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Infoblatt RWE AG


Größter Energiekonzern Deutschlands

Die Energiewirtschaft ist ein Wirtschaftszweig, der in den letzten Jahren einen starken Wandel erfahren hat. Zur Energiewirtschaft werden alle Wirtschaftsbereiche gerechnet, die mit der Erzeugung, Umwandlung und Verteilung von Primärenergie oder Sekundärenergie befasst sind. In fast allen Ländern der Erde besteht die Energiewirtschaft sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Unternehmen. Die RWE AG ist das größte private Energieversorgungsunternehmen in Deutschland. Das Gebiet der Bundesrepublik ist in vier Regionen aufgeteilt, in denen jeweils ein privates Versorgungsunternehmen Betreiber des überregionalen Übertragungsnetzes ist. Diese vier Unternehmen sind Vattenfall Europe AG (Ostdeutschland, Hamburg), E.ON (Schleswig-Holstein bis Bayern), EnBW (Baden-Württemberg) und RWE.
Das Unternehmen RWE besitzt das Übertragungsmonopol im Westen Deutschlands (hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen). Bis 1990 hieß RWE noch Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerks AG. Heute wird nur noch die Bezeichnung RWE AG verwendet. Der Entwicklungspfad von RWE wurde durch elf Jahrzehnte geprägt.

Entwicklungspfad des Unternehmens RWE

Die Ursprünge des Unternehmens RWE reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Im April 1898 wurde die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks Aktiengesellschaft (RWE AG) in Essen gegründet. Das neue städtische Elektrizitätswerk sollte die Stadt Essen mit Strom versorgen. 1900 lieferte das RWE erstmals Strom aus einer eigenen Anlage. Wenige Jahre später begann RWE zu expandieren und versorgte benachbarte Gemeinden sowie Zechen und Hüttenwerke. Durch die kontinuierliche Ausweitung des Versorgungsgebietes entwickelte sich RWE in den ersten beiden Jahrzehnten vom städtischen Elektrizitätswerk zum regionalen Energieversorger im Ruhrgebiet und im Rheinland. Für die Erlangung von Konzessionen und Finanzierung der Expansion wurde RWE als gemischtwirtschaftliches Unternehmen organisiert. Es gab also private und kommunale Anteilseigner. Die Nähe der Braun- und Steinkohle im Ruhrgebiet sicherte für RWE eine langfristige und preiswerte Versorgung mit Energieträgern. In den Jahren von 1920 bis 1930 wurde die Verbundwirtschaft weiter ausgebaut. Durch weitere Übernahmen von Anteilen bei Energieunternehmen wurde das Versorgungsgebiet vom RWE überregional ausgedehnt. Außerdem wurden Talsperren und Wasserkraftanlagen in Betrieb genommen. So wurden in dieser Zeit u. a. eine Nord-Süd-Verbundleitung zwischen dem Ruhrgebiet und den Alpen geschaffen, die bis heute das Rückgrat des deutschen Stromnetzes bildet. Damit wurde erstmals ein effektiver Verbund zwischen Braunkohle (Grundlast) und Wasserkraft (Spitzenlast) möglich. Die aggressive Expansionspolitik machte RWE in dieser Zeit rasch zu einem der wichtigsten nationalen Energieversorger. Während des zweiten Weltkriegs wurde das Verbundnetz zunächst weiter ausgebaut, bevor es in den Wirren der Kriegsgeschehnisse stark beschädigt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg waren Kraftwerke und Verbundleitungen des RWE zum Teil völlig zerstört. Die Stein- und Braunkohlegesellschaften wurden unter alliierte Kontrolle gestellt. Trotzdem wurde der Wiederaufbau des Verbundnetzes von den westlichen Besatzungsmächten unterstützt: Bereits 1948 war das RWE-Verbundnetz wieder voll einsatzbereit.
Die Nachkriegsjahre wurden durch den Wiederaufbau der Versorgungsinfrastruktur und die Neustrukturierung der Energieunternehmen geprägt. Die großen Ruhrkonzerne und der Ruhrbergbau wurden entflochten und in mehrere Unternehmen aufgeteilt. Das sog. Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren steigerte die Nachfrage nach Strom erheblich. So konzentrierte sich RWE in dieser Zeit auf den Neubau von Kraftwerkskapazitäten. Seltsam aus heutiger Sicht wirken die Werbemaßnahmen der RWE AG, in denen die Vorteile der elektrischen Küche beworben wurden. Dadurch sollte der Verkauf elektrischer Küchengeräte unterstützt und die Nachfrage der privaten Haushalte nach Strom gesteigert werden. Die 1960er Jahre standen ganz im Zeichen der zukünftigen Energiequellen. Zum einen erhöhte sich die Strombedarf weiterhin rasant und zum anderen wurde die Kohleförderung im Ruhrgebiet zunehmend unrentabel. Deshalb errichtete RWE gemeinsam mit dem Bayernwerk 1960 das erste Versuchsatomkraftwerk am Obermain. Das erste kommerzielle Kernkraftwerk wurde an der Donau errichtet und 1966 in Betrieb genommen. Bis Ende der 1960er Jahre wurden angesichts der anhaltenden Kohlekrise zahlreiche Zechen und kleine Kohlekraftwerke vom RWE stillgelegt. Als neuer Energieträger verdrängte Erdgas zunehmend das weniger effektive Stadtgas. In den 1970er Jahren setzte sich der Ausbau der Versorgungsinfrastruktur fort. In Anbetracht der ersten Energiekrise von 1973 investierte RWE verstärkt in die Forschung zur Nutzung alternativer Energieträger wie Solar- und Windenergieanlagen. Im Jahr 1977 wurde der sog. Jahrhundertvertrag zwischen der deutschen Elektrizitätswirtschaft und dem Steinkohlebergbau geschlossen. Damit wurde der langfristige Strombezug aus Steinkohle festgelegt, was im deutschen Steinkohlebergbau Arbeitsplätze sichern sollte. RWE errichtete daraufhin neue Steinkohlekraftwerke in den 1980er Jahren. Durch die verschärften Umweltgesetze begann RWE in dieser Zeit mit der Modernisierung seiner Kraftwerke. Ende der 1980er erweiterte RWE seine Produktpalette um neue Geschäftsfelder. So begann das Unternehmen fortan im Bereich Mineralöl und Chemie tätig zu werden. Die Tankstellen wurden auf die Marke DEA umgestellt. Im Entsorgungsbereich ordnete RWE seine Aktivitäten ebenfalls neu. In der neuen RWE Entsorgung AG wurden diese Bereiche zusammengefasst und im gesamten Bundesgebiet sowie in zahlreichen Auslandsmärkten angeboten. Zum Zeitpunkt der politischen Wende 1989 war RWE in folgenden Bereichen aktiv: Energie, Bergbau und Rohstoffe, Mineralöl und Chemie, Entsorgung sowie Maschinen-, Anlagen- und Gerätebau. In den neuen Bundesländern engagierte sich der Konzern umgehend nach der deutschen Einheit, um die Modernisierung der ostdeutschen Stromerzeugung in Angriff zu nehmen. Mit der Deregulierung und Liberalisierung des Energiesektors Mitte der 1990er Jahre setzte die RWE-Gruppe die Ausweitung ihrer Auslandsaktivitäten fort. RWE konzentrierte sich dabei vor allem auf osteuropäische Standorte. Ende der 1990er wurde RWE außerdem zum Wettbewerber auf dem Telekommunikationsmarkt, u. a. als Mehrheitseigner am Mobilfunkanbieter E-Plus. Im Zuge des zunehmend harten Wettbewerbs im Telekommunikations- und Energiesektor konzentrierte sich RWE jedoch bald wieder auf die angestammten Tätigkeitsfelder: Energie und energienahe Dienstleistungen.

RWE als Energieversorger

Die RWE-Gruppe setzt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Stand Juni 2008) aus folgenden Geschäftsfeldern zusammen:

  • RWE Power (Stromerzeugung aus verschiedenen Energieträgern)
  • RWE Innogy (Bereich für Erneuerbare Energien)
  • RWE Dea (Erforschung und Förderung von Erdöl und Erdgas weltweit)
  • RWE Supply & Trading (Großhandels- und Beschaffungsmärkte für Energie)
  • RWE Energy (Vertriebs- und Netzgesellschaft für 12 nationale und internationale Regionen)
  • RWE npower (Stromerzeugung und –vertrieb in Großbritannien)
  • RWE Systems (zentrales Dienstleistungsunternehmen)

Die heutige RWE-Gruppe deckt mit diesen Geschäftsbereichen wesentliche Teile der Wertschöpfungskette im Energiebereich ab. Das Unternehmen kümmert sich also von der Förderung von (Energie-)Rohstoffen über die Stromerzeugung bis hin zum Verkauf an den Stromverbraucher um fast alles, was mit der Energieversorgung zu tun hat. Wirtschaftswissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einem vertikal integrierten Unternehmen. Die RWE-Gruppe ist heute hauptsächlich in Deutschland und in seinen Nachbarländern sowie Großbritannien tätig. Ende 2006 waren ca. 70.000 Mitarbeiter, davon über die Hälfte in Deutschland, für die RWE-Gruppe tätig. Aufgrund von Verkäufen von Teilbereichen des Unternehmens sind jüngst ungefähr 20.000 Mitarbeiter aus der RWE-Gruppe ausgeschieden. In 2006 machte die RWE-Gruppe einen Umsatzerlös von ca. 44,3 Mrd. Euro und investierte ca. 4,5 Mrd. Diese Zahlen und die vielfältigen Geschäftsbereiche verdeutlichen, wie sich RWE von einem kleinen Elektrizitätswerk im Ruhrgebiet zu einem international bedeutenden Unternehmen der Energiebranche entwickelt hat.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2008
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 05.07.2008


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