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Infoblatt Arbeitsmarkt


Der Arbeitsmarkt als Zusammenspiel aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

Stelle dir einen Marktplatz vor! Auf einem Markt werden Waren für einen bestimmten Preis angeboten und entweder von dir gekauft oder du suchst weiter nach einer ähnlichen Ware, die dir genauso gut erscheint, welche aber preisgünstiger ist.
Ähnlich verhält es sich auf dem Arbeitsmarkt: Arbeitssuchende bieten ihre Fähigkeiten an und Unternehmer, die diese Fähigkeiten für ihr Unternehmen benötigen, stellen die Arbeitssuchenden ein. Der Preis, den der Unternehmer (Arbeitgeber) zahlt, ist der Lohn für den Arbeitnehmer, also für denjenigen, der die Arbeit ausführt. Der Platz, wo das Suchen und Finden nach Arbeit und Arbeitskräften stattfindet, ist z. B. das Arbeitsamt, da es den Arbeitsmarkt als Marktplatz nicht gibt.

Dennoch unterscheidet sich der Arbeitsmarkt sehr stark von einem gewöhnlichen Marktplatz. Man kann Bäcker, Elektriker und Maschinenbauer nicht einfach einkaufen wie Brot, Kartoffeln und Milch. Zum einen gibt es die Ware "Arbeit" nicht, sie besitzt ebenso wie der Arbeitsmarkt einen fiktiven Charakter. Zum anderen stehen hinter den einzelnen Arbeitnehmern Individuen, die eine Lebensgeschichte und Bedürfnisse haben, welche sie von den Waren eines Supermarktes klar unterscheiden.

Der Arbeitsmarkt wird durch verschiedene Gruppen repräsentiert, welche unterschiedliche Eigenschaften aufweisen (Arbeitsmarktsegmentation). Neben den Erwerbspersonen, die sich u. a. aus Arbeitgebern (= Unternehmern) und den Arbeitnehmern zusammensetzen, gibt es noch ein dritte wichtige Gruppe – die Arbeitslosen. Wie ein Barometer zeigen die Arbeitslosenzahlen den Zustand des Arbeitsmarktes an. Sind die Arbeitslosenzahlen sehr niedrig, ist ein Gleichgewichtszustand (Vollbeschäftigung) erreicht, sind die Arbeitslosenzahlen dagegen sehr hoch, zeigt dies eine starke Störung des Arbeitsmarktes und des übergeordneten Wirtschaftsmarktes an.

Die Situation des Arbeitsmarktes ist nicht überall gleich. Sie unterscheidet sich sowohl innerhalb der zu betrachtenden Staaten als auch zwischen den Staaten selbst. Um Vergleiche herzustellen, ist es notwendig, jeweils die entsprechenden Ebenen zu betrachten, damit Verzerrungen und unrealistische Einschätzungen vermieden werden.

Die Unterschiede resultieren aus den Gegebenheiten vor Ort, z. B. der Ausstattung mit Bildungseinrichtungen, der Verkehrsanbindung, dem Wohnumfeld usw., ferner in welchem Maße es den Akteuren gelingt, eine günstige Arbeitsmarktpolitik zu gestalten, aber auch in welcher Region welche Branche dominiert. Zum Beispiel ist die Arbeitsmarktsituation in einer altindustriellen oder ländlichen Region deutlich ungünstiger (z. B. Ruhrgebiet, Mecklenburg-Vorpommern) als in High-Tech-Regionen, wie z. B. Großraum München (Greater Munich), Greater London oder Ile de France (= Großraum Paris). Bei dem Vergleich gleichrangiger Gebiete und den bestehenden Unterschieden, wie sie z. B. durch den Arbeitsmarkt gegeben sein können bzw. sich durch diesen ausdrücken, spricht man auch von regionalen Disparitäten.

Der Arbeitsmarkt ist nur ein Teilmarkt bzw. nur ein Teil des wirtschaftlichen Geschehens. Er ist ein Zusammenspiel aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und wird durch die jeweilige Wirtschaftspolitik bzw. gewählte Wirtschaftsform (z. B. Markt- oder Planwirtschaft) eines Landes gestaltet. Einfluss auf den Arbeitsmarkt nehmen dabei verschiedene Akteure. Zu nennen sind hier z. B. das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Gewerkschaften (z. B. VERDI), Arbeitgeberverbände (z. B. BDA) und Industrieverbände (z. B. BDI) sowie öffentlich-rechtliche Kammern (z. B. IHK). Jede Institution vertritt die Interessen ihrer Mitglieder und versucht diese durch eine entsprechende Arbeitsmarktpolitik auf dem Arbeitsmarkt einzubringen. Allerdings erfordert die gegenwärtige Situation des Arbeitsmarktes mit den hohen Arbeitslosenzahlen ein gemeinsames Handeln der verschiedenen Akteure. Das Zusammensetzen und Erarbeiten gemeinsamer Lösungen wird "konzertierte Aktion" genannt. Wichtige Beispiele einer solchen Aktion, die den Arbeitsmarkt betreffen, sind die Bündnisse für Arbeit.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kerstin Munsel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.07.2012


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