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Infoblatt Hafer


Hafer (Klett)

Hafer im Überblick

Einordnung

Hafer, auch Saathafer genannt, heißt mit wissenschaftlichem Namen Avena sativa L. Er ist wie z. B. der Weizen oder auch der Roggen ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae). Zur Gattung Hafer (Avena) gehören ungefähr 35 Arten.

Beschreibung

Die Pflanze ist einjährig und besitzt große nickende Ährchen, die in 15 - 30 cm langen, leicht abwärts hängenden Rispen stehen. Die Ährchen besitzen meist 2 - 3 Blüten, von denen aber in der Regel nur zwei fruchtbar sind. Die Deckspelze besitzt meist eine Rückengranne. Die Haferpflanze bestäubt sich selbst. Die Körner sind spindelförmig und tief gefurcht.
Getrocknete und entspelzte Haferkörner bestehen zu 11 - 15 % aus Wasser, zu 55 - 65 % aus Kohlenhydraten, zu 12 - 13 % aus Proteinen, zu 7 - 8 % aus Fett, zu 2 - 3 % aus Mineralstoffen und zu 1 - 2 % aus Fasern. Betrachtet man die biologische Wertigkeit, so steht Hafer im Vergleich zu Weizen, Roggen und Gerste an der Spitze, da er einen besonders hohen Anteil an lebenswichtigen Aminosäuren besitzt (z. B. Isoleucin, Leucin und Lysin) und die Fettsäuren überwiegend ungesättigt sind.

Herkunft / Verbreitung / Anbaugebiete

Wahrscheinlich stammt der heutige Hafer vom Flug- oder Windhafer (Avena fatua) ab, der heute noch als Unkraut auf den Feldern wächst. Das Ursprungsland ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich kam er als Unkraut mit dem Emmer und der Gerste von Südwestasien nach Mitteleuropa. Erst in der Bronzezeit wurde er dann aber in Kultur genommen. Der Anbau des Hafers setzte sich wahrscheinlich erst durch, als Klimaverschlechterungen zu Ernteverlusten bei Emmer und Gerste geführt haben.
Hafer wird heute in Europa bis 69,5° nördlicher Breite angebaut, wie z. B. in Irland, Deutschland, Schottland, Wales, Nordfrankreich und Südschweden. Weitere Anbaugebiete befinden sich in Nordamerika und Westasien.

Anbau / Standortansprüche

Die Pflanze wird überwiegend als Sommerfrucht angebaut. Hafer benötigt zum Wachsen feuchtkühles Klima und regelmäßige Versorgung mit Wasser. Er ist kälteempfindlich und hat einen hohen Wasserverbrauch. Aufgrund der Frostempfindlichkeit wird Hafer nur als Sommerfrucht angebaut. Er ist sehr empfindlich gegenüber Trockenperioden, deshalb wird er kaum in Südeuropa angebaut. Ansprüche an den Boden stellt Hafer keine besonderen. Der Hafer gilt als Pionierpflanze unter den Getreidearten, da er z. B. auch auf umgebrochenen Wiesen oder Niedermooren wachsen kann.

Züchtung

Es gibt mehrere Formen des Kulturhafers. Sie unterscheiden sich im Chromosomensatz, in der Farbe der Spelzen und in der Form der Rispen.
Außer dem Saathafer wird auch der Byzantinische Hafer (Avena byzantina) angebaut, der sommertrocknenes und -heißes mediterranes Klima verträgt. Eine weitere Haferart ist der bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts angebaute Sand- oder Rauhhafer (Avena strigosa), der auch in höheren Berglagen wuchs und ärmere Böden sowie höhere Niederschläge als der Saathafer vertrug.

Ernte und Lagerung

Hafer wird schon bei Gelbreife geerntet, da die Körper sonst leicht auseinander fallen.

Verarbeitung

Hafer dient aufgrund seines hohen Fettgehaltes in erster Linie als Futter für Pferde und Geflügel. Zur Brotherstellung kann man ihn nicht richtig verwenden, da die Körner kaum Klebeeigenschaften haben. Sofern die Körner entspelzt und geschält werden, kann man diese jedoch zu Haferflocken walzen. Haferflocken sind leicht verdaulich, sie können roh oder gekocht gegessen werden. Weiterhin wird Hafer als Haferschleim, Hafergrütze und in Nährpräparaten verwendet.

Wirtschaftliche Bedeutung

In Deutschland stellte Hafer früher in Form von Hafergrütze das Hauptnahrungsmittel dar. Bis ins 16. Jahrhundert wurde er auch in der Bierherstellung verwendet. Mit der Einführung von Maschinen in der Landwirtschaft ist der Haferanbau zunächst zurückgegangen, da nun nicht mehr so viele Pferde gehalten werden mussten, die mit Hafer gefüttert wurden. In den 1960er Jahren stieg der Haferanbau aufgrund der Reitpferdehaltung in Deutschland jedoch wieder an.

Literatur

FRANKE, W. (1997): Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der Gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. Stuttgart.
KÖRBER-GROHNE, U. (1994): Nutzpflanzen in Deutschland. Kulturgeschichte und Biologie. Stuttgart.
SCHÜTT, P. (1972): Weltwirtschaftspflanzen. Herkunft, Anbauverhältnisse, Biologie und Verwendung der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Berlin, Hamburg.
Urania Pflanzenreich (1994): Blütenpflanzen 2. Leipzig.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anett Siebert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012


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