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Infoblatt Langzeitarbeitslosigkeit


Definition Langzeitarbeitslosigkeit und die Auswirkungen auf die Gesellschaft

Wichtigstes Kennzeichen der Langzeitarbeitslosigkeit ist deren Dauer: So gilt als langzeitarbeitslos, wer die Bedingungen der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate und darüber hinaus durchgehend erfüllt. Sie wird nicht einzeln angegeben, sondern als Anteil der Gesamtarbeitslosenquote. Die Langzeitarbeitslosigkeit wuchs in den vergangenen dreißig Jahren langsam aber stetig an. Ende 2011 stieg die Zahl der Arbeitslosen deutlich über 3,3 Millionen. 1,4 Millionen von ihnen, also fast die Hälfte, sind ein Jahr oder länger arbeitslos und mehr als 900.000 sogar mehr als zwei Jahre. Im Jahr 1970 waren es nur rund 5 %.
Im Wesentlichen sind von dieser Form der Arbeitslosigkeit einzelne Problemgruppen bzw. Personen betroffen, auf die eine Kombination aus verschiedenen Problemfaktoren zutrifft. Diesbezügliche Faktoren sind das Alter (Jugendliche, Erwerbsfähige ab 40), die Qualität der Ausbildung, die Nationalität, das Geschlecht (Frauenarbeitslosigkeit) sowie der Gesundheitszustand, aber auch der Wille zur Mobilität sowohl einen ausbildungsfremden Beruf anzunehmen als auch den Arbeits- und Wohnort zu wechseln. Sehr stark von der Langzeitarbeitslosigkeit sind Ausländer betroffen: Neben den oben genannten Problemen bilden Sprachbarrieren sowie die Nichtanerkennung von schulischen und beruflichen Abschlüssen in dem jeweiligen Einwanderungsland weitere Schwierigkeiten.
Aus Langzeitarbeitslosigkeit resultieren schwerwiegende Folgen für den einzelnen Betroffenen. Neben erheblichen finanziellen Einschränkungen und einem dadurch verbundenen niedrigen Lebensstandard verringert sich auch die soziale Stellung der Person innerhalb der unmittelbaren Gesellschaft. Armut, zu der Langzeitarbeitslosigkeit führen kann, trägt des Weiteren zu gesundheitlichen Problemen bei, zudem wirkt sich Armut auch nachteilig auf das Bildungsniveau aus. Die Chance auf Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess nimmt mit andauernder Arbeitslosigkeit ab und die Folgen daraus übertragen sich – sofern Familien davon betroffen sind – auch auf die Kinder.
Die Folgen für den Staat sind ebenfalls erheblich. Einerseits wachsen die finanziellen Belastungen für den Staat, da mehr Arbeitslosengeld oder -hilfe bzw. Sozialhilfe gezahlt werden muss. Höhere Steuerabgaben sind unter anderem Folge für die Gesellschaft. Andererseits ist der Staat gefordert zu handeln, da die Höhe der Langzeitarbeitslosenquote ein Indiz für Schwächen der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik darstellt. Bisherige Aktivitäten, z. B. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, reichen nicht aus, um den hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen abzubauen.

Literatur

GÖRRES-GESELLSCHAFT (HRSG.): Recht-Wirtschaft-Gesellschaft in fünf Bänden, 1.Bd., 7. völlig neu bearb. Aufl., Freiburg, Basel & Wien 1995. HICKEN, E.: In der Fortbildung scheitern viele schon an den Sprachhürden, in Frankfurter Rundschau vom 12.12.2003, S.4.
KARR, W.: Zur Definition von Langzeitarbeitslosigkeit oder: messen wir wirklich, was wir messen wollen?, in: KLEINHENZ, G. (HRSG.): IAB-Kompendium Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Beiträge zur Arbeitsmarkt und Berufsforschung, BeitrAB 250, Nürnberg 2002, S.107-119.
STATISTISCHES BUNDESAMT (HRSG.): Datenreport 2002. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland, 2. aktualisierte Aufl. Bonn 2003.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kerstin Munsel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 09.04.2012


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