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Infoblatt Juniorfirma


Juniorfirma (Klett)

Juniorfirma als Methode für Schüler und Auszubildende in real existierenden Unternehmen eigenverantwortlich lernen zu können

Schüler als Firmengründer – geht das überhaupt? Offensichtlich ja, denn es gibt immer mehr Beispiele von Juniorfirmen, die von geschäftstüchtigen Schülerinnen und Schülern gegründet werden. Aber was ist nun eigentlich eine sog. Juniorfirma? Die Juniorfirma (auch Übungsfirma, Schülerfirma, Lernbüro) ist eine Methode für Schüler und Auszubildende, bei der sie in einem real existierenden Unternehmen selbstständig und eigenverantwortlich lernen und arbeiten können. Diese Unternehmen nehmen in den meisten Fällen aktiv am Wirtschaftsleben teil, d. h. im Gegensatz zu einem fiktiven Planspiel werden marktfähige Produkte oder Dienstleistungen auf einem konkurrierenden Markt hergestellt oder verkauft. Die Schüler lernen so alle Bereiche eines Unternehmens wie Einkauf, Produktion, Marketing, Verkauf, Vertrieb, Disposition, Personalwesen, Lagerhaltung etc. kennen.

Die erste Juniorfirma in Deutschland entstand 1975 in der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG. Sie ersetzt hier den betrieblichen Unterricht für die Auszubildenden des Berufs Industriekaufmann/-frau. Die Auszubildenden können hier ohne Folgen für das Unternehmen selbstständig "Fehler" machen und aus diesen Fehlern für das reale Tagesgeschäft lernen. Die Juniorfirma dient als Ergänzung zum "training on the job". Die guten Erfahrungen in der Juniorfirma führten dazu, dass das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Industrie- und Handelskammer von 1983 - 1986 ein Modellversuch mit acht Unternehmen durchführten.
Mitte der 1990er Jahre wurde das Konzept dann auf die Schulen transferiert, die für ihre Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildungsplatz entsprechende Unternehmen in Vereinsform gründeten.
Ziel einer Juniorfirma ist es, dass die Schüler und Auszubildenden praxisnah und abwechslungsreich in allen Bereichen eines Unternehmens arbeiten und lernen können, ohne dass Fehler eine weitreichende Konsequenz haben. Die Schüler und Auszubildenden sollen sich selbstständig das kaufmännische Fachwissen aneignen und die Zusammenhänge im komplexen Unternehmen verstehen. Letztlich ist die Juniorfirma eine "learning by doing"-Methode. So müssen die Schüler und Auszubildenden:

  • sich für eine Geschäftsidee entscheiden
  • sich für die Organisationsform des Unternehmens entscheiden
  • ein Unternehmen mit seinen Abteilungen und Funktionen organisieren
  • Stammkapital einbringen
  • Dienstleistungen anbieten oder Produkte herstellen/verkaufen
  • Kosten berechnen und Preise kalkulieren
  • Geschäftsbeziehungen aufbauen und unterhalten
  • über die Verteilung der erwirtschafteten Gewinne entscheiden
  • neue Mitarbeiter einarbeiten
  • Treffen organisieren
  • das Untenehmen und die Geschäftsideen präsentieren

Das ökonomische Ziel einer jeden Juniorfirma ist die Gewinnerzielung. Die Juniorfirma ist eine Chance für die Schüler, eine eigene Geschäftsidee umzusetzen und Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben und anzuwenden, die im späteren Berufsleben von Nutzen sein können. Durch das selbstständige Führen der Juniorfirma müssen die Schüler und Auszubildenden ein gewisse Verantwortung übernehmen, die weder in der Schule noch in der Ausbildung geschult wird. Daneben müssen sie sich Führungs- und Sozialkompetenzen aneignen bzw. bilden sich diese durch das Miteinander in der Juniorfirma automatisch heraus.
Juniorfirmen sind in den letzten Jahren in fast allen Berufsschulen gegründet worden, da die positiven Aspekte (Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Sozialkompetenzen, Teamfähigkeit etc.) für diese Methode des "Lernens" sprechen. Der Lehrer ist nur noch Coach und steht den Schülern und Auszubildenden hilfreich zur Seite, greift aber nicht selbst in das Geschehen ein.

Beispiele für erfolgreiche Juniorfirmen

Ein Beispiel für eine von Schülern jedes Jahr neu gegründete Juniorfirma ist die Junior Company der Fachschule für Leben, Beruf, Haus und Wirtschaft Friedberg - St. Martin. Die Schüler müssen im Rahmen ihres Unterrichtes eine Geschäftsidee entwickeln. Im Anschluss daran gründen sie eigenständig ein Unternehmen für die Dauer eines Schuljahres. Sie sind dann für alle Bereiche zuständig und müssen sich von der Unternehmensgründung bis zur Unternehmensliquidation alles selbst erarbeiten.
In der Karl-Volkmar-Stoy-Schule in Jena wurde 1998 eine Juniorfirma gegründet. Die Schüler führen hier ein bereits existierendes "Unternehmen" weiter. Sie arbeiten in den verschiedenen (bereits vorhandenen) Bereichen, wie z. B. Marketing, Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen, Personal.
In der Krone GmbH wurde für die Auszubildenden ein Unternehmen gegründet. Hier müssen jeweils zwei Auszubildende drei Wochen die Geschäftsführung übernehmen und somit die Verantwortung für dieses Unternehmen tragen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Anke Renker
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 25.05.2012


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