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Infoblatt Staatliche Eingriffe auf dem Markt


Definitionen Mindest- und Höchstpreise

Die Preisbildung findet bei vielen Gütern nicht unter den Bedingungen des freien Marktes statt, sondern wird durch den Staat beeinflusst. Dieser Eingriff des Staates in einer sozialen Marktwirtschaft dient dem Schutz der Nachfrager und/oder der Anbieter und sorgt dafür, dass der Marktpreis, der nicht "gerecht" bzw. "sozial" sein kann, dadurch "gerecht" und "sozial" wird. Würde sich z. B. für ein lebenswichtiges Medikament ein Preis herausbilden, den ärmere Konsumenten nicht entrichten könnten, wäre das vielleicht schon Grund genug, den Markt zu regulieren.
Der Staat kann indirekt oder direkt in die Preisbildung und damit das Marktgeschehen eingreifen.

  1. Indirekte Eingriffe
    Indirekte Eingriffe setzen den Preismechanismus nicht außer Kraft und werden deshalb als marktkonform bezeichnet. Hierbei wird vom Staat die Nachfrage und/oder das Angebot erhöht/gesenkt und die Preisbildung wird weiterhin dem Markt überlassen. Der Staat kann damit einen eventuellen Preisverfall oder -anstieg verhindern. Indirekte Eingriffe können entweder Preismaßnahmen wie z. B. Einfuhrzölle, Subventionen, steuerrechtliche Maßnahmen oder Mengemaßnahmen wie z. B. Einfuhrbeschränkungen sein.
  2. Direkte Eingriffe
    Direkte Eingriffe des Staates sind marktinkonform, d. h. sie widersprechen dem System der freien Marktwirtschaft. Hier greift der Staat direkt in die Preisgestaltung ein, indem er Vorschriften über die Preisbildung in Form von festgelegten Mindest- oder Höchstpreisen macht. Er setzt damit die freien Marktmechanismen, d. h., dass sich der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und die Preisfunktionen außer Kraft.

Mindestpreise

Mindestpreise sind eine vom Staat festgelegte Preisuntergrenze für Güter, d. h. der Preis darf nicht unter diesen Wert fallen. Der Gleichgewichtspreis (Punkt, an dem sich die Nachfragefunktion mit der Angebotsfunktion schneidet – alle Anbieter, die bereit sind, zum Gleichgewichtspreis zu verkaufen, können ihre gesamten Güter verkaufen; alle Nachfrager, die bereit sind zum Gleichgewichtspreis zu kaufen, können ihre nutzenmaximale Menge kaufen) für 250 g Butter würde z. B. 0,65 Euro betragen. Der staatliche Mindestpreis liegt aber bei z. B. 0,89 Euro, d. h. der Nachfrager muss mindestens 0,89 Euro für 250 g Butter bezahlen. Der Mindestpreis liegt immer über dem Gleichgewichtspreis, der sich durch Angebot und Nachfrage bilden würde. Solche staatlichen Mindestpreise finden sich hauptsächlich in der Landwirtschaft.

Staatlich garantierte Mindestpreise werden immer dann festgelegt, wenn zu befürchten ist, dass es durch die Konkurrenz auf dem Markt zu einem ruinösen Wettbewerb unter den Anbietern kommt. Jeder Anbieter würde versuchen, mit seinen Preisen die Konkurrenz zu unterbieten. Das würde z. B. im Bereich der Landwirtschaft zu Lasten der kleinen Familienbetriebe gehen, die letztlich vom Markt verdrängt würden. Die Mindestpreise schützen die Anbieter und sichern dadurch das Bestehen.
Kritisch ist hierbei anzumerken, dass der staatlich garantierte Mindestpreis fast immer dazu führt, dass mehr Güter angeboten werden, als nachgefragt werden. Die Produktion solcher Güter ist aufgrund der garantierten hohen Preise sehr lukrativ und damit risikolos. Die überschüssige Produktion wird vom Staat aufgekauft und eingelagert. Die hohen Lagerbestände, wie Butterberge oder Milchseen, werden anschließend zu niedrigen Preisen an das Ausland verkauft oder zu geringwertigeren Gütern verarbeitet (Butter zu Schmierfett).

Höchstpreise

Höchstpreise sind eine vom Staat festgelegte Preisobergrenze für bestimmte Güter. Der Gleichgewichtspreis für 1 qm Wohnungsmiete beträgt in Frankfurt 15,00 Euro. Durch die Festlegung des Preises für 1 qm auf 9,00 Euro im sozialen Wohnungsbau bestimmt der Staat, was ein qm höchstens kosten darf. Dieser Höchstpreis darf nicht überschritten werden, er liegt stets unter dem Gleichgewichtspreis. Bei freier Preisbildung würde sich in diesem Fall immer ein höherer Preis bilden.

Staatlich garantierte Höchstpreise dienen dem Schutz der Verbraucher. Der Preis kann nicht mehr durch die Konkurrenz der Nachfrager steigen. Höchstpreise sollen sicherstellen, dass in der sozialen Marktwirtschaft auch einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen Zugang zu z. B. Wohnungen haben.
Allerdings kann ein ständiger Nachfrageüberhang zu mangelnder Bedarfsdeckung führen, d. h. das Angebot ist geringer als die Nachfrage und somit kann ein Schwarzmarkt entstehen. Für die Anbieter besteht kein Anreiz mehr, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Die staatlichen Eingriffe in den Preisbildungsprozess können politisch sehr populär sein und werden deshalb immer wieder als Wahlkampfthemen herangezogen. Besonderes Thema in den letzten Jahren ist hier vor allem der Bereich der Subventionen und der damit verbundene Schutz der inländischen Wirtschaft.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anke Renker
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 02.05.2012


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