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Infoblatt Hirse


Hirse (Klett)

Hirse im Überblick

Einordnung

Als Hirsen bezeichnet man eine Gruppe von Getreidearten, die vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut werden. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden einige Hirsearten auch noch in Deutschland angebaut.
Hirsen sind gekennzeichnet durch kleine, oft runde Körner (Karyopsen) ohne Längsfurchen.

Beschreibung der Arten

Man unterscheidet zwischen zwei Gruppen: die Sorghumhirse und die "Echten Hirsen" (auch als Millet bezeichnet). Zu den "Echten Hirsen" zählen z. B. Zwerghirse, Fingerhirse, Rispenhirse, Foniohirse, Perl- oder Rohrkolbenhirse und auch Kolbenhirse.

Hirsearten:

  • Die Sorghumhirse, mit wissenschaftlichem Namen Sorghum bicolor genannt, ist die wichtigste Hirseart. Sie wird auch als Mohrenhirse oder Kaffernkorn bezeichnet. Ihr Herkunftsgebiet ist das äquatoriale Afrika. Heute wird sie z. B. in den USA, Indien, China, Nigeria, Mexiko, im Sudan, in Argentinien, Burkina Faso, Äthiopien, Australien, Kolumbien und Tansania angebaut. In ihrem Aussehen ähnelt die Sorghumhirse dem Mais. Die Pflanze wird bis zu 5 m hoch und besitzt bandförmige Blätter. Der Blütenstand ist eine 10 - 60 cm lange, lockere Rispe. Die Körner sind rund, ungefähr 4 - 5 mm dick und von roter, weißer oder gelber Farbe. Die Sorghumhirse ist dürreresistent. Sie kann unter schlechten Wachstumsbedingungen zeitweise in eine Art Trockenstarre übergehen und dann, z. B. nach neuen Regenfällen, weiter wachsen.
  • Die Zwerghirse, auch als Teff bezeichnet, ist das wichtigste Getreide in Nordäthiopien. Ihr wissenschaftlicher Name ist Eragrostis tef. Die Pflanze ist 40 - 80 cm hoch und besitzt eine 15 - 35 cm lange Rispe mit vielblütigen, gestielten Ährchen. Die Körner sind 1 - 1,5 mm dick und werden zu Mehl gemahlen. Mit Hefe wird daraus ein Brot gebacken, das als Injera bezeichnet wird.
  • Die Fingerhirse (Eleusine coracan) stammt aus Indien oder dem Sudan. Sie ist Hauptnahrung für die ländliche Bevölkerung in Teilen Südindiens und Zentralafrikas. Die Pflanze wird zwischen 30 und 90 cm hoch und besitzt 5 - 7 Einzelähren, von denen jede bis zu 10 cm lang wird. Die Spitzen der Ähren krümmen sich oft. Jede Einzelähre besitzt 60 - 80 Ährchen, die 4 - 6blütig und in zwei Reihen angeordnet sind. Die Körner sind 1 - 2 mm dick.
  • Die Rispenhirse (Panicum miliaceum) stammt aus Zentralasien und ist eine C4-Pflanze. Sie ist weniger wärmebedürftig als die anderen Hirsearten und wird in Russland, Zentralasien, Nordchina und im Mittelmeergebiet angebaut. Die Rispenhirse wurde früher auch als "das Brot des armen Mannes" bezeichnet. Die Pflanze wird bis zu 1,20 m hoch und besitzt Rispen als Blütenstand. Die Ährchen sind oft einblütig. Die runden Körner werden bis zu 3 mm dick.
  • Foniohirse wird auch Hungerreis genannt. Ihr wissenschaftlicher Name ist Digitaria exilis. Angebaut wird sie in Westafrika und ist dort für über eine Million Menschen die Grundnahrung. Vermutlich handelt es sich hierbei um das älteste Getreide Westafrikas. Die Pflanze wird bis zu 80 cm hoch und besitzt kurze Blätter. Sie bildet Fingerähren mit bis zu 15 cm langen Teilähren. Die Ährchen sind einblütig, und die Körner besitzen einen Durchmesser von 1 - 1,5 mm.
  • Die Perl- oder Rohrkolbenhirse heißt mit wissenschaftlichem Namen Pennisetum americanum. Sie stammt aus Afrika und ist das wichtigste Brotgetreide in Afrika, Arabien, Indien und Burma. Die Pflanze ist dem Mais sehr ähnlich. Sie wird 1 - 4 m hoch und besitzt 10 - 60 cm lange rohrkolbenartige Blütenstände mit einem Durchmesser von 1,5 - 4,5 cm Durchmesser. Die Ährchen sind zweiblütig, die untere Blüte ist männlich und die obere zwittrig. Die Körner sind bis 5 mm dick und von weißer, gelber, roter oder schwarzer Farbe. Diese Hirseart ist sehr salztolerant und trockenresistent und wird deshalb bis in die Randgebiete der Sahara und in den trockensten Gebieten Indiens angebaut.
  • Die Kolbenhirse, auch Borstenhirse oder Vogelhirse genannt, ist eine alte indogermanische Kulturpflanze. Mit wissenschaftlichem Namen heißt sie Setaria italica. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine C4-Pflanze. Angebaut wird sie von Südeuropa bis nach Japan. Die Pflanze wird bis zu 2 m hoch, die Blütenstände sind 5 - 30 cm lang.

Anbau / Standortansprüche


Hirse, Maniok, Batate - Hauptanbaugebiete (Klett)

Verallgemeinernd kann man sagen, dass Hirsen für ihr Wachstum viel Wärme benötigen. Frost vertragen sie schlecht. Hirsen benötigen viel Licht, aber nur relativ wenig Wasser. Sie können auch auf nährstoffarmen Böden wachsen.

Ernte und Lagerung

Die Ernte der Hirsen erfolgt in vielen Ländern per Hand bei Vollreife. Die Halme sind dann noch teilweise grün. Würde man bis zur Totreife mit der Ernte warten, so könnten die Körner ausfallen oder von Vögeln gefressen werden.
In Ländern wie den USA wird Hirse mittels Mähdreschern geerntet.

Verarbeitung

Zum Brot backen eignen sich nur einige Hirsearten. Die Körner werden vorwiegend wie Reis als Ganzes oder gemahlen zu Brei, Grütze oder Fladen verarbeitet. In einigen Ländern dienen die Hirsen zur Nahrungsdeckung (siehe oben).
Die Körner der Hirsen sind ernährungsphysiologisch wertvoll. Sie enthalten vor allem Kohlenhydrate (bis 75 %), Eiweiß guter biologischer Wertigkeit (bis 13 %) sowie bis zu 6 % Fett. Durch Züchtung wurde der Eiweißgehalt z. B. in Kolbenhirse oder Rispenhirse bis auf 18 % erhöht. Außerdem dienen die Körner z. B. als Vogelfutter/Hühnerfutter oder auch zur Herstellung eines sauren, schwach alkoholhaltigen Bieres (Hirsebier). Blätter und Halme dienen auch als Viehfutter.

Wirtschaftliche Bedeutung

Hirsen haben zum größten Teil nur eine regionale, dann aber große Bedeutung. 2010 betrug die Weltproduktion an Sorghumhirse 55,7 Mio. t, an "Echten Hirsen" wurden ungefähr 29,3 Mio. t produziert (FAOSTAT).

Literatur

KÖRBER-GROHNE, U. (1994): Nutzpflanzen in Deutschland. Kulturgeschichte und Biologie. Stuttgart.
FRANKE (1997): Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der Gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. Stuttgart.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anett Siebert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012


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