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Infoblatt Sojabohne


Sojapflanze (Klett)

Soja im Überblick

Einordnung

Die einjährige Sojabohne gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler (Leguminosen). Soja ist die wirtschaftlich bedeutendste Samenölpflanze weltweit. Aufgrund ihres hohen Gehaltes an Proteinen zählt die Sojapflanze außerdem zu den Eiweißpflanzen.

Beschreibung

In der Wuchsform weist die Sojabohne Ähnlichkeit mit unserer Buschbohne auf. Sie erreicht eine Höhe von bis zu 80 cm. Als Früchte bildet die Pflanze 3 - 5 cm lange Hülsen mit meist 2 - 3 Bohnen aus. Je nach Sorte sind diese weiß, gelb, grün, braun oder violett bis schwarz. Die in den Hülsen enthaltenen Samen haben einen Eiweißgehalt zwischen 35 und 50 % und sind damit die proteinreichsten Körnerfrüchte. Der Ölgehalt der Bohnen schwankt zwischen 15 und 21 %.
Das Eiweiß aus der Sojabohne wird als biologisch besonders wertvoll eingestuft. Es enthält alle Eiweißbausteine (Aminosäuren), die der Mensch selbst nicht bilden kann und würde damit als alleinige Eiweißquelle für die menschliche Ernährung ausreichen – sozusagen als Ersatz für tierische Lebensmittel (wichtig für Vegetarier!).

Verbreitung / Anbaugebiete / Herkunft

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem asiatischen Sommermonsungebiet – aus China. Hier wurde sie schon weit vor unserer Zeitrechnung kultiviert. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Soja außerhalb der asiatischen Heimat nahezu unbekannt. Erst nach dem II. Weltkrieg wurde die Pflanze in Nord- und Südamerika verbreitet. Der amerikanische Kontinent ist heute führend in der Sojaproduktion; namentlich sind das der "Sojabaron" USA, gefolgt von Brasilien und Argentinien. Über 80 % der weltweiten Sojaernte stammt aus diesen drei Ländern. China, Japan und Korea sind die ostasiatischen Anbauländer von Soja.

Anbau / Standortansprüche

Die Herkunft der Pflanze aus tropischen und subtropischen Gefilden erklärt ihre klimatischen Ansprüche: hohe Temperaturen und gerade in der Anfangsphase einen großen Wasserbedarf. Des weiteren ist die Sojabohne eine Kurztagspflanze, d. h. die Tageslänge (Lichteinstrahlung) muss unter 14 Stunden liegen. Die genannten Temperatur- und Tageslängenansprüche der Pflanze erklären, weshalb Anbauversuche in Mitteleuropa und den USA anfänglich scheiterten. Die Ausdehnung des Sojabohnenanbaus in diese Regionen war erst mit der Züchtung von Sorten möglich, die den "Widrigkeiten" der gemäßigten Klimazone trotzten.
Die Sojabohne lebt in Symbiose mit stickstoffsammelnden Knöllchenbakterien. Diese sind in der Lage, Luftstickstoff zu binden und für die Pflanze nutzbar zu machen, indem sie ihn in hochwertiges Protein umwandeln. Durch diese günstige Eigenschaft kann auf eine künstliche Stickstoffdüngung der Sojafelder verzichtet werden.
Die Pflanze stellt hohe Bodenansprüche. Insbesondere schwere Böden sollten gemieden werden, da hier die Stickstoffbindung der Knöllchenbakterien gehemmt ist. Die wichtigste Pflanzenschutzmaßnahme beim Anbau von Sojabohnen ist die Unkrautbekämpfung vorwiegend in den ersten 4 - 6 Wochen. Durch den starken Einsatz von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln zielt die Sojabohnen-Züchtung in Richtung Herbizidresistenz.

Die Gen-Sojabohne

Es würde ein völlig falsches Bild des heutigen Sojabohnenanbaus entstehen, spräche man nicht die Thematik der gentechnisch veränderten Sojabohne an. Setzt man die Anbaufläche von genmanipuliertem Material mit der Gesamtanbaufläche der Pflanze in Relation, so nimmt Soja eine deutliche Spitzenposition unter allen Kulturpflanzen ein. 1996 wurde in den USA der Startschuss für die "Genbohne" gegeben. Heute, also nur wenige Jahre später, ist bereits mehr als die Hälfte der Sojabohnen-Welternte genmanipuliert. Die folgenden Angaben zum Anteil der Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Sorten sind sehr spekulativ. In den USA, so schätzt man, sollen reichlich 70 % der Sojaanbaufläche mit genmanipulierten Sorten bestückt sein. Argentinien soll diesen Wert noch deutlich toppen. In Brasilien ist laut Gesetz der Gen-Sojabohne ein Riegel vorgeschoben, aber auch hier haben sich illegale Wege gefunden, die der Gentechnik den Einzug in die Landwirtschaft ermöglichten.
Problematisch erweist sich für die Soja-Importländer die Unterscheidung von gentechnisch behandeltem und "sauberem" Material. Da Soja als Massengut gehandelt wird, treten schon bei der Ernte und darauf folgend bei jedem Transport- oder Lagerungsabschnitt als auch in der Verarbeitung der Ware Vermischungen auf. Für den Verbraucher bedeutet das, dass sich Gentech-Soja in fast allen Sojaprodukten bzw. Produkten mit Sojabestandteilen befinden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gentechnikkennzeichnung auf Lebensmitteln in der Praxis sehr lückenhaft ist, auch wenn europaweit eigentlich Kennzeichnungspflicht besteht. Diese Kennzeichnungspflicht greift aber nur, wenn Gen-Soja im Produkt nachweisbar ist (Das funktioniert bei Sojaöl z. B. nicht!) und der Anteil von Gen-Soja im Produkt 1 % übersteigt.

Ernte

Fünf Monate rechnet man in etwa von der Aussaat bis zur Ernte. Sojabohnenfelder sind bei der Ernte braun, denn gegen Ende der Vegetationszeit verwelken die Blätter der Pflanze und fallen noch bevor die Bohnen reif sind ab.

Verarbeitung

Der größte Teil der Sojabohnenernte wird in Ölmühlen verarbeitet. Hier wird der ölhaltige Anteil aus den Bohnen gepresst. Dieses Öl findet in der Lebensmittelindustrie weitgefächerte Verarbeitungsmöglichkeiten, z. B. in Margarine, Speiseöl, Salatdressing, Mayonnaise, Kartoffelchips und bei frittierter Tiefkühlware. Ebenso wird das gewonnene Öl für technische Zwecke verwendet, so z. B. für Schmiermittel, Farben, Lacke, hydraulische Flüssigkeiten, Korrosionsschutzmittel und Linoleumbeschichtungen.
Nach der Abtrennung des Ölanteils verbleibt als "Restprodukt" sog. Sojaschrot, welcher aufgrund seines hohen Eiweißgehaltes als wertvolles Tierfutter dient.
Nur ein verschwindend geringer Teil der Sojabohnenernte kommt sonstiger Verwendung in der Lebensmittelindustrie zu. Tofu und Sojamilch sind z. B. typische Produkte aus Sojabohnen. Soja-Rohstoffe wie Sojamehl oder das Sojalecithin (E322), die bei der Verarbeitung der Bohnen extrahiert werden, sind als Zutaten in einer Vielzahl unserer Lebensmittel enthalten – meist in Fertiggerichten bzw. Produkten mit hohem Verarbeitungsgrad. Mittlerweile kommen Soja-Produkte in gut einem Drittel aller im Handel erhältlichen Lebensmittel vor. Beispiele für die Warenpalette mit Sojabestandteilen: Kekse, Cracker, Suppen, Milchmischgetränke, Schokolade, Müsliriegel, Knuspermüsli, Backwaren wie Brot, Brötchen und abgepackte Kuchen, Haselnusscreme, Milchimitate (Kaffeeweißer), Babynahrung, Diätprodukte.

Wirtschaftliche Bedeutung

Soja ist hinsichtlich seiner Anbaufläche die weltweit bedeutendste Samenölpflanze. Mehr als die Hälfte des produzierten Pflanzenöls stammt aus der Sojabohne. Erweitert man das Spektrum hier allerdings auf sämtliche ölliefernde Pflanzen, liegt die Ölpalme etwa gleichauf mit Soja.
Sojaschrot ist der wichtigste Eiweißlieferant in der Tierfütterung. Eine Fleischproduktion, wie sie in der EU existiert, wäre zum Beispiel ohne die enormen Sojaschrotimporte nicht möglich.
Die USA sind führend sowohl in der Produktion als auch im Export von Sojabohnen. Die nächstwichtigsten Sojabohnenerzeuger und ebenfalls Exportländer sind Brasilien und Argentinien. Der herausragendste Importeur von Sojabohnen bzw. direkt Sojaschrot ist die EU. Dabei geht es vorwiegend um die Deckung des Futtermittelbedarfs.
China, Korea und Japan produzieren fast ausschließlich für den Eigenbedarf.
Die wichtigsten Sojaanbauländer - Anteil an der Soja-Welternte 2010(nach Faostat) - USA 34,6 %, Brasilien 26,2 %, Argentinien 20,1 %, China 5,8 % und Indien mit etwa 4,5 %.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Claudia Fischer
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012


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