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Infoblatt Vulkanbauten

Vulkanbauten im Überblick

So vielfältig wie Vulkanausbrüche ablaufen, so unterschiedlich sind auch die Vulkanbauten, die dadurch aufgebaut oder auch zerstört werden. Sie reichen von den klassischen Stratovulkanen bis zu kleinen Schlackenkegeln und von Riesencalderen bis zu Domkomplexen. Bestimmend sind vor allem die Art der vulkanischen Aktivität, explosiv (plinianisch) oder effusiv (hawaiianisch), die Menge der Förderprodukte und deren Eigenschaften.


Schematischer Aufbau eines Schildvulkans (Klett)

Wenig explosive vulkanische Tätigkeit führt oft zur Bildung von kegelförmigen Ringwällen um die Austrittsstelle der Lava (den Schlot). Aus hawaiianischen Lavafontänen herunterfallende Lavaflatschen sind noch glutflüssig, wenn sie zurückfallen. Daher verschweißen die einzelnen Lavafetzen (Schweißschlacke) und es bildet sich ein Schlackenkegel. Ist die Explosivität etwas größer (strombolianische Tätigkeit), so sind die Lavafetzen kleiner und legen einen weiteren Weg zurück, bevor sie auf die Erde zurückfallen. Sie sind daher oft schon so abgekühlt, dass die einzelnen Lavafetzen nicht mehr verschweißen und es bildet sich ein Tuffkegel. Schlackenkegel und Tuffkegel lassen sich oft daran unterscheiden, dass ersterer steilere, letzterer sanftere Abhänge besitzt.

Bei hawaiianischen Eruptionen bilden sich oft Lavaströme. Ist die Lava dünnflüssig, so haben diese eine Dicke von nur wenigen 10er Zentimetern; ist sie zähflüssig, so können Lavaströme auch einige 10er Meter mächtig sein. Daher bedecken dünnflüssige Laven bei gleichem Volumen eine größere Fläche als zähflüssige. Liegen viele Lavaströme übereinander, so erreicht ein Vulkan, der zähe Laven fördert, schnell eine gewisse Höhe, während sich ein Vulkan, der durch dünnflüssige Laven charakterisiert ist, in der Fläche ausdehnt, aber nur langsam in die Höhe wächst. In erstgenanntem Falle bildet sich ein Stratovulkan, im letztgenannten ein Schildvulkan.


Schematischer Aufbau eines Stratovulkans (Klett)

Viele Vulkane zeigen variable Tätigkeiten; viele Stratovulkane weisen daher unterschiedliche Schichten aus Lava (Hawaiianische Tätigkeit) und Lockermaterial (strombolianische bis plinianische Tätigkeit) auf. Bei manchen Aschenkegeln nimmt die Explosivität im Laufe der Eruption ab und es bildet sich ein Lavastrom, der mit einem Aschenkegel vergesellschaftet ist.

Explosive Vulkanausbrüche sind oft zerstörerisch. Manche Vulkane, die nur einen einzigen oder doch nur wenige Ausbrüche hatten, sind einfach "Löcher" in der Erde. So liegt der Laacher See in einem Krater, der beim Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor rund 12.000 Jahren in der Eifel entstand. Ein eigentlicher Vulkanbau fehlt. Die Aschenstromablagerungen füllen die benachbarten Täler (Brohl- und Nettetal), die Fallablagerungen bedecken die Umgebung über viele Hundert Quadratkilometer. Noch gewaltiger waren die Ausbrüche des Taupo-Vulkans in Neuseeland, die ebenso "lediglich" einen riesigen Krater erzeugten.

Kommt es bei Stratovulkanen zu explosiven Eruptionen, so wird auch schon einmal ein großer Teil des Gipfels weggesprengt, so wie 1980 beim Mount St. Helens. Obwohl sich also die Mehrzahl der plinianischen Eruptionen bei Stratovulkanen ereignen, so werden diese Vulkane doch in der Regel durch andere, weniger explosive Tätigkeit aufgebaut und durch die explosiven Ausbrüche eher wieder zerstört. Diese weniger explosive Tätigkeit ereignet sich oft in vielen einzelnen Ausbrüchen, die sich zwischen den großen, zerstörerischen Explosionen ereignen.

Die großen plinianischen Eruptionen enden oft damit, dass sich in dem Schlot schon entgastes und damit wenig explosives Magma nach oben schiebt und einen so genannten Dom bildet. Solche Dome (oder Domkomplexe) bilden sich auch, wenn die Lava so zähflüssig ist, dass sie nach dem Verlassen des Schlots nur noch wenig weiter fließt. Die Lava bildet dann eine Art Ballon, der außen abkühlt und durch nachfließendes Magma immer weiter aufgebläht wird. Erfolgt der Nachschub in getrennten Phasen, so ist solch ein Dom zwiebelartig aufgebaut. Bildet sich solch ein Dom im Gipfelkrater eines Stratovulkans, kann er so weit wachsen, dass er nicht mehr in den Krater passt. Dann quillt er über den Kraterrand hinaus und wenn dann einzelne Teile abbrechen, zerlegt sich das noch flüssige Innere des Doms explosiv in kleine Magmafetzen, die dann pyroklastische Ströme bilden.

Wird bei Vulkanausbrüchen eine sehr große Menge Magma gefördert, so wird das Dach der Magmenkammer instabil und bricht ein. Es entsteht eine kesselförmige Einbruchzone, die Caldera genannt wird. Oft beschränkt sich eine solche Caldera auf den Gipfelbereich eines Stratovulkans. Sie hat dann einen Durchmesser zwischen einem und vielleicht 8 Kilometern. Bei den so genannten Caldera-bildenden Eruptionen (Supereruptionen) entstehen Calderen mit Durchmessern von über 50 Kilometern. Zwischen einzelnen Supereruptionen kommt es in vielen Calderen zu Vulkanismus in weit bescheidenerem Maßstab. Dabei steigt das Magma oft an den Ringspalten, den Abbruchflächen des Kessels auf. Außerdem hebt sich oft der zentrale Teil des abgesunkenen Dachbereichs des Magmenkammer, so dass beispielsweise in der Toba-Caldera auf Sumatra (Indonesien) eine Insel entstanden ist.

Eine Sonderform von Vulkanbauten sind die Maare. Sie entstehen bei besonders explosiven Eruptionen, dann, wenn das Magma mit Wasser zusammentrifft und es zu Explosionen kommt (phreatomagmatische Eruptionen). Dabei entsteht ein Explosionskrater, bei dem das ausgeworfene Material ringförmig um den Krater herum abgelagert wird (Kraterwall). Dieser Kraterwall besteht oft nur zu einem geringen Anteil aus den Vulkaniten, die die Explosionen ausgelöst haben, sondern hauptsächlich aus dem zertrümmerten Gestein, das den Krater ursprünglich füllte.


Typischer Aufbau eines Maars (Klett)

Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Ulrich Knittel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.03.2012


Schlagworte:
Vulkanismus, Vulkan


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Autorin/Autor:

Dr. Ulrich Knittel


TERRASSE online
www.klett.de/terrasse
Datum: 28.07.2014


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