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Infoblatt Isar Valley - Hochtechnologie in München


Marienplatz in München (Photodisc)

Standortfaktoren und Ansiedlung von Hochtechnologie-Unternehmen im Raum München

Standortfaktoren

Während klassische Industrieunternehmen vor allem auf günstige Boden- und Mietpreise, Quantität von Arbeitnehmern, das Lohnkostenniveau und die Nähe zum Absatzmarkt achten, orientieren sich die Firmen der Hochtechnologiebranche anders. Die sog. weichen Standortfaktoren nehmen hier einen größeren Raum ein. In konventionellen Industriebranchen und auch im Hochtechnologie-Sektor lassen sich Firmen in ihrer Standortwahl von sog. Standortfaktoren leiten. Die Ansprüche dieser beiden Branchen sind jedoch grundverschieden.
Das können Faktoren wie Lebensqualität (z. B. Wohn-, Freizeit- und Kulturwert) und Image des Standortes sein. Jedoch ist auch der Arbeitsmarkt für diese Firmen ein wichtiger Standortfaktor. Insbesondere auf die richtige Qualifikation der Arbeitnehmer kommt es an. Die Personalkosten spielen bei der häufig sehr hohen Wertschöpfung nur eine untergeordnete Rolle. Eine weitere wichtige Rolle spielen Agglomerations- und Fühlungsvorteile und Kontaktmöglichkeiten zu staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen (Universitäten).

München hat's

Die heutige Beliebtheit Münchens bei Unternehmen der Hochtechnologie-Branche lässt sich zu einem großen Teil über die passenden Standortfaktoren erklären. Der Beginn dieser Agglomeration von Hochtechnologiefirmen ist schon bis ins Jahr 1949 zurückzuverfolgen, als die Firma Siemens-Halske ihren Standort von Berlin nach München verlagerte. Heute ist die Siemens AG mit 50.000 Mitarbeitern der größte private Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt.
1958 folgte dann die Firma Bölkow, die heute besser unter dem Namen Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) bekannt ist und mit 27.000 Mitarbeitern eines der größten deutschen Unternehmen in der Luft- und Raumfahrttechnik darstellt.
Allein nach 1984 siedelten sich in und um München ca. 2.000 Unternehmen aus der Hochtechnologiebranche an, was der Stadt (in Anlehnung an das kalifornische Silicon-Valley) den Beinamen "Isar-Valley" einbrachte. Im Unterschied zum kalifornischen Pendant basierte der Beginn der Hochtechnologie in München allerdings auf Großunternehmen, in dessen Umgebung sich erst nach und nach kleinere und mittlere Unternehmen entwickelten. Rund 75 % der in München ansässigen Hochtechnologie-Firmen entstanden erst nach 1970, wobei allerdings rund 68 % dieser Unternehmen weniger als 25 Mitarbeiter beschäftigen. Zusätzlich zur Hardware wird im Münchner Raum auch Software hergestellt. 350 Unternehmen, das entspricht 12 % aller deutschen Softwarehersteller, produzieren hier.
Die letzte größere Investition in der Münchener Hochtechnologie-Szene stellte die Ansiedlung der Zentrale für Kommunikationstechnologie der Siemens AG in Neuperlach dar. Dort konzentrieren sich auf ca. 35 ha die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen des Konzerns für die Bereiche Kommunikationstechnik und Datenverarbeitung. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand des "Techno-Center München", in dem sich weitere Hersteller, Händler und Anwender von Hochtechnologie angesiedelt haben.
Ein weiterer wichtiger Standortfaktor für die Münchner Hochtechnologie sind die regelmäßig stattfindenden Fachmessen. Im Zwei-Jahres-Rhythmus finden insgesamt sechs Veranstaltungen aus den Bereichen Computer, Elektronik und Biotechnologie statt.
In München werden so zunehmend klassische Produktionsarbeitsplätze durch hochrangige Funktionen in der Forschung und Entwicklung ersetzt. Diese Entwicklung kann als Tertiärisierung bei gleichzeitiger Akademisierung des sekundären Sektors beschrieben werden.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.06.2006


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