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Infoblatt Kartoffel


Kartoffelpflanze (Klett)

Kartoffel im Überblick

Einordnung

Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Sie ist reich an Stärke und zählt deshalb zur Kategorie der Stärkepflanzen. Die Kartoffel gilt als wertvolles Nahrungsmittel, denn neben dem hohen Stärkegehalt weist die Knollenfrucht auch Eiweiß und Vitamin C auf. Letzteres geht beim Schälen allerdings zu 30 - 40 % verloren.
Gemessen an der weltweiten Produktionsmenge ist die Kartoffel eine der wichtigsten Kulturpflanzen für die menschliche Ernährung.

Beschreibung

Die Kartoffel ist eine einjährige krautige Pflanze und wird 40 - 70 cm hoch. Neben dem oberirdischen Kraut entwickeln sich unterirdische Ausläufer. Diese verdicken sich zu Knollen. Bei kultivierten Kartoffeln können je Pflanze im Durchschnitt 12 - 15 Kartoffelknollen geerntet werden.

Verbreitung / Anbaugebiete / Herkunft

Die Kartoffel stammt aus dem südamerikanischen Andenhochland. Im Vergleich zu unserer heutigen Kartoffel waren die Wildformen viel kleiner und fast alle giftig. Schon vor ca. 6.000 Jahren gelang es jedoch den Andenbewohnern die wilden Kartoffeln zu domestizieren. Ungiftige Knollen wurden für den Anbau gefunden und durch ständige Auslese die Größe die Knollen gesteigert. So war die Kartoffel im Inkareich (Kolumbien, Peru, Ecuador, Bolivien, Chile) schon ein sehr geschätztes und verbreitetes Nahrungsmittel.
Anfang des 16. Jahrhunderts, kurz nach der Entdeckung Amerikas, brachten die Spanier und Engländer die Kartoffel neben anderen bedeutenden Nutzpflanzen wie Mais, Sonnenblume und Tomate aus der "Neuen Welt" nach Europa. Hier wurde die Kartoffel vorerst nur als Zier- oder Heilpflanze gezogen. Bis sich die Knollenfrucht in Europa als echtes Nahrungsmittel durchsetzte, verstrichen gut 200 weitere Jahre. Im 18. Jahrhundert etablierte der Preußenkönig Friedrich der Große die Kartoffel per Dekret als Volksnahrungsmittel. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kartoffel in fast allen Ländern Europas bekannt und beliebt und setzte sich als Grundnahrungsmittel durch.
Heute liegt der Hauptverbreitungsraum der Kartoffel im gemäßigten Klimabereich, führend ist der europäische Kontinent. Die größten Kartoffelproduzenten in der Welt sind China, Russland, Indien, USA, Polen, die Ukraine und Deutschland. In der EU zählen Deutschland (etwa ein Viertel der EU-Ernte), die Niederlande, Großbritannien und Frankreich zu den Hauptproduktionsländern.

Anbau / Standortansprüche

Die Kartoffel stellt nur geringe Ansprüche an Boden- und Wasserverhältnisse. Ein etwas sandiger, vor allem lockerer und damit gut durchlüfteter Boden gilt als optimaler Standort für die Knollenfrucht. Staunässe verträgt die Kartoffel nicht. Auch Frost stellt einen begrenzenden Anbaufaktor dar. Insgesamt zeichnet sich die Kartoffelpflanze durch eine hohe klimatische Anpassungsfähigkeit aus.
Mit dem extensiven Anbau konnten sich vermehrt Kartoffelkrankheiten ausbreiten. Die Kraut- und Knollenfäule, die weltweit schwerwiegendste Krankheit der Kartoffel, führt immer wieder zu erheblichen Ernteverlusten. Durchschnittlich ca. 15 % der Weltkartoffelproduktion fallen dieser sich schnell verbreitenden Pilzkrankheit jährlich zum Opfer. Mit dem Einsatz von Fungiziden versucht man diesem Problem zu begegnen. Alternativen zur Chemie sind weitgestelltere Fruchtfolgen, um den Krankheitsdruck zu mindern. Der Anteil der Kartoffeln in der Fruchtfolge darf nicht über 33 % liegen. Das Hauptaugenmerk legt man heute allerdings auf die Züchtung resistenter Sorten. Dabei greift man zunehmend auf das Genpool der Wildkartoffeln zurück. Ihre Resistenzen werden in die bei uns angebauten modernen Kartoffelsorten eingekreuzt.
Die Vermehrung der Kartoffeln erfolgt über Knollen, nicht über Samen. In Deutschland sind ca. 6,5 % der Kartoffelernte Vermehrungskartoffeln. Diese Pflanzkartoffeln unterliegen strengsten Prüfkriterien auf Viren-, Bakterien- oder Pilzbefall. Die Maßstäbe sind hierbei wesentlich strenger als bei Speisekartoffeln.

Ernte und Lagerung

Die Kartoffelernte ist ein vollmechanisierter Prozess. Kartoffeln sind gut lagerfähig. Die Lagerung muss trocken, luftig und kühl erfolgen. Die beste Lagertemperatur für Kartoffeln liegt zwischen 4 - 6 °C. Wärme würde die Keimbildung begünstigen. Zu hohe Feuchtigkeit bei der Lagerung bietet der Fäulnis Vorschub. Eine über den Winter eingelagerte Kartoffel weist eine andere Zusammensetzung auf als eine frische Herbstkartoffel. Denn bei der Lagerung schwindet der Gehalt an Kohlenhydraten und Eiweiß in der Kartoffel.

Verarbeitung und Verwendung

Am vertrautesten ist uns die Kartoffel als Essensbeilage – ob nun in Form von Salzkartoffeln oder Pellkartoffeln. Neben der direkten Verwendung als Speisekartoffel findet das Gemüse in zahlreichen Veredlungsprodukten Verwendung: Chips, Kartoffelsalat, Klöße, Tiefkühlware wie Reibekuchen oder Pommes frites oder Kroketten und Trockenprodukte wie Püree. Besonders stärkehaltige Kartoffeln dienen der industriellen Stärkegewinnung. Kartoffelstärke wird zur Herstellung von Papier und Pappe verwendet sowie bei der Herstellung von tiefgefrorenen Nahrungsmitteln und als Kunststoffersatz. In Polen und vielen osteuropäischen Staaten wird die Kartoffel auch als Viehfutter, vor allem zur Schweinemast, eingesetzt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Vor 500 Jahren in Europa noch völlig unbekannt, zählt die Kartoffel heute zu unseren Grundnahrungsmitteln. Ein Speiseplan ohne Kartoffel wäre für uns gar nicht mehr vorstellbar. Durchschnittlich verzehrt heute in Deutschland jeder 57 kg Kartoffeln im Jahr (2011, Datenquelle Proplanta). Innerhalb der EU nimmt Deutschland mit gut 10 Mio. t der EU-Kartoffelerzeugung den ersten Platz ein.
Die weltweite Jahresproduktion an Kartoffeln beläuft sich laut FAOSTAT auf über 324 Millionen Tonnen (Stand 2010). Damit nimmt die Kartoffel Rang vier auf der Liste der weltweit produzierten Nahrungspflanzen ein, hinter Weizen, Reis und Mais. Sie spielt in der Welternährung also eine entscheidende Rolle.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Claudia Fischer
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012


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