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Infoblatt Entwicklung der Montanindustrie im Siegerland


Siegerland: Entwicklung und Stilllegung des Erzbergbaus (Klett)

Der Prozess des Strukturwandels im Siegerland

Bergbau und Eisengewinnung prägten über 200 Jahre die Region rund um Siegen. Viele hundert Gruben und Hüttenplätze hat es gegeben und bis 1962 förderten im Siegerland sogar die tiefsten Eisenerzgruben des europäischen Kontinents. Die Betriebe der Region sind traditionell klein bis mittelgroß.

Eisenbahn, Eisenerzgrube und Eisenhütte

Die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Ruhr-Sieg-Bahnstrecke ermöglichte schon früh eine rege Handelsbeziehung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Siegerland: Die zur Verhüttung des Eisens notwendige Steinkohle wurde importiert, das qualitativ hochwertige Eisen und Eisenerz konnte ins Ruhrgebiet geliefert werden. Im 19. Jahrhundert wurden viele kleine Schachtanlagen unterirdisch zu größeren sog. "Verbundschachtanlagen" verbunden.
Die letzte große Verbundschachtanlage auf Siegener Stadtgebiet war die 1957 stillgelegte Grube "Eisenhardter Tiefbau“. Ihre Geschichte kann bis ins Jahr 1456 zurückverfolgt werden. In ihrer Blütezeit 1950 wurden aus bis zu 780 m Tiefe 125.000 t Eisenerz jährlich gefördert. Bis zu diesem Zeitpunkt war aus ehemals einem einzelnen Schacht ein ganzes System von Strecken und Schächten entstanden, das diese Grube mit den benachbarten untertage verband. Vor allem die nahe gelegene Eiserner Hütte war Hauptabnehmer des hier geförderten Erzes. Mit der Fertigstellung der Nebenbahnlinie der Eisern-Siegener-Eisenbahn 1883 wurde die Förderung gesteigert und auch das Absatzgebiet ausgedehnt. Viele Eisenhütten im Siegerland waren "reine“ Eisenhütten, die ausschließlich Roheisen produzierten und über kein Walzwerk verfügten. 1972 machte auch die letzte "reine“ Eisenhütte des Siegerlandes, die Eiserfelder Hütte im Eiserntal, dicht. Hohe Transport- und Rohstoffkosten zwangen zu diesem Schritt.

Das Siegerland Heute

Die ehemals engen unternehmerischen Verflechtungen des Siegerlandes mit dem Ruhrgebiet haben sich in den vergangenen Jahren mit teilweise harten Umstrukturierungen deutlich gelockert. Heute ist die Montanbasis im Verarbeitenden Gewerbe mit 11 % der Beschäftigten relativ gering. Geblieben ist die starke Ausrichtung der Region auf die Weiterverarbeitung von Eisen, Stahl und Blech sowie spezifischem (Schwer-)Maschinenbau. Durch konsequente Umstrukturierungs- und Technologiepolitik gelang es, vorgefundene Technologien und Branchenschwerpunkte weiterzuentwickeln. Die Hauptbranchen der Region sind heute Maschinenbau, Walzenbau, Oberflächenveredelung, Röhrenherstellung, Apparate- und Behälterbau, Kunststoffverarbeitung, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie Umweltschutzdienstleistungen.

Technologiepark Geisweid

Seit 1990 wurden auf dem altindustriellen Gebiet der ehemaligen Birlenbacher Hütte neue Nutzer angesiedelt. Unter anderem ein Technologie-Zentrum und das Regionale Institut für Oberflächentechnik sollen den Strukturwandel dieses alten Montanstandortes unterstützen und leiten. Insgesamt werden heute 52.000 m² des altindustriellen Geländes genutzt, 22.000 m² werden freigehalten und parkähnlich durchgrünt. Der Technologiepark Geisweid soll so ein Beispiel für eine umweltverträgliche Erneuerung sein. Zusätzliche Wirtschaftsförderungs- und Bildungseinrichtungen machen das Gelände attraktiv.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 27.05.2012


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