Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Faltengebirge


Faltengebirge (Klett)

Stadien der Faltengebirgsentstehung

Faltengebirge sind große Gebirgsmassive, die in Bereichen entstehen, wo Platten der Erdkruste aufeinander treffen. Besonders eindrucksvolle und heute noch aktive Faltengebirge sind u. a. der Himalaja und die Alpen.
Dabei "schwimmen" die Platten auf einer Schicht aus flüssigem Magma, der Asthenosphäre. Durch Energieströme innerhalb der Asthenosphäre wird die Bewegung der Platten angetrieben, so dass sie wie Eisschollen voneinander weg und aufeinander zu treiben. Driften zwei Platten aufeinander zu, so kommt es zur Kollision, so dass sich eine Platte über die andere schiebt. Da mit dem Abtauchen (Subduktion) eine Raumverengung einhergeht, wird Material aufgeschoben, so dass riesige Faltengürtel entstehen. Dieser Vorgang lässt sich gut am Beispiel der Entstehungsgeschichte der Alpen rekonstruieren.

Die Alpen sind eine große Gebirgseinheit, welche aus mehreren Gebirgszonen besteht, die sich in einem Bogen von der Mittelmeerküste durch Frankreich, Italien, Schweiz und Österreich erstrecken. Hierbei treffen zwei kontinentale Lithosphärenplatten, die nördliche europäische (Eurasische) Platte und die südliche Afrikanische Platte aufeinander. Bei der Kollision der beiden Platten schiebt sich die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte, so dass die Kruste der Afrikanischen Platte in die Asthenosphäre gedrückt wird. Dieser Prozess hält heute noch an, wodurch sich die Städte München und Venedig 5 mm pro Jahr aufeinander zu bewegen.

Stadien der Faltengebirgsentstehung

Die Entstehung der Faltengebirge lässt sich nicht ohne die Betrachtung der Vorgeschichte eines Gebietes verstehen.

  1. Phase
    Die erste Phase einer Gebirgsbildung wird das Geosynklinalstadium genannt. Unter einer Geosynklinale versteht man große Absenkungsbereiche, wobei große Gebiete kontinuierlich absinken. Im ersten Moment scheint es, als wenn dies nichts mit einer Gebirgsbildung zu tun hätte, aber hierbei werden die Vorraussetzungen für die weiteren Stadien geschaffen. Im Geosynklinalstadium sinken riesige Gebiete ab, die sich aufgrund dessen mit Wasser füllen, wodurch es zur Bildung großer Meere kommt. In diesen Absenkungsbereichen entstehen über lange Zeiträume hinweg mächtige Ablagerungen. Im Falle der Alpen erstreckte sich zwischen Eurasien und Afrika vor rund 250 Mill. Jahren ein ausgedehntes Flachmeer, die Tethys. Der Senkungsprozess dieses Gebietes dauerte ca. 150 Mill. Jahre an. Über viele Millionen Jahre hinweg wurde Material aus den Flüssen und dem Meer abgelagert, die im Zentrum des Senkungsbereiches mehrere Tausend Meter betrugen. Aus diesen Ablagerungen entstanden durch Verfestigung Sedimentgesteine wie Sand-, Mergel- und Kalksteine.
  2. Phase
    In einer zweiten Phase bewegen sich Erdkrustenplatten aufeinander zu, so dass das Meer stark eingeengt wird. In episodischen Schritten kommt es zur eigentlichen Gebirgsbildung, wobei der innere Baustil des Gebirges angelegt wird. Dabei führen weitreichende Überschiebungen von großen Krustensegmenten zur Auffaltung. Vor ca. 100 Mill. Jahren kommt es zwischen Europa und Afrika zu Schubbewegungen der Afrikanischen Platte Richtung Norden. An Schwachstellen wurden die Erdkruste und ihre mächtigen sedimentären Ablagerungen wellenförmig aufgefaltet, so dass die Faltenrücken als Inseln an der Erdoberfläche erschienen.
  3. Phase
    Durch anhaltenden Druck falten sich die Decken weiter auf und beginnen sich herauszuheben, wodurch sich nun am Rand der entstehenden Gebirge Sedimentationsräume ausbilden, die das Abtragungsmaterial aus dem emporsteigenden Gebirge aufnehmen. Auch im Bereich der Alpen ließen starke Schubkräfte der südlichen Platte einerseits die Falten weiter anwachsen, andererseits schoben sich die Schichten dachziegelartig übereinander. Mit dem Abtauchen der Afrikanischen Platte unter die Eurasische Platte ist ein großräumiger Aufstieg von Magma verbunden, so dass sich im Kern der Alpen neben marinen Ablagerungsgesteinen (Kalkgestein) auch Granit finden lässt. Es entstand eine Gebirgslandschaft, die nun durch Erosionskräfte (Wind, Wasser, Frost etc.) der Abtragung ausgesetzt war. Das abgetragene Material aus dem Bereich der Alpen wurde in Sedimentationströgen um das Gebirge herum abgelagert. Im Verlauf der Auffaltung wurde der komplizierte Gebirgskomplex der Alpen durch die genannten Erosionskräfte auf Mittelgebirgsniveau abgetragen.
  4. Phase
    Gleichzeitig beginnen jedoch Hebungsvorgänge als letztes Stadium der Faltengebirgsbildung den Gebirgsraum anzuheben. Alle jungen Faltengebirge der Erde, so auch die Alpen, waren in den letzten 20 Mill. Jahren einer intensiven Hebung ausgesetzt, die auch heute noch anhält. Erst dadurch entstanden die typische Morphologie und das Hochgebirgsrelief. Mit der starken Heraushebung ist eine ebenso starke Abtragung verbunden. Die Sedimente der letzten gebirgsbildenden Phase werden auch unter Molasse zusammengefasst. Große Molasseablagerungen befinden sich im nördlichen Alpenvorland. Da sich jedoch Hebung und Erosion in etwa ausgleichen, ist das "Wachstum" der Alpen und anderer Faltengebirge nicht deutlich sichtbar.

Literatur

Bahlburg, H. & C. Breitkreuz (1998): Grundlagen der Geologie. Stuttgart
Bögl, H. (1986): Geologie in Stichworten. Wien
Brinkmann, R. (1990): Abriß der Geologie - Allgemeine Geologie. Stuttgart
Jacobshagen, V., Arndt, J., Götze, H.-J., Mertmann, D. & C.M. Wallfass (2000): Einführung in die geologische Wissenschaft. Stuttgart
Press, F. & R. Siever (1995): Allgemeine Geologie. Heidelberg, Berlin, Oxford.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Wolfgang Koppe
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 09.04.2012


Zurück zur Terrasse

Ihr Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden