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Infoblatt Berufsbildung


Möglichkeiten der beruflichen Bildung und deren Voraussetzungen

Die Berufsausbildung in Deutschland ist sehr vielfältig und auf unterschiedlichen Stufen möglich. Besonders berühmt ist das sog. duale System, welches es so nur in Deutschland gibt. Darunter versteht man die Verknüpfung von praktischer Ausbildung im Unternehmen und theoretischer Grundlagenvermittlung in der Berufsschule. Die verschiedenen Möglichkeiten eine berufliche Bildung zu erlangen, hängen in hohem Maße von der schulischen Vorbildung und den damit verbundenen Schulabschlüssen ab. Von Vorteil ist es immer, wenn man schon während der Schulzeit (in den Ferien) Praktika macht. So sieht man einerseits, welcher Beruf einem Spaß machen könnte und andererseits beweist man späteren Arbeitgebern sein Interesse und sammelt wertvolle Erfahrungen.

Duale Ausbildung - Berufsausbildung im Unternehmen

Eine Möglichkeit unabhängig vom Schulabschluss liegt im Bereich der dualen Ausbildung. Man sucht sich einen Ausbildungsberuf (z. B. Industriekauffrau/-mann, Bankkauffrau/-mann, Einzelhandelskauffrau/-mann, Bäcker/in, Metzger/in) aus, den man erlernen möchte. Dann muss ein entsprechendes Unternehmen gefunden werden, das diesen Beruf ausbildet und einen Ausbildungsplatz anbietet. Für die Ausbildung erhält man ein entsprechendes Gehalt. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber bei bestimmten Voraussetzungen (z. B. Abitur, Vorkenntnisse), auf zwei oder zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Während der Ausbildung muss der oder die Auszubildende pro Jahr etwa 12 Wochen in die Berufsschule gehen. Dort werden ihm oder ihr die theoretischen Grundlagen des zu erlernenden Berufs vermittelt. Dies ist besonders wichtig für Auszubildende, die entweder in relativ kleinen Unternehmen arbeiten und einige relevante Abteilungen vielleicht nicht durchlaufen können oder nur in bestimmten Abteilungen eingesetzt werden und daher andere Abteilungen nicht kennenlernen. Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Nach erfolgreichem Abschluss erhält der Absolvent eine Urkunde und darf einen dem Ausbildungsberuf entsprechenden "Titel" wie z. B. Industriekauffrau/-mann führen.

Schulische Berufsausbildung

Eine andere Möglichkeit ist eine Ausbildung an einer Berufsschule. Hier muss am Ende eine entsprechende Prüfung geschrieben werden und man erhält jedes Halbjahr ein Schulzeugnis. Alle zu dieser Ausbildungsoption aufgeführten Möglichkeiten sind für die Schülerinnen und Schüler i.d.R. kostenlos.
Eine Möglichkeit der Berufsausbildung nur mit dem Hauptschulabschluss ist, neben dem dualen System, die Berufsfachschule (BFS). Hier kann innerhalb von zwei Jahren der Regel-/Realschulabschluss gemacht werden. Zusätzlich erhält der Schüler/ die Schülerin eine entsprechende Vorbereitung (Qualifikation) auf einen bestimmten Beruf, so bereitet z. B. die "BFS Wirtschaft" auf wirtschaftliche Ausbildungsberufe vor.
Mit dem Regel-/Realschulabschluss besteht die Möglichkeit, neben dem dualen System entweder die Höhere Berufsfachschule (HBF), die Fachoberschule (FOS) oder das berufliche Gymnasium zu absolvieren. Die HBF führt in zwei bis drei Jahren zu einer beruflichen Qualifikation in den entsprechenden Bereichen, z. B. "HBF Wirtschaft". Wird gleichzeitig damit die sog. Assistentenausbildung einbezogen, so erhält man eine vollwertige Ausbildung (,die aber mit entsprechenden Praktika gekoppelt werden muss). Diese Assistentenausbildung gibt es wiederum für verschiedene Bereiche, z. B. kaufmännischer Assistent, Fremdsprachenassistent, Tourismusassistent (der Assistent ist ein offiziell anerkannter Titel). Außerdem kann mit dem HBF-Abschluss die Fachhochschulreife erworben werden. Die FOS führt in zwei Jahren zur Fachhochschulreife. Schüler mit abgeschlossener Berufsausbildung müssen nur das zweite Jahr machen. Auch hier erhält man eine entsprechende Vorbereitung (Qualifikation) auf einen bestimmten Beruf bzw. auf ein Fachhochschulstudium. Das berufliche Gymnasium führt in drei Jahren zum Abitur. Hier müssen in den Leistungskursen die entsprechenden berufsrelevanten Fächer gewählt werden, z. B. Wirtschaft-Leistungskurs, allgemeine Wirtschaftslehre und Rechnungswesen. Auch hier kann eine sog. Assistentenausbildung integriert werden.
Nach einem Regel-/Realschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann eine Fachschule zur Weiterqualifizierung in einem speziellen Bereich genutzt werden. Die Fachschule dauert entweder in Vollzeit (d. h. jeden Tag) mindestens zwei Jahre oder in Teilzeit (abends oder am Wochenende) mindestens vier Jahre. Hier erwirbt man aufbauende Kenntnisse und erhält außerdem den Fachhochschulabschluss.

Studium

Mit dem Abitur, der Hochschulreife, ist sowohl die Möglichkeit einer dualen Ausbildung, als auch eines Studiums an einer Universität oder Fachhochschule gegeben. Das Studium vermittelt die theoretischen Grundlagen des gewählten Studienfachs und schließt entweder mit dem Diplom, Magister, Master, Bachelor oder erstem Staatsexamen (z.B. für Lehramt oder Jura) ab. In der Bundesrepublik wird in Semestern studiert, beispielsweise vom 01.10. bis zum 31.03. und vom 01.04. bis zum 30.09. (diese Zeiten variieren aber von Hochschule zu Hochschule). In einem Teil des Semesters finden Lehrveranstaltungen statt, die für alle Studierenden obligatorisch sind. In der restlichen, vorlesungsfreien Zeit müssen Hausarbeiten geschrieben werden, es werden universitäre Praktika und Exkursionen angeboten oder die Studierenden absolvieren ein eigenständiges Praktikum außerhalb der Hochschule. Häufig sind die Hochschulen bei der Suche nach Praktikumsmöglichkeiten behilflich. Die Regelstudienzeit variiert je nach Studiengang. Für einen Bachelor-Abschluss sind sechs Semester (= drei Jahre) typisch. Für den Master werden in der Regel weitere zwei Jahre Vollzeitstudium notwendig. Der Master ist der zweite akademische Grad, welcher an einen Bachelor oder traditionellen einstufigen Abschluss anschließt. Ein Medizinstudium dauert in der Regel 12 Semester (= sechs Jahre), während ein Lehramtsstudium zwischen 8 - 10 Semester (4 - 5 Jahre) umfasst. Während des Studiums ist es sinnvoll, ein Auslandssemester oder Auslandsjahr einzuplanen. Dazu besuchen die Studierenden eine andere Hochschule im Ausland zum Vertiefen des Fachwissens. Außerdem kann dort die Sprachkompetenz erweitert und ein anderer Kulturkreis kennen gelernt werden. Innerhalb der EU wird das Auslandsstudium durch Bildungsprogramme häufig organisatorisch und finanziell unterstützt. Den Abschluss des Studiums bildet eine schriftliche Arbeit, in der jeder Studierende eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten nachweisen muss. Damit verbunden sind meist schriftliche und/oder mündliche Abschlussprüfungen. Die Anforderungen sind jedoch abhängig vom gewählten Studienfach.

Bewerbungsablauf

Um entweder einen Ausbildungsplatz (duale Ausbildung) oder nach abgeschlossener Ausbildung einen richtigen Arbeitsplatz zu bekommen, muss man sich im Vorfeld mit dem Bewerbungsablauf auseinander setzten. Bewerbungen können initiativ bei einem Unternehmen oder einer Institution eingereicht werden, oder sich auf Stellenangebote z. B. in Tageszeitungen oder im Internet beziehen. Eine Bewerbung besteht aus einem kurzen, aussagekräftigen Anschreiben, dem Lebenslauf und allen bis dahin erworbenen Zeugnissen und Praktika-Nachweisen. Wird die Bewerbung vom Unternehmen als gut und interessant befunden, folgt die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Dies kann entweder ein persönliches Gespräch oder ein Assessment-Center (Übungen mit mehreren Bewerbern zusammen) sein. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich auf dieses Gespräch gut vorzubereiten und sich vorher über das Unternehmen oder die Institution zu informieren (z.B. mithilfe von Internet, Broschüren etc.).

Schlusswort

Im Schulgesetz steht eindeutig, dass: "Für den Zugang [...] weder die Herkunft und das Geschlecht des Schülers, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung seiner Eltern noch die Weltanschauung oder die Religion bestimmend sein" dürfen. Somit hat jeder Schüler ein Recht auf schulische Bildung, allerdings kann und muss er selbst bestimmen, wohin sein Weg führen soll. Die Eltern und Lehrer können immer nur Anregungen und Erfahrungen geben, letztlich muss jeder selbst entscheiden, auf welcher Stufe er seine Zufriedenheit findet.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anke Renker
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.04.2012


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