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Infoblatt Kohlebrände


Unterirdischer Kohlebrand in der Region Wuda, Nordchina (DLR)

Kohlebrände - Ursachen, Hintergründe, betroffene Regionen

Das Phänomen Kohlebrände

Kohlebrände wurden schon zur Zeit der alten Römer beobachtet. So schrieb Tacitus in seinen berühmten Annalen: "Aus der Erde brach nämlich Feuer hervor, das allenthalben Landhäuser, Korn auf dem Halm, ja Dörfer ergriff und sich sogar bis an die Mauern der vor kurzem gegründeten Stadt Köln ausbreitete". Brennende Kohlegruben und Flöze stellen heute weltweit ein großes Problem dar. Das Phänomen tritt in fast allen Erdteilen mehr oder weniger verbreitet auf. Kohlebrände können in vier Bereichen der Kohleproduktion auftreten: Bei Abbau, Transport, Lagerung und Abraumbeseitigung. An vielen Stellen der Erdoberfläche stoßen Kohleflöze aufgrund geologischer Gegebenheiten an die Oberfläche und entzünden sich bei Kontakt mit Luftsauerstoff. Auch Blitze, Waldbrände oder Unachtsamkeit können Brandauslöser sein.

Prozesse der Selbstentzündung

Kohlebrände können Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte anhalten und die Umwelt und Siedlungen in der näheren Umgebung gefährden und letztere sogar zur Aufgabe zwingen. Als eine der Hauptursache für Kohlebrände ist die Selbstentzündung anzusehen. Der Prozess der Selbstentzündung beruht auf diversen Faktoren. Zunächst einmal oxidiert Kohle bei Kontakt mit Sauerstoff. Die Frage, ob die bei der Oxidation entstehende Wärme abgeführt werden kann oder nicht, entscheidet ganz wesentlich über eine evtl. Selbstentzündung. Besteht eine Luftzirkulation, kann entstehende Wärme abgeführt werden. Ist die Luftzirkulation ausreichend groß, wird sich ein Gleichgewicht zwischen Hitzeentstehung und Hitzeabfuhr einstellen und somit zu einer Temperaturstabilisierung beitragen. Gleichfalls führt eine sehr geringe Luftzirkulation zu einer Temperaturstabilisierung, da evtl. nicht genügend Sauerstoff für eine weitere Erhitzung zur Verfügung steht. Wenn vor Erreichen des Gleichgewichts die sog. Selbstentzündungstemperatur erreicht wird, setzt sich eine anhaltende exotherme Reaktion in Gang, in deren Verlauf das Material unter Abgabe von Rauch und Abgasen anfängt zu glühen. Ab diesem Stadium existiert ein versteckter Kohlebrand.

Betroffene Regionen

Die Volksrepublik China ist von schweren Kohlebränden in den nordwestlichen Provinzen betroffen. Hauptsächlich in großflächigen Tagebauen verbrennen jährlich ca. 14 Mio. Tonnen wertvoller Steinkohle. In unmittelbarer Nähe der Brände werden noch einmal 100 bis 200 Mio. Tonnen für den Abbau unerreichbar. In den USA sind die Kohlebrände hauptsächlich auf die nordöstlichen Appalachen konzentriert. Vor allem alte Kohlegruben entzünden sich hier, wie etwa unter der aufgegebenen Bergbaustadt Centralia. In Westeuropa nimmt die Zahl der Kohlebrände seit Jahren ab, analog zum Rückgang der Bergbauaktivitäten. Von Zeit zu Zeit treten in alten Abraumhalden kleine Brände auf, die jedoch meist schnell gelöscht werden können. Osteuropa und Zentralasien sind von mehreren Bränden betroffen, hauptsächlich in russischen und ukrainischen Kohlebergwerken. In der Ukraine alleine brennen zurzeit ca. 140 Abraumhalden.

Typische Kohlegrube Region Wuda, Nordchina (C. Künzer/DLR)

Typische Kohlegrube Region Wuda, Nordchina (C. Künzer/DLR)

Regionale und globale Auswirkungen

Neben den offensichtlichen Gefahren, die offene Feuer mit sich bringen, können diese auch zu Landdegradation, Rutschungen und Landsenkungen führen und so ganze Landstriche unbewohnbar machen. Die Bevölkerung leidet unter der Luftverschmutzung, Atemwegserkrankungen sind an der Tagesordnung. Flüsse können versauern, was die Trinkwassergewinnung und die Landwirtschaft beeinträchtigt. Neben dem Verlust von teilweise hochwertigen Kohlevorkommen bleibt auf globaler Ebene die Emission von Treibhausgasen das Hauptproblem.

Bekämpfung von Kohlebränden

Die am häufigsten angewandte Methode zur Löschung von Kohlebränden besteht darin, mit Erde oder einem anderen Material die Brände abzudecken und somit die Zufuhr von Luftsauerstoff zu unterbinden. Brennende Kohle kann man abtransportieren oder die Mine mit Wasser oder Schlamm fluten. In Industriestaaten werden brennende Kohleflöze oder Abraumhalden durch Einblasen von Kohlendioxid oder Stickstoff gelöscht.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 06.06.2012


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