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Infoblatt E.ON AG


Eines der weltweit führenden Energieunternehmen

Die Energiewirtschaft ist eine Branche, die in den letzten zehn Jahren einen enormen Wandel durchlebt hat. Durch umfangreiche Liberalisierungsmaßnahmen Ende der 1990er Jahre wurde aus dem stark regulierten Energiebereich ein Markt mit Wettbewerb. Allerdings dominieren in Deutschland vier Unternehmen den Wirtschaftszweig, da ihnen das Stromnetz gehört. In Deutschland gibt es dadurch vier Versorgungsregionen, in denen jeweils ein Energieunternehmen das Gebietsmonopol für das überregionale Übertragungsnetz hat. Zu diesen vier Energieversorgern gehören Vattenfall Europe (Ostdeutschland, Hamburg), RWE (Westen Deutschlands), EnBW (Baden-Württemberg) und E.ON.
Die E.ON AG ist für einen breiten Streifen von Schleswig-Holstein über Niedersachen und Hessen bis nach Bayern für das Übertragungsnetz verantwortlich. Neben der Deregulierung gehören der Kernenergieausstieg, die Erforschung regenerativer Energiequellen und die steigenden Kosten für Energie zu den wichtigsten Triebkräften der aktuellen Entwicklung. Als Unternehmensname wurde das griechische "Aeon" (etwa Zeitalter, Weltalter oder Unendlichkeit) bzw. dessen englische Schreibweise gewählt. Durch die ungewöhnliche Schreibweise mit einem Punkt ("E.ON") soll die Unternehmensphilosophie verdeutlicht werden. "E" steht für Energie und "ON" für Aufbruch. Was macht eigentlich ein großer Energieversorger wie E.ON genau? Wie sorgt er dafür, dass wir jeden Tag zu jeder Zeit Strom in der Steckdose haben?

Entwicklungspfad des Unternehmens E.ON

E.ON entstand im Juni 2000 aus dem Zusammenschluss der bei traditionsreichen Unternehmen VEBA und VIAG. Die Ursprünge der beiden fusionierten Unternehmen reichen bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. VIAG (Vereinigte Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft) wurde 1923 in Berlin gegründet. Im Jahr 1929 gründete der Freistaat Preußen ebenfalls in Berlin die VEBA (Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft). Zehn Jahre später erwarb die VIAG Anteile an der Bayernwerk AG. Mitte der 1960er Jahre erfolgte eine Teilprivatisierung der VEBA. Dem Zeitgeist folgend, wurde die VEBA durch Internationalisierung und neue Geschäftsfelder weiterentwickelt. Ende der 1980er Jahre wurde auch die VIAG privatisiert. Mit der politischen Wende und der vollständigen Privatisierung beider Unternehmen begann eine Neuausrichtung auf die jeweiligen Kerngeschäfte. Dazu gehörten Geschäftsfelder wie Telekommunikation und Energie einerseits und innovative Industrien in den Bereichen Chemie, Aluminium und Verpackung andererseits. Der wachsende Telekommunikationsmarkt begünstigte die Gründung eines eigenständigen Telekommunikationsanbieter: VIAG Interkom (heute O2). Durch die Fusion im Jahre 2000 ist einer der größten Energiedienstleister und gleichzeitig Spezialchemiegruppe der Welt entstanden.
Im November 2001 vermeldete die E.ON AG die Übernahme einer Mehrheit der Ruhrgas AG. Das Kartellamt genehmigte die Übernahme jedoch nicht. Eine Ministererlaubnis ermöglichte später dann unter Auflagen diesen Schritt. Damit beherrscht E.ON ca. 60 % des Erdgasmarktes in Deutschland. Seit 2004 firmiert dieses Geschäftsfeld unter dem neuen Namen E.ON Ruhrgas AG. Ähnlich anderer großer Energieversorger begann die E.ON AG mit einer Reorganisation seiner Unternehmensstruktur. Durch das rasante Wachstum nach der Liberalisierung, den erhöhten Wettbewerbsdruck und veränderte Rahmenbedingungen wurde das Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen. Die aus der Unternehmensgeschichte und der Expansionsbestrebung resultierenden zahlreichen Beteiligungen von E.ON wurden verkauft. So veräußerte E.ON den Mobilfunkbereich VIAG Interkom an die British Telecom, den überregionalen Wasserversorger Gelsenwasser und die Immobiliengesellschaft Viterra. Das Unternehmen wollte sich fortan ausschließlich auf den Energie- und Gasbereich konzentrieren. E.ON ist also zu einem "lupenreinen Energieunternehmen" geworden.

E.ON als Energieversorger

Die wichtigsten Produkte von E.ON sind gegenwärtig Strom und Gas. Entlang der sog. Wertschöpfungskette hat E.ON sich in den letzten Jahren auf diese beiden Geschäftsfelder konzentriert. Den Anfang einer solchen Kette machen die Kraftwerke und die Gasproduktion. Über den Transport von Strom und Gas bis zum Vertrieb an den Verbraucher organisiert E.ON alle Teile der Lieferkette. Sich auf das Kerngeschäft und die vertikale Produktkette zu konzentrieren ist eine typische Unternehmensstrategie, um Risiken zu senken und das Geschäft zu optimieren. Außerdem ist E.ON in verschiedenen europäischen Märkten wie Großbritannien und Skandinavien sowie den USA aktiv. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Düsseldorf. Wie andere Energieversorger auch, setzt E.ON auf einen Energiemix. Es gibt also verschiedene Energiequellen für die Stromerzeugung. Je nach Region schwankt die Zusammensetzung. In Deutschland gewinnt E.ON hauptsächlich aus Kernenergie und Kohlekraftwerken seinen Strom. Während beispielsweise in Skandinavien die regenerative Energiequelle Wasserkraft eine sehr bedeutende Rolle spielt. Weiterhin besitzt E.ON ein ca. 42.000 Kilometer langes Stromnetz in Deutschland. Andere Energieversorger dürfen dieses überregionale Stromnetz (gegen Entgelt) ebenfalls für den Stromtransport nutzen. Auch beim Erdgas wird die gesamte Lieferkette abgedeckt. So besitzt E.ON ein ca. 11.000 Kilometer langes Gastransportnetz. Diese Geschäftsfelder werden von unterschiedlichen sog. Market Units (z. T. eigenständige Unternehmensteile) abgedeckt. Außerdem besitzt E.ON zahlreiche Beteiligungen an regionalen Energieversorgungsunternehmen. Folgende wichtige Market Units strukturieren E.ON (Stand Oktober 2012, Auswahl):

  • E.ON Energie AG (Führungsgesellschaft der "Market Unit Central Europe", Sitz in München)
  • E.ON Ruhrgas AG (Größter Gasversorgungskonzern Deutschlands, Sitz in Essen)
  • E.ON UK (Führungsgesellschaft der Market Unit Großbritannien, Sitz in Coventry)
  • E.ON Nordic (Führungsgesellschaft der Market Unit Nordic, Sitz in Malmö/Schweden)

E.ON konnte in 2011 einen Umsatz von knapp 113 Mrd. Euro erwirtschaften. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei ca. 78.900. Damit gehört E.ON zu einem der größten Energieversorger der Welt.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2008
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.05.2012


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