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Infoblatt Beschaffungsmarkt


Beschaffungsmarkt am Beispiel der Textil Weber AG (Renker)

Beschaffungsmarkt - der Produktion vorgelagerter Markt

Der Begriff Beschaffungsmarkt bezeichnet den der Produktion vorgelagerten Markt. Die Unternehmen beziehen ihre Betriebsmittel (Anlagegüter), Werkstoffe (Roh- und Hilfsstoffe, Halbfertigprodukte) und Handelswaren auf dem Beschaffungsmarkt. Der Beschaffungsmarkt des Käufers ist für den Verkäufer der Absatzmarkt.
Traditionell spielte die Beschaffung in Unternehmen eine eher unbedeutende Rolle. Erst in den letzten Jahren wurde dieser Unternehmensbereich strategisch immer wichtiger. Die kostengünstigen Massenproduktionen der Hersteller auf der einen Seite, die zunehmende Sättigung des traditionellen Absatzmarktes und der Wunsch vieler Kunden nach immer ausgefalleneren und billigeren Produkten auf der anderen Seite zwingen die Unternehmen zur verstärkten Suche nach neuen Beschaffungsmärkten. Durch die fortschreitende wirtschaftliche Integration, den Abbau nationaler Zollschranken und damit verbunden die wirtschaftlichen Zusammenschlüsse (z. B. Europäischer Wirtschaftsraum, NAFTA) sowie die Entwicklungen in der Kommunikation (Internet) und Logistik (z. B. Just-in-time) haben sich die Beschaffungsmärkte geographisch ausgeweitet. So werden heute beim Einkauf alle weltweit auffindbaren Märkte in die Beschaffungsentscheidung einbezogen.
Die Beschaffungsmärkte verändern sich täglich sowohl in Bezug auf die angebotenen Güter, als auch auf die Anbieter. Durch die ständigen Wechsel der Marktlage und der Marktstruktur verändern sich für die Unternehmen auch die Ausgangsbedingungen. So führen z. B. steigende Rohölpreise zu einer direkten Verteuerung der Produkte von Unternehmen, die diesen Rohstoff brauchen. Um die Chancen und Risiken am Beschaffungsmarkt frühzeitig zu erkennen und damit die benötigten Güter in erforderlichen Mengen und Qualitäten unter möglichst günstigen wirtschaftlichen Bedingungen (ökonomisches Prinzip) zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereit zu haben, muss man ausreichende Kenntnisse über den Beschaffungsmarkt haben. Insbesondere in Zeiten schneller wirtschaftlicher und technischer Veränderungen werden die Angebote immer komplexer. Produkte, Preis und Lieferanten müssen sehr genau analysiert werden, um eine ausgewogene und sinnvolle Einkaufsentscheidung zu treffen. Eine Differenzierung gegenüber Wettbewerbern ist immer stärker von einer Optimierung der betrieblichen Prozesskette abhängig: Beschaffung - Lagerhaltung - Transport - Fertigung - Distribution (Verteilung).
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Informationen über aktuelle und potenzielle Beschaffungsmärkte gesammelt und aufbereitet werden. Wesentliche Punkte sind hier:

  • die zu beschaffenden Einsatzgüter (Materialqualität, -zusammensetzung, -bestandteile, Werkstoffinnovationen, eingesetzte Produktionsverfahren, Benutzerfreundlichkeit),
  • die Angebotsstruktur auf den Beschaffungsmärkten (geographische Streuung der Zulieferer, Konkurrenzintensität, Wettbewerbsposition, Angebotsvolumen, Entwicklung auf den Vormärkten, Marktstruktur, Marktentwicklung),
  • die wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit aktueller und potenzieller Lieferanten (Lieferbedingungen, Zahlungsbedingungen, Serviceleistungen),
  • der Preis (Preisvergleiche, Preis-Leistungs-Verhältnis, Preisbeobachtungen).

Bei der Standortwahl ist die Beschaffungsorientierung vor allem für beschaffungsintensive Unternehmen (z. B. Automobilindustrie) von Bedeutung. Ziel ist es hier, insbesondere die Transportkosten bei der Warenbeschaffung niedrig zu halten. So kann es aus Kostengründen sinnvoll sein, sich in der Nähe von bedeutenden Grenzübergängen, Flughäfen, Seehäfen oder Verkehrs- bzw. Bahnknotenpunkten anzusiedeln.
Die Beschaffungskosten haben an den Gesamtkosten mit meist über 50 % einen wesentlichen Anteil. Kleinste prozentuale Einsparungen bei den Beschaffungskosten wirken sich direkt auf den Gewinn (Gewinn = Umsatz - Kosten) aus. Darüber hinaus nimmt das Beschaffungsvolumen immer mehr zu. Immer stärker werden nicht nur einzelne Bauteile, sondern ganze Systeme (Module) angeschafft. Des Weiteren ist die Beschaffung nicht mehr auf einzelne Länder beschränkt, sondern im Zuge der Globalisierung weltweit möglich. Diese Aspekte führen zu einer immer stärker werdenden Bedeutung der verschiedenen Beschaffungsmärkte. Dieser weltweite Bezug von Arbeit, Energie, Rohstoffen, Ausgangsmaterialien und Vorprodukten nach Gunst des Angebots wird auch als Global Sourcing bezeichnet.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anke Renker
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.04.2012


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