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Infoblatt EnBW AG


Drittgrößtes Energieversorgungsunternehmen in Deutschland

Die Energieversorgung in Deutschland erlebt einen epochalen Wandel. So spielen die Etablierung eines liberalisierten Energiemarkts, der Kernenergieausstieg und die Erforschung regenerativer Energiequellen eine wichtige Rolle für die Energieversorgungsunternehmen. Die zunehmend hohen Kosten für fossile Energieträger wie Erdöl und Erdgas erfordern ebenfalls Anpassungsmaßnahmen von Unternehmen und Verbrauchern. Das Gebiet der Bundesrepublik ist in vier Regionen aufgeteilt, in denen jeweils ein Versorgungsunternehmen Betreiber des überregionalen Übertragungsnetzes ist. Diese vier Unternehmen sind Vattenfall Europe (Ostdeutschland, Hamburg), E.ON (Schleswig-Holstein bis Bayern), RWE (Westen Deutschlands) und EnBW.
Das Unternehmen EnBW besitzt das Übertragungsmonopol im Südwesten Deutschlands in großen Teilen von Baden-Württemberg. Der volle Unternehmensname lautet Energiewerke Baden-Württemberg AG. EnBW hat eine vergleichsweise junge Unternehmensgeschichte und kann als Antwort auf den liberalisierten Energiemarkt Ende der 1990er Jahre gesehen werden. Heute ist das Unternehmen das drittgrößte Energieversorgungsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland.

Entwicklungspfad des Unternehmens EnBW

Das Unternehmen EnBW entstand aus dem Zusammenschluss der Badenwerk AG (gegründet 1921) und der Energieversorgung Schwaben AG (gegründet 1939). Als offizieller Unternehmensgeburtstag wird der 01.01.1997 angegeben. Dieser Schritt wurde unternommen, um ein wettbewerbsfähiges Unternehmen für den seit April 1998 liberalisierten europäischen Energiemarkt zu schaffen. Ende 1999 wurden erste Vertriebsgesellschaften der ENBW außerhalb des eigenen Versorgungsgebietes geschaffen. Damit sollten neue Kunden außerhalb des Stammlandes über die räumliche Vorortpräsenz gewonnen werden. Im Sommer 1999 startete EnBW das Tochterunternehmen Yello Strom GmbH mit Sitz in Köln. Damit begann in der Bundesrepublik der Kampf um die privaten Stromkunden. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten die Verbraucher in der Regel nur Strom über ihren örtlichen Energieversorger beziehen. Im Januar 2001 verkaufte das Bundesland Baden-Württemberg seinen Aktienanteil von 25,01 % an das vormals staatliche französische Energieversorgungsunternehmen Électricité de France. Ende 2001 stieg EnBW durch die Übernahme von Aktienanteilen am viertgrößten spanischen Versorgungsunternehmen auf dem Energiemarkt in Spanien ein. Anfang 2002 setzte EnBW seinen Expansionskurs in der Schweiz fort. In der zweiten Jahreshälfte 2003 wurde mit einer umfassenden Reorganisation des Unternehmens begonnen. Die Ursachen für diesen einschneidenden Schritt waren unterschiedlicher Natur. Der hohe Wettbewerbsdruck erforderte eine erhöhte Produktivität des Versorgers. Außerdem verlief die Expansionsphase infolge der Liberalisierung äußerst rasant und nun folgte also eine Konsolidierung. So wurden die Konzernkomplexität reduziert und Arbeitsplätze abgebaut. Dieser Prozess beinhaltete eine umfangreiche Senkung der Kosten und Streichung von unrentablen Bereichen. Der Zusammenschluss mit der Neckarwerke Stuttgart AG im Oktober 2003 ermöglichte eine weitere Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Nutzung von Synergien. Trotz der umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen schloss die EnBW das Jahr 2003 mit einem negativen Ergebnis ab. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2004 zeigten die Konsolidierungsbemühungen ihre Wirkung. Ende 2004 zog sich EnBW durch Schließung bzw. Verkauf seiner Niederlassung bzw. seiner Anteile aus Österreich und Spanien zurück. Im Dezember 2005 übernahm EnBW die Mehrheit am kommunalen Versorgungsunternehmen Stadtwerke Düsseldorf.
Im Juli 2009 beteiligte sich EnBW mit 26 Prozent am Oldenburger Energiekonzern (EWE AG) durch einen Aktienkauf und eine Kapitalerhöhung.
Am 9. Dezember 2009 trat EnBW – nach Protesten und Rücktritten von Produktionspartnern - von der Projektentwicklung für ein Kohlekraftwerk im Emsland zurück.
Deutlich mehr als die Hälfte des Gewinns stammte 2010 aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke. Die Bundesregierung änderte wenige Tage nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 ihre Atompolitik massiv. Durch das Abschalten von Kraftwerken brach der EnBW-Gewinn deutlich ein.
Im Juli 2011 kündigte EnBW – wie zuvor bereits zwei andere deutsche Stromkonzerne - an, gegen die sog. Brennelementesteuer Klage einzureichen. Im Januar 2012 urteilten zwei Beschlüsse, diese sei verfassungsgemäß und europarechtskonform. Eine endgültige Klärung der Rechtslage steht also noch aus. Voraussichtlich wird der Rechtsstreit Jahre andauern.
Mit der Energiewende will der verstaatlichte Konzern künftig nur noch in Windkraft an Land und See sowie in Gaskraftwerke investieren und zwar sobald der Bau des letzten Kohlekraftwerks in Karlsruhe abgeschlossen ist.
Die Jahre 2010, 2011 und 2012 waren gekennzeichnet von Rechtsstreiten, Untersuchungsausschüssen, Verkäufen und Rückkäufen von Marktanteilen.

EnBW als Energieversorger

Heute ist das Unternehmen EnBW in folgenden Geschäftsfeldern tätig (Stand Juni 2008):

  • Strom (Erzeugung, Handel und Beschaffung, Transport und Verteilung, Vertrieb)
  • Gas (Import, Speicher, Handel und Beschaffung, Transport und Verteilung, Vertrieb)
  • Energie- und Umweltdienstleistungen

In der aktuellen Struktur von EnBW wird deutlich, dass sich das Unternehmen auf die Kernbereiche der Wertschöpfungskette ausschließlich im Energiesektor konzentriert. Das Unternehmen macht also genau das, was es am besten kann. Einstige Beteiligungen, z. B. an der Schuhkette Salamander, gehören der Vergangenheit an. Die anfängliche Euphorie, die Expansion und die anschließende Konsolidierung haben sich auch auf die Zahl der Mitarbeiter ausgewirkt. So erhöhte sich die Beschäftigtenzahl zwischen 2000 und 2001 von ca. 34.000 auf 44.500 um ein Drittel. Nach dem massiven Konzernumbau hat sich diese Zahl auf 19.500 im Jahr 2004 mehr als halbiert. Ein Jahr später waren nur noch 17.900 Mitarbeiter im Unternehmen tätig. Die deutliche Senkung der Mitarbeiterzahlen wurde hauptsächlich durch den Verkauf von Unternehmensteilen ermöglicht. Ende 2011 hat sich die Zahl der Beschäftigten wieder auf knapp 21.000 erhöht.
Durch Strompreiserhöhungen konnten die Unternehmensgewinne in den letzten Jahren erheblich gesteigert werden. 2004 wurde ein Umsatz von 11,3 Mrd. Euro erwirtschaftet. Im Jahr 2011 betrug der Umsatz über 18,8 Mrd. Euro. Wichtigste Energiequellen von EnBW sind die Kernkraft (Kernkraftwerke Neckarwestheim, Obrigheim, Philippsburg) und regenerative Energieträger wie die Wasserkraft (Wasserkraftwerke am Rhein). EnBW hat den höchsten Anteil von Kernenergie in seinem vertriebenen Strom. Dafür ist der Anteil von fossilen Energieträgern niedriger und daraus entsteht ein geringerer CO2-Austoß. Der Energiemix von EnBW trägt relativ gesehen weniger zum Treibhauseffekt bei, aber erzeugt eine überdurchschnittliche Menge radioaktiver Abfälle. Nicht zuletzt dadurch hat die Entscheidung über den Atomausstieg massive Auswirkungen für den Konzern.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2008
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.05.2012


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