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Infoblatt Theorien der endogenen Entwicklung


Einige Grundaussagen zu endogenen Entwicklungsstrategien

Einige regionalen Wachstums- und Entwicklungstheorien führen die regional unterschiedliche Entwicklung auf exogene Faktoren zurück. Im Gegensatz dazu gehen die Theorien der endogenen Entwicklung davon aus, dass die Entwicklung einer Region im Wesentlichen von der Ausstattung und der Ausnutzung der regionalen Potenzialfaktoren bzw. des endogenen Entwicklungspotenzials abhängt. Eine umfassende Theorie der endogenen Entwicklung ist bislang, trotz zahlreicher Ansätze, nicht entwickelt worden.

Hahne (1985) definiert das endogene Entwicklungspotenzial einer Region als die Gesamtheit der Entwicklungsmöglichkeiten im zeitlich und räumlich abgegrenzten Wirkungsbereich. Es gibt demnach die Obergrenze der möglichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aktivitäten einer Region an.
Unterschieden werden "anthropogene" und "natürliche" Potenzialfaktoren. Anthropogene Faktoren sind auf der Angebotsseite das Arbeitskräfte-, Kapital- und Infrastrukturpotenzial und auf der Nachfrageseite das Marktpotenzial. Natürliche Faktoren sind das Umwelt-, Flächen- und Landschaftspotenzial einer Region.

Endogene Entwicklungsstrategien beinhalten folgende Grundaussagen:

  • Überwindung endogener Engpässe
    In der Regel sind die Potenzialfaktoren einer Region unterschiedlich stark ausgelastet. Ist ein Faktor ausgelastet, begrenzt er die weitere Nutzung bislang nicht ausgelasteter Faktoren. Ein solcher Faktor wird als Engpassfaktor bezeichnet. Um die regionale Produktion ausweiten zu können, muss dieser Engpass beseitigt werden.
  • Nutzung regionsspezifischer Fähigkeiten und Begabungen
    Hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgebliebenen Regionen wird eine Spezialisierung auf ihre spezifischen Fähigkeiten und Begabungen empfohlen. Durch Hervorhebung dieser Standortvorteile können sie sich von anderen Regionen abheben.
  • Initiierung von intraregionalen Kreisläufen
    Durch eine kleinräumige Vernetzung der ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Aktivitäten soll eine breit gefächerte Nutzung der regional vorhandenen Fähigkeiten und Begabungen erreicht werden. Ziel ist eine von den Bewohnern der Region gesteuerte intraregionale Integration von Produktion und Konsum.

Die Theorien der endogenen Entwicklung haben eine große Bedeutung in der aktuellen Raumentwicklungspolitik. In der Regionalentwicklung wird versucht, Engpasswirkungen zur Beseitigung der Unterentwicklung aufzuspüren und zu beheben sowie regionale Standortvorteile zu nutzen (z. B. Vorranggebiete für Naherholung und Tourismus).

Literatur

Hahne, U. (1985): Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen "endogener" Entwicklungsstrategien. Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, 8.
Schätzl, L. (2001): Wirtschaftsgeographie 1 - Theorie. 8., überarbeitete Auflage. 155-155. Paderborn, München, Wien, Zürich.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Jutta Henke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 02.05.2012


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