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Infoblatt Mount St. Helens


Mount St. Helens (NASA)

Informationen und Bilder zum Mount St. Helens / USA

Basisdaten zum Mount St. Helens

Lage: Kaskadenberge im südwestlichen Washington, Nordwesten der USA, 80 km nordöstlich von Portland, Oregon (46,2° nördliche Breite, 122,2° westliche Länge)
Höhe: etwa 2.551 m
Vulkantyp: Stratovulkan
Tektonische Stellung: Subduktionszone
Letzter Ausbruch: 2004/05
Erster historischer Ausbruch: 1831

Der Ausbruch des Mount St. Helens am 18.05.1980


Das Foto wurde vom Johnston Ridge Observatory aufgenommen, von wo aus man direkt in den Krater schauen kann. Selbst 20 Jahre nach dem verheerenden Ausbruch des Vulkans sind große Gebiete noch völlig kahl und mit Asche und Staub bedeckt, die von tiefen Abflussrinnen durchzogen sind. (Ellen Rudyk)

In einer Studie zum vulkanologischen Risiko der Kaskaden-Vulkane wurde 1978 dem Mount St. Helens ein "Ausbruch in naher Zukunft, möglicherweise noch vor Ende des Jahrhunderts" prophezeit. Die Vulkanologen waren also gewarnt, als der Vulkan nur zwei Jahre später aktiv wurde.
Die Aktivität des Jahres 1980 begann am 20. März mit einem Erdbeben der Stärke 4,2 auf der Richter-Skala, dem zahlreiche weitere, schwächere Beben folgten. Nur sieben Tage später ereignete sich eine heftige Explosion im Gipfelbereich, wobei sich ein knapp 100 Meter breiter Krater bildete und eine Aschenwolke rund zwei Kilometer hoch aufstieg. In den folgenden Wochen ereigneten sich eine Reihe weiterer kleinerer Explosionen, wobei die Asche aus zertrümmertem, älterem Gestein bestand; neues Magma wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefördert. Es handelte sich also um so genannte phreatische Eruptionen, ausgelöst durch überhitztes Grundwasser.
Gleichzeitig begann sich an der Nordflanke des Vulkankegels eine Beule zu bilden, ein sichtbares Anzeichen dafür, dass Magma in das Vulkangebäude eindrang. Bis zum 12. Mai hatte die Beule teilweise eine Höhe von rund 150 Metern erreicht. Zudem dehnte sie sich langsam nordwärts aus.
Am Morgen des 18. Mai ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 5,1, dessen Hypozentrum einen Kilometer unter dem Vulkan lag. Durch dieses Beben wurde die Beule instabil und rutschte als gigantischer Erdrutsch zu Tal. Von dort schoss er, bedingt durch die hohe Geschwindigkeit von über 200 Stundenkilometern, den gegenüberliegenden Bergrücken hoch, wo sich unglücklicherweise der Beobachtungsposten der Vulkanologen befand. Dadurch kam der wachhabende Vulkanologe, David A. Johnston, ums Leben. Die Schuttlawine füllte den nördlich des Vulkankegels gelegenen See teilweise auf und füllte ein anschließendes Tal.
Durch die Druckentlastung bildeten sich in dem Magma, das sich innerhalb des Vulkankegels befand, explosionsartig Gasblasen. Das Magma in der Rutschmasse schoss als seitlich gerichtete Explosion ('lateral blast') nach Norden und ebnete 500 km² Wald ein. Durch die Druckwelle wurden alle Bäume wie Streichhölzer geknickt. Aus dem nun freiliegenden Schlot schoss eine plinianische Eruptionssäule in die Höhe, vergleichbar dem raschen Öffnen einer Mineralwasserflasche, die vorher geschüttelt wurde.
Die plinianische Eruptionssäule stieg etwa 20 Kilometer hoch auf. Die sich ausbreitende Schirmregion, aus der Bims und Asche herausfielen, verdunkelte vor allem die östlich des Vulkans gelegenen Regionen. Der Straßenverkehr kam dort, wo sich Aschenfall und Dunkelheit kombinierten, praktisch zum Erliegen. Durch Instabilitäten in der Eruptionssäule bildeten sich rund 20 pyroklastische Ströme, welche die schon durch den Erdrutsch verwüstete Ebene bedeckten.
Am folgenden Tag kam die Eruption zu einem Ende. Etwa 57 Menschen verloren ihr Leben. Die Gesamtmenge des geförderten Magmas betrug etwa 0,25 km³. Die Aschenwolke umkreiste die Erde in der Stratosphäre innerhalb von zwei Wochen. Bis zum 12. Juni ereigneten sich eine Reihe weiterer, wenn auch nicht so starke plinianische Ausbrüche.
Durch den Erdrutsch und die nachfolgenden Eruptionen bildet der Vulkan nun einen nach Norden offenen, hufeisenförmigen Krater. In dem Schlot stieg ab dem 12. Juni entgastes, sehr zähflüssiges Magma auf und bildete einen sogenannten Dom in dem hufeisenförmigen Krater. Dieser wuchs in den folgenden Monaten und Jahren, wobei den einzelnen Wachstumsperioden immer heftige Explosionen vorausgingen oder ihnen folgten. Durch diese Explosionen wurde der Dom zweimal praktisch vollständig zerstört. Die letzte Wachstumsphase des Doms ereignete sich im Oktober 1986, gut sechs Jahre nach dem Beginn der Aktivität.

Wissenschaftliche Bedeutung

Der Ausbruch des Mount St. Helens befruchtete die Wissenschaft der Vulkanologie sehr stark. Zum einen wurde ein Ausbruch in allen Phasen so gut wie nie zuvor beobachtet und dokumentiert. Zum anderen entdeckte man den Erdrutsch und die gerichtete Explosion als bislang nicht sonderlich beachtete Gefahren, die von vielen Vulkanen ausgehen. So ist beispielsweise das Valle del Bove am Ätna durch einen noch weit größeren Erdrutsch entstanden; ebenso die Sciara del Fuoco auf Stromboli. In beiden Fällen müssen die Erdrutsche gewaltige Tsunamis ausgelöst haben. Auch in Japan entdeckte man mit einem gewissen Schrecken, dass zahlreiche Vulkanbauten gelegentlich zusammenstürzen.

Erneute Aktivität 2004/05


Die katastrophale Eruption vom 18. Mai 1980 ist eines der wichtigsten Naturereignisse des 20. Jh. in den USA. Die Höhe des Stratovulkans wurde bei dieser Eruption von 2.950 auf 2.550 m reduziert. Außerdem sind große Lawinen und Schlammflüsse als Folge an den Hänge abgegangen. (NASA)

18 Jahre lang ruhte der Mount St. Helens. Die Kraterwände waren zwar immer noch instabil, so dass ein Besuch im Krater nicht ganz ohne Risiko war, aber die Aktivität beschränkte sich auf den Austritt heißer Gase in Fumarolen. Langsam bildete sich sogar ein kleiner Gletscher, der den Dom teilweise bedeckte.
Diese Ruhephase ging am 23. September 2004 zu Ende, als Erdbebenschwärme unter dem Dom festgestellt werden konnten. Diese steigerten sich in den folgenden Tagen, bis sich am 1. Oktober nahezu pausenlos Erdbeben ereigneten. An diesem Tag ereignete sich auch die erste Explosion durch einen Schlot, der südlich des alten Doms lag. Bis zum 5. Oktober folgten vier weitere Explosionen. Am 11. Oktober schließlich erreichte frische, aber schon fast erstarrte Lava die Erdoberfläche und schob sich wie ein Obelisk in die Höhe. Schließlich erhob sich ein 'Walrücken' genannter Dom. Bis Ende Februar 2005 hatte dieser neue Dom schon die Hälfte des Volumens des alten Doms erreicht. Im März 2005 gab es erste Eruptionen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Ulrich Knittel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2002
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 10.06.2012


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