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Infoblatt Exportbasis-Theorie


Export von Gütern und Dienstleistungen bestimmt das wirtschaftliche Wachstum einer Region

Die Exportbasis-Theorie zählt zu den regionalen Wachstums- und Entwicklungstheorien. Sie dient der Erklärung und Beschreibung des Wachstums in Räumen. Wichtige Vertreter, die die Theorie entwickelt bzw. weiterentwickelt haben sind: W. Sombart (1907), J. S. Duesenbery (1950) oder D. C. North (1955). Exportbasis-Modelle gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum einer Region entscheidend von der Entwicklung des Exportsektors, d. h. von der außerregionalen Nachfrageexpansion abhängt. Der Export von Gütern und Dienstleistungen bestimmt das wirtschaftliche Wachstum einer Region.

Exportbasis-Modelle unterteilen die wirtschaftlichen Aktivitäten einer Region daher in:

  • Aktivitäten für den Export (Export- bzw. Basissektoren)
  • Aktivitäten für die Bedürfnisse des lokalen Marktes (Lokale bzw. Nicht-Basissektoren)

Dem Exportsektor kommt eine Schlüsselrolle für das regionale Wirtschaftswachstum zu, da die Nicht-Basissektoren lediglich eine innerregionale Verteilungsfunktion haben. Der Nicht-Basissektor ist vom Exportsektor abhängig. Der Export ist der Träger des wirtschaftlichen Wachstums. Er bestimmt die Einkommensentwicklung der Region. Das durch die Exporte zusätzlich erwirtschaftete Einkommen löst einen Einkommenskreislauf aus, der zur Erhöhung von Produktion und Einkommen des lokalen Sektors führt und eine erhöhte Nachfrage nach Importen und nach lokalen Gütern auslöst. Es setzt sich ein intraregionaler Multiplikatorenprozess in Gang, der zusätzliches Einkommen schafft.

Exportbasis-Theorien sind in der Praxis nur beschränkt als Grundlage für eine regionale Strategieplanung geeignet. Die Kritik stützt sich im Wesentlichen auf folgende Aspekte:

  • Wachstumstheoretischer Ansatz
    Exportbasis-Modelle führen das wirtschaftliche Wachstum lediglich auf die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zurück, die Angebotsstruktur wird vernachlässigt. Ursache des wachsenden regionalen Wohlstandes sind die Exportaktivitäten. Impulse durch intraregionale Nachfrage bleiben unbeachtet.
  • Kreislauftheoretischer Ansatz
    Exportbasis-Theorien vernachlässigen die intersektoralen und interregionalen Verflechtungen. Die Wechselbeziehungen zwischen Export- und lokalem Sektor werden nicht berücksichtigt. Unterstellt wird eine einseitige funktionale Abhängigkeit des lokalen Sektors vom Exportsektor. Der Exportsektor kann sich jedoch nur entwickeln, wenn ein leistungsfähiger lokaler Sektor (Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe etc.) existiert. Auch wird die Exportnachfrage nicht rein exogen bestimmt, sondern in hohem Maße durch interne Wachstumsfaktoren beeinflusst. Mögliche Änderungen der interregionalen terms of trade bleiben unberücksichtigt.
  • Anwendbarkeit in der Praxis
    In der Praxis ist aufgrund fehlender Einkommensstatistiken eine exakte Trennung der Einkommen aus den verschiedenen Sektoren nicht möglich. Auch ist die Aussagekraft für Prognosen gering, da die Relationen zwischen Basissektoren, Nicht-Basissektoren und Gesamtbevölkerung nicht konstant sind. Weiter verändern sich mit der Größe einer Region auch die Relationen: Wächst eine Region, wachsen auch die Nicht-Basissektoren, d. h. Exportaktivitäten werden zu lokalen Aktivitäten (Rittenbruch, 1969).

Insgesamt besitzt die Exportbasis-Theorie einen partiellen Erklärungswert für relativ kleine Regionen und kann als Entscheidungshilfe für die staatliche Regionalpolitik dienen. So hat die Exportbasis-Theorie in der regionalen Wirtschaftsförderung eine große Bedeutung erlangt. Investitionen in Basissektoren, deren Wachstum "Primäreffekte" auf Einkommen und Beschäftigung in der Region auslöst, gelten als besonders förderungswürdig. Im Einzelnen sind das Wirtschaftsbereiche, deren Produkte und Leistungen überwiegend außerhalb der Förderregion abgesetzt werden (z. B. Industrie, ausgewählte Dienstleistungsbetriebe).

Literatur

Schätzl, L. (2001): Wirtschaftsgeographie 1 - Theorie. 8., überarbeitete Auflage. 149-154. Paderborn, München, Wien, Zürich.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Jutta Henke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.05.2012


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