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Infoblatt Stiftung Warentest


Geschichte und Aufgaben der unabhängigen Verbraucherschutzorganisation

Geschichte

Das Wirtschaftswunder machte es möglich: Die Schaufenster wurden Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahren stetig voller und das Warenangebot nahm deutlich zu. Der Verbraucher verlor bei der immer breiteren und tieferen Produktpalette jedoch zunehmend den Überblick. Das erkannte auch die Bundesregierung. Nach jahrelangen Diskussionen wurde durch einen Beschluss der Bundesregierung am 04. Dezember1964 die Stiftung Warentest gegründet. Als Sitz wurde West-Berlin festgelegt, wo die unabhängige Stiftung noch heute angesiedelt ist. Finanziell wurde die neue Stiftung zunächst nur durch das Finanzministerium unterstützt.

Im März 1966 erschien die erste Publikation "Der Test". Getestet und bewertet wurden allerdings nur zwei Produkte: Nähmaschinen und Stabmixer. Das neue Heft legte einen Bilderbuchstart hin und war nach zwei Wochen ausverkauft. Nach den ersten Freuden folgte die Ernüchterung. Der Absatz von Heften am Kiosk brach ein. Deshalb wurden fortan nur noch Abonnenten beliefert. Die Stiftung Warentest arbeitete zunehmend mit den Medien zusammen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Das Konzept ging auf, so folgte ein Neustart am Kiosk. Im Jahr 1971 abonnierten und kauften die Zeitschrift "Der Test" 100.000 Leserinnern und Leser. Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte die Stiftung Warentest die ersten Sonderhefte. 1978 lag die Auflage bereits bei 600.000 Heften. 1990 erreichte die Auflage von "test" die Rekordmarke von über einer Million. Seitdem sank die Auflage kontinuierlich und wurde im Jahr 2006 mit durchschnittlich 566.000 Heften pro Monat angegeben, wobei 464.000 im Abonnement und 102.000 im Kioskverkauf vertrieben wurden. Es wird vermutet, dass sich die Verbraucher immer weniger an ein Abonnement binden wollen und sich auch im Internet über neue Produkte informieren, wenngleich die Stiftung Warentest ebenfalls seit 1997 im Internet vertreten ist. Seit Anfang der 2000er Jahre sind alle Testberichte z. T. kostenpflichtig online abrufbar. 2004 feierte die Stiftung Warentest ihr 40jähriges Bestehen.

Aufgabenbereich und Arbeitsweise

Zum Aufgabenbereich der Stiftung Warentest zählt ein objektiver Vergleich von Produkten und Dienstleistungen und Aufklärung des Verbrauchers über wirtschaftliche Haushaltsführung sowie umwelt- und gesundheitsbewusstes Verhalten. Die Testprodukte werden beispielsweise nach Merkmalen wie Nutzwert, Gebrauchswert und Umweltverträglichkeit überprüft. Die getesteten Produkte und Dienstleistungen veränderten sich mit der Nachfrage.
Im ersten Jahrzehnt drehte sich alles um die sog. weiße Ware. Dazu gehörten die damaligen Verkaufsschlager im Haushaltswarenbereich wie Waschmaschinen und Küchenhilfen. Zahlreiche Geräte, die heute selbstverständlich sind, fehlten in vielen Haushalten noch. In den 1980er Jahren folgten Produkte der Unterhaltungselektronik und Reisen.
Die Stiftung Warentest reagierte auch auf aktuelle Ereignisse wie die Massenpanik am 29. Mai 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion, als es 38 Tote und hunderte Verletzte gab. Die Stiftung Warentest untersuchte daraufhin bauliche Aspekte der 18 deutschen Bundesligastadien und stellte bei acht Bauwerken sehr bedenkliche Sicherheitsmängel fest.
Die Vielfalt der getesteten Produkte und Dienstleistungen nahm in den folgenden Jahren immer weiter zu. Im Januar 1991 erschien die erste Ausgabe des Ablegers "Finanztest", die sich hauptsächlich den Themenbereichen Finanzdienstleistungen, Steuern und Verbraucherrecht widmet. Zurzeit baut die Stiftung Warentest ein neues Angebot speziell für Kinder und Jugendliche auf. Zeitgemäß soll mit einem eigenen Onlineportal die neue Zielgruppe erreicht werden. Getestet werden Produkte und Dienstleistungen, wie beispielsweise Sorgentelefone, Tintenkiller, Jugendgirokonten und Hähnchen-Nuggets.
Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2000 gaben 96 % der Befragten an, dass ihnen die Stiftung Warentest bekannt ist. Mehr als ein Drittel aller Befragten orientieren sich bei ihren Kaufentscheidungen an den Testurteilen der Verbraucherschutzorganisation. Somit hat die Stiftung einen signifikanten Einfluss auf Kaufentscheidungen. Konflikte mit betroffenen Anbietern sind deshalb nicht ausgeschlossen, wenn Produkte oder Dienstleistungen etwa mit einem "mangelhaft" bewertet werden. Bei entsprechendem medialem Echo kann der Absatz sinken und der Marke einen erheblichen Schaden zufügen. Etliche Unternehmen sind deshalb gegen die Testurteile der Stiftung Warentest mit Klagen vorgegangen, um Schadensersatz einzufordern. Bislang wurde die Stiftung Warentest allerdings noch nicht rechtskräftig zu Zahlung von Schadensersatz verurteilt.

Wirtschaftliche Daten & Fakten

Im Jahr 2011 führte die Verbraucherschutzorganisation 99 Warentests durch. Genau 1.633 Produkte wurden geprüft. Darunter waren z. B. Aktionsware aus dem Discounterbereich, Dienstleistungstests und Weiterbildungstests. Insgesamt hat die Stiftung Warentest im Jahr 2011 292 Mitarbeiter. In ihrem bisherigen Bestehen hat die Stiftung insgesamt ca. 5.200 Waren getestet, über 85.000 Produkte geprüft und 1.937 Dienstleistungstests durchgeführt. Der Gesamterlös der Organisation betrug 2011 48,08 Mio. €, die u. a. über den Verkauf von Publikationen, Online-Testberichten und Werbung mit Tests auf Produkten erzielt wurde. Da die Stiftung Warentest in ihren Publikationen keine Werbung drucken darf, erhält sie vom Staat 4 Mio. € Ausgleichszahlungen. Durch die fehlenden Anzeigen soll sichergestellt werden, dass die Stiftung Warentest nicht unter finanziellen Einfluss von Produkt- und Dienstleistungsanbietern gerät. Die Stärken der Stiftung Warentest sind nämlich ihre Unabhängigkeit und Marktnähe. Die Stiftung wird seit 1995 durch den Alleinvorstand Dr. Werner Brinkmann vertreten und geführt.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.10.2012


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