche und zwei neuweltliche Arten. Zur altweltlichen Baumwolle gehören das strauch- oder baumförmige Gossypium aboreum und das einjährige Gossypium herbaceum. Das einjährig gehaltene Gossypium hirsutum, die Upland-Baumwolle, sowie Gossypium barbadense, die Sea-Island-Baumwolle, zählen zu den neuweltlichen angebauten Arten. Sie unterscheiden sich auch in der Länge ihrer Fasern. Die längsten Baumwollhaare besitzt die Sorte Gossypium barbadense.

Anbau / Standortansprüche

Baumwolle ist frostempfindlich, schon Temperaturen unter 5 °C schaden der Pflanze. Sie benötigt zum Wachsen warmes arides Klima. Vor allem eine hohe Lichtintensität ist für den Anbau von Bedeutung. In der frühen Wachstumsphase benötigt sie ausreichend Wasser, dann ist trockenes Wetter notwendig. Fällt in der Erntezeit Regen, kann die Qualität der Fasern von schon geöffneten Kapseln beeinträchtigt werden. Außerdem öffnen sich bei hoher Luftfeuchtigkeit die Kapseln schlechter.
Die Ansprüche der Pflanze an den Boden sind weniger hoch. Durch das starke Wurzelsystem ist eine ausreichende Tiefgründigkeit des Bodens notwendig. Außerdem sollte dieser nicht zu salzhaltig sein.

Ernte und Lagerung

Durch die ungleichmäßige Reife der Kapseln werden die Felder i. d. R. mehrmals durchgeerntet. Sind etwa 50 - 60 % der Kapseln geöffnet, wird mit der Ernte begonnen.
In einigen Ländern erfolgt die Ernte der Baumwolle per Hand (z. B. Ägypten, Sudan). In den USA oder in Russland werden hierfür Pflückmaschinen eingesetzt, was aber die Qualität mindert, da Kapseln unterschiedlicher Reife und auch Blätter geerntet werden. Z. T. wird ein vorheriger Blattabfall durch Chemikalien erzwungen. Neuere Entwicklungen zur Ernte sind Vakuumpflücker (fahrbare Maschinen mit mehreren Saugarmen) sowie Spindelpflücker (Maschinen mit drehbaren Spindeln, die die Haare der reifen Samen fassen und eindrehen), so dass genauer geerntet werden kann.
Die Baumwolle wird dann locker aufgeschüttet und einige Tage getrocknet, da es sonst zur Fleckenbildung kommen kann.

Verarbeitung

Die Baumwolle wird daraufhin an Entkernungsbetriebe geschickt, die die Lintfasern mit Hilfe spezieller Maschinen (Gin) vom Samen trennen (egrenieren). Anschließend werden mit weiteren Maschinen die kurzen Lintersfasern abgeschnitten.
Der Lint wird in Ballen gepresst und in weiteren Fabriken zu Baumwollgarnen versponnen. Die Qualität der Baumwolle bewertet man vor allem nach ihrer Faserlänge (Stapel), Reinheit, Farbe, Reifegrad, Feinheit, Reißfestigtkeit. Feinfaserige langstapelige Baumwolle (besonders aus Ägypten oder Peru) gilt als die wertvollste, da sich aus ihr besonders feine und feste Garne herstellen lassen.
Linters wird als Beimengung zu groben, billigen Garnen, als Watte, Polstermaterial verwendet oder wegen des hohen Cellulosegehaltes auch als Rohstoff zur Papier-, Cellulose-, Sprengstoff- oder Kunstseidenherstellung.
Die anfallenden ölreichen Samen werden entweder als Saatgut oder zur Gewinnung von Baumwollsaatölen genutzt. Das Öl ist auf Grund seines hohen Linolsäureanteils für die Margarineherstellung sehr wertvoll. Es wird auch für die Seifen-, Kosmetik- und Kerzenherstellung verwendet. Der Presskuchen besitzt einen hohen Nährwert, enthält allerdings die giftig wirkende Substanz Gossypol, die nur von mehrmägigen Wiederkäuern vertragen wird. Somit ist es ein besonderes Zuchtziel, Sorten zu entwickeln, denen diese giftige Substanz fehlt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Trotz wachsender Bedeutung synthetisch erzeugter Fasern spielt die Baumwolle auch heutzutage aufgrund ihrer guten Eigenschaften noch eine sehr große Rolle als Rohstoff für die Textilindustrie. Weltweit wurden 2010 über 23,5 Mio. t Baumwollfasern produziert, wobei China mit etwa 5,97 Mio. t an erster Stelle stand, dicht gefolgt von Indien mit 5,7 Mio. t (FAOSTAT).

Literatur

FRANKE, G. (1994): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band II. Leipzig.
FRANKE, W. (1997): Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der Gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. Stuttgart.
Urania Pflanzenreich (1994): Blütenpflanzen 2. Leipzig.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anett Siebert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012


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