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Infoblatt Nationalpark Jasmund


Überblick zum Nationalpark

Gründungsjahr: 1990
Größe: 3.003 ha
IUCN-Kategorie: II
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Geographische Lage: Insel Rügen, Ostteil der Halbinsel Jasmund zwischen Sassnitz und Lohme
Zielbahnhof: Sassnitz

Naturraum und Ökosystem

Während der letzten Eiszeit wurde das Gebiet des Nationalparks Jasmund von den Inlandeismassen maßgeblich überprägt. Die im Untergrund anstehende Kreide wurde zu einem Höhenrücken aufgestaucht. Durch den später ansteigenden Meeresspiegel wurden dann Hochgebiete wie Jasmund zu Inseln. In den abflusslosen Senken bildeten sich Seen, aus denen in der Folge Moore entstanden. Im Gebiet des heutigen Nationalparks blieb ein reiches Spektrum naturnaher Ökosysteme auf engstem Raum bis in die Gegenwart erhalten. Dazu gehören Wälder, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Moore, die Steilküste, Blockstrände und der Flachwasserbereich der Ostsee. Auf dem glazial überformten Kreidehorst herrschten in den letzten 2.000 Jahren vornehmlich Buchenwälder vor. Die noch gegenwärtig vorhandenen Rotbuchenwälder auf dem Stubnitzplateau stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Auch heute laufen im Nationalpark Jasmund die natürlichen Prozesse ohne menschliche Eingriffe ab. Alles ist in steter Veränderung. So verändert sich das 10 km lange Steilufer des Nationalparks aufgrund der Sturm-exponierten Lage ständig. (Im Winter 2005 brachen die Wissower Klinken, eine Hauptattraktion auf der Insel Rügen, ab und rutschten ins Meer.) Durch die Abtragungsprozesse wird die Küstenlinie allmählich ins Hinterland verlagert und die Herausbildung einer Pflanzendecke verhindert. Deswegen können auf Jasmund häufig Gesteinsschichten punktuell und zeitlich begrenzt in ihrem "aufgeschlossenen" Zustand beobachtet werden. Aber auch Ergebnisse der letzten Vereisung, wie glaziale Sedimente, können als Zeugnisse der erdgeschichtlichen Vergangenheit identifiziert werden.

Fauna und Flora

Der Nationalpark Jasmund zeichnet sich durch eine artenreiche Tierwelt und Vegetation aus. An der Küste suchen beispielsweise Meerforellen und Lachse nach Nahrung, während in den Fließgewässern Bachforellen und Edelkrebse zu Hause sind. In den Feuchtgebieten leben Ringelnatter, Kreuzotter und die seltene Glattnatter sowie zahlreiche amphibische Vertreter wie Frösche und Kröten. Das Schalenwild ist mit Damhirsch, Rothirsch, Reh und Schwarzwild vertreten. In den Kreideriffs brüten und horsten Seeschwalben und die äußerst seltenen Seeadler.
Auf der Halbinsel Jasmund gedeiht das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet an der Ostseeküste. An feuchteren Stellen wachsen statt der Buchen Erlen und Eschen. Die bewaldeten Steilhänge der Küste werden von Ahorn und Ulme sowie seltenen Wildobstgehölzen dominiert. In den Mooren sind charakteristische Vertreter wie Wollgräser, Sonnentau, Riesenschachtelhalm und seltene Moose beheimatet. Eine Besonderheit bildet die Salzvegetation der nördlichen Blockstrände, an denen Salz-Binse, Salzmiere und Strand-Tausendgüldenkraut zu finden sind.

Nutzung

Um die Natur und Landschaft des Nationalparks Jasmund vor weiteren Belastungen durch Übernutzung und Zersiedlung zu bewahren, wurde das Gebiet großräumig geschützt. Eine wirtschaftliche Nutzung ist demzufolge nahezu ausgeschlossen. Dennoch soll der Bereich für die Menschen im Rahmen des nachhaltigen Fremdenverkehrs zugänglich bleiben, aber gleichzeitig sollen die natürlichen Prozesse weitestgehend geschützt werden. Als besondere touristische Attraktivität gilt der berühmte Königsstuhl, welcher der höchste Felsen der bis zu 117 m hohen Kreideküste ist. Um den Nationalpark für das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern stärker in Wert zu setzen, wurde 2004 das Nationalpark-Zentrum "Königsstuhl" eröffnet. Ziel ist es, den Gästen einen unterhaltsamen Tag bei jedem Wetter zu garantieren. Auf 2.000 qm Ausstellungsfläche und 28.000 qm Außengelände werden daher vielfältige Angebote bereitgehalten. Dazu gehören eine Erlebnisausstellung, Multivisionskino, Naturerlebnisgelände und Sonderausstellungen. Vom Besucherzentrum werden Wanderungen angeboten. Darüber hinaus können auch moderne Tagungs- und Konferenzräume angemietet werden. 2005 wurde mit 310.000 Gästen ein erster Besucherrekord verkündet. Neben dem Nationalpark-Zentrum sind weite Teile des Parks durch Wander- und Radwege erschlossen.


Im Kontext:
Infoblatt Nationalparks in Deutschland



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