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Infoblatt Santorin


Krater auf der Insel Paläa Kameni, im Hintergrund der Rand der Caldera (Knittel)

Informationen und Bilder zum Santorin / Griechenland

Basisdaten zum Vulkan Santorin

Lage: Nördlich der Insel Kreta in der Ägäis (45° nördliche Breite, 110° westliche Länge)
Höhe: etwa 565 m (nicht vulkanische Gesteine am Calderarand)
Vulkantyp: Caldera und kleine Vulkaninsel mit phreatischer bis hawaiianischer Tätigkeit
Tektonische Stellung: Subduktionszone
Letzter plinianischer Ausbruch/ letzter Ausbruch: zwischen 1675 und 1625 v. Chr. bzw. 1950

Rund 120 Kilometer nördlich der Insel Kreta liegt die kleine vulkanische Inselgruppe von Santorin. Sie besteht aus den großen Inseln Thera und Therasia, die zusammen mit der kleinen Insel Aspronisi ringförmig eine Caldera umgeben, die durch vier gewaltige Ausbrüche entstanden ist. Im Zentrum der Caldera liegen die jungen Vulkaninseln Palaea Kameni und Nea Kameni ("die alte und die neue Verbrannte"). Die Bedeutung dieser Vulkaninseln liegt vor allem darin, dass sich in der Bronzezeit eine gewaltige plinianische Eruption ereignete, an die sich manche Spekulationen zum Ablauf der Geschichte des östlichen Mittelmeeres knüpfen.

Die Vulkaninseln


Blick vom Calderarand auf die Kameni-Inseln, der weiße Saum auf dem gegenüberliegenden Calderarand sind die Ablagerungen des bronzezeitlichen Ausbruchs. (Knittel)

Auf der Hauptinsel des Archipels ist der vorvulkanische Untergrund aufgeschlossen. Darüber liegen die Produkte mehrerer größerer und kleinerer Eruptionen. Auf Santorin hat es nämlich nicht nur vier große, Caldera-bildende Ausbrüche gegeben, vielmehr haben sich zwischen den ganz großen Ausbrüchen auch weniger heftige Eruptionen ereignet, bei denen kleine Vulkanbauten entstanden (die dann bei den großen Ausbrüchen teilweise wieder zerstört wurden).
Die Kameni-Inseln bildeten sich erst seit 197 v. Chr. in der Caldera des bronzezeitlichen Ausbruchs. Palaea Kameni entstand damals. Durch spätere Eruptionen vergrößerte sich die Insel, von der aber heute ein Teil wieder im Meer versunken ist (die Abbruchkante ist auf dem Foto unten gut zu erkennen!). Erst 1707 entstand Nea Kameni, die sich ebenfalls durch weitere Ausbrüche (zuletzt 1950) vergrößerte und mit der um 1570 - 1573 entstandenen Insel Mikra Kameni vereinigte.

Der bronzezeitliche Ausbruch

In der Bronzezeit ereignete sich ein bedeutender Ausbruch des Santorin-Vulkans. Da es keine Berichte über den Ausbruch gibt, muss der Ablauf der Eruption aus den Ablagerungen rekonstruiert werden, die allerdings zu einem großen Teil auf dem Meeresboden liegen.
Danach begann der Ausbruch mit einer 'klassischen' plinianischen Phase, bei der ungeheure Massen von Bims aus den Eruptionswolken herabregneten (Fallablagerungen), die bis zu 7 Meter mächtige Ablagerungen bildeten. Später drang Wasser in das magmatische System ein und es kam zu einer besonders explosiven phreatomagmatischen Phase. Die Eruption endete mit Aschenströmen, die zu einem großen Teil in das Meer schossen.

Wann ereignete sich der Ausbruch?

Ein spannendes Problem der Vulkanologie und auch der Archäologie ist die Frage nach dem genauen Zeitpunkt des bronzezeitlichen Ausbruchs. Gesteine, die 'nur' rund 3.500 Jahre alt sind lassen sich nämlich nicht gut datieren. Daher ist man auf indirekte Altersbestimmungen angewiesen. So wurde versucht, Hölzer, die unter den Ablagerungen der Eruption liegen, mit der 14C-Methode zu bestimmen. Leider war das Angebot von 14C in der Vergangenheit variabel, so dass die mit dieser Methode bestimmten Alter korrigiert werden müssen, weshalb sie relativ große Fehler haben. Eine andere indirekte Methode beruht darauf, dass bei fast allen gigantischen Vulkanausbrüchen Schwefelsäure freigesetzt wird, die mit Schnee und Regen zur Erde zurückkehrt. In Eiskernen, die auf Grönland und in der Antarktis erbohrt wurden, kann man daher nach heftigen Vulkanausbrüchen oft schwefelsäurereiche Schichten finden. Allerdings ist die Zuordnung eines Schwefelsäuresignals zu einem Vulkanausbruch immer auch etwas spekulativ, da ja die Säure im Prinzip von jedem beliebigen Vulkan stammen kann. Und bedauerlicherweise kommen für den Zeitpunkt, für den ein Säuresignal gefunden wurde, auch zwei andere Vulkanausbrüche in Frage. Korrigierte 14C -Alter und Daten von Eiskernen zusammen genommen deuten auf die Zeit zwischen 1675 und 1625 v. Chr. als Zeitpunkt der Thera-Eruption.

Der Untergang der minoischen Kultur, die ägyptischen Plagen und Atlantis

Die Tatsache, dass der Ausbruch von Thera nicht sehr genau datiert werden konnte, hat zu vielerlei Spekulationen Anlass gegeben. So ist es wahrscheinlich, dass durch die Aschenströme und durch den Einbruch der Caldera Tsunamis ausgelöst wurden, die an der Nordküste Kretas große Zerstörungen hervorgerufen haben müssten. Und da die zu dieser Zeit blühende minoische Kultur sich wohl auf Seehandel gründete, sollten Tsunamis besonders die Küstensiedlungen betroffen haben. Allerdings setzen die Archäologen den Untergang des minoischen Reiches auf die Zeit um 1450 v. Chr. an, also deutlich später, als die Datierungen als Zeitpunkt der Eruption angeben. Daher ist ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Untergang der minoischen Kultur sehr unwahrscheinlich, es sei denn, die archäologische Datierung stimmt nicht.
Aber auch in größerer Entfernung könnte der Vulkanausbruch Folgen gehabt haben. Verschiedene Forscher haben spekuliert, dass die in der Bibel geschilderten 'ägyptischen' Plagen Folgen des Vulkanausbruchs gewesen sein könnten. Besonders gut lassen sich die Dunkelheit und das blutgefärbte Wasser (durch Vulkanasche) erklären. Zwar glauben viele Bibelforscher, dass sich der Exodus erst deutlich später ereignet hat, doch ist auch das nur eine Annahme, da in der Bibel der Name des zu der Zeit herrschenden Pharaos nicht genannt wird.
Schließlich könnte der bronzezeitliche Ausbruch auch die Lösung eines anderen großen Rätsels sein: Santorin könnte Atlantis sein, die Insel, die 'binnen eines Tages und einer unglückseligen Nacht' im Meer verschwand. Nimmt man in der überlieferten Altersangabe einen Fehler um den Faktor 10 an, so würde das überlieferte Alter recht gut mit dem tatsächlichen Zeitpunkt der Eruption übereinstimmen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Ulrich Knittel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 11.06.2012


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