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Infoblatt Nationalpark Harz


Überblick zum Nationalpark

Die Landtage von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt machten Ende 2005 mit der Verabschiedung weitgehend gleich lautender Gesetze den Weg für einen länderübergreifenden Nationalpark Harz ab dem 1. Januar 2006 frei.
Gründungsjahre: 1994 (Niedersachsen), 1990 (Sachsen-Anhalt)
Größe: 24.703 ha
IUCN-Kategorie: II
Bundesland: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Geographische Lage: Gebiet um den Brocken, höchster Berg des Harzes
Zielbahnhof: Bad Harzburg, Herzberg bzw. Scharzfeld, Brocken oder Wernigerode

Naturraum und Ökosystem

Durch die klimatischen Gegebenheiten in den Hochlagen bedingt, unterscheidet sich der Naturraum des Harzer Nationalparks von den anderen Mittelgebirgen. So herrscht hier ein raues Klima mit hohen Niederschlägen und großen Windgeschwindigkeiten. Die relativ niedrigen Durchschnittstemperaturen und die vielfältige Geologie des Harzes haben Naturräume mit herausragender Bedeutung für den Naturschutz entstehen lassen. Auf engem Raum wechseln sich ausgedehnte naturnahe Bergfichtenwälder, kleinflächige Schluchtwälder, große Buchenwaldkomplexe, für Europa einzigartige Hochmoore, zahlreiche Fließgewässer, Felsen und Blockhalden ab. In den einzelnen Lebensräumen auf den unterschiedlichen Höhenstufen haben sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten an die schwierigen Standortbedingungen angepasst.
Die jahrhundertlange Nutzung des Menschen hat im Nationalpark Harz ebenfalls entsprechende Auswirkungen gehabt. Bergbau, Land- und Forstwirtschaft, Torfabbau und Wasserwirtschaft sowie Siedlungstätigkeiten und Tourismus haben die ursprünglichen Lebensräume beeinflusst. Die wertvollen Reste der einstigen Wildnis sollen nun durch die Schutzmaßnahmen erneut sich selbst überlassen werden.
Charakteristisch für den Hochharz ist die subalpine Zwergstrauchheide, die auf der von Natur aus baumfreien Brockenkuppe wächst. Eine Höhendifferenz von rund 900 m im Nationalpark und die damit verbundenen klimatischen Unterschiede führen zu einer zonalen Verbreitung der Waldgesellschaften auf kurzer Strecke. Von den waldfeindlichen Strauchheiden im Gipfelbereich hin zu hochmontanen Fichtenwäldern folgen in den unteren Höhenbereichen Misch- und Buchenwälder. Durch die forstwirtschaftliche Begünstigung des Fichtenanbaus sind jedoch meist nur reine Fichtenbestände im Nationalpark vorhanden. Nach dem Ende dieser Maßnahmen vollzieht sich die Entwicklung der Waldgesellschaften wieder gemäß ihres natürlichen Rhythmus. Hier können Bäume altern und vor Ort zerfallen. Weitere azonale Ökosysteme wie Moore und Blockhalden sind im Harzgebirge ebenfalls anzutreffen.

Fauna und Flora

1999 wurde die Wiederansiedlung des Luchses im größten Waldnationalpark Deutschlands beschlossen. Seit fast zweihundert Jahren ist der Luchs im Harz und in ganz Mitteleuropa ausgerottet. Mit diesem Projekt soll der Luchs in seinem einstigen Verbreitungsgebiet im Harz wiederangesiedelt werden. In einem Freigehege werden die Katzen zunächst an ihre neue Umwelt gewöhnt, bevor sie nach wenigen Monaten ausgewildert werden. Jedes Jahr sollen drei bis fünf Tiere in die Wildnis entlassen werden. Neben den Luchsen sind im Harzer Nationalpark Säugetierarten wie beispielsweise Rothirsche, Rehe und Wildschweine sowie die äußerst seltene Wildkatze anzutreffen. Die Vogelwelt wird durch Arten wie Schwarzspecht, Ringdrossel und Zaunkönig vertreten. Ähnlich wie der Luchs wurde das bereits ausgestorbene Auerhuhn seit den 1970er Jahren im Harz wieder ausgewildert. Heute ist das Auerhuhn in den Hochlagen des Harzes wieder Brutvogel.
In den weiten Hochmoorflächen sind Torfmoose weit verbreitet. Nur wenige höhere Pflanzenarten können in Gemeinschaft mit den Torfmoosen auf Hochmoorstandorten existieren. Dazu gehört beispielsweise der charakteristische Sonnentau, der mit seinen von Drüsenhaaren besetzten Blättern in der Lage ist, Insekten zu fangen und aufzunehmen. Aber auch einige Zwergsträucher wie Heidel- und Preiselbeere und das Seidige Wollgras wachsen im Hochmoor. In den Hochlagen sind natürliche Fichtenwälder verbreitet, die fast übergangslos in Buchenbestände übergehen. Die ehemalige typische Buchen-Fichten-Mischwaldzone ist bis auf Restbestände durch Fichten ersetzt worden.

Nutzung

Im Harzer Nationalpark sind nur wenige Möglichkeiten der wirtschaftlichen Nutzung gegeben. Erlaubt ist in einem gewissen Rahmen nachhaltiger Fremdenverkehr. Touristen können in den angrenzenden Nationalparkregionen z. B. in über 20 Erlebnisbergwerken die 2.000 Jahre alte Geschichte des Bergbaus im Harz kennen lernen. Ein ausgebautes Wegenetz kann zum Radfahren, Wandern und im Winter zum Skilaufen genutzt werden. Weiterhin sind Fahrten mit der dampfbetriebenen "Brockenbahn" möglich.
Eine Reihe von Nationalparkhäusern, unter anderem das Brockenhaus, gewähren einen vertiefenden Einblick in die Vielfalt des Nationalpark Harz.
Eine weitere Besonderheit ist der über 100 Jahre alte Brockengarten. Dieser wurde als "Versuchsgarten" angelegt, um die klimatologischen und vegetationskundlichen Eigenheiten des Brocken wissenschaftlich zu erkunden. Im Laufe seines Bestehens erlebte der Brocken eine wechselvolle Geschichte. Ab 1971 verblieb der Garten gar ohne jegliche gärtnerische Pflegemaßnahmen. Erst 1990 wurde mit einer Rekultivierung begonnen. Heute dient der Brockengarten der wissenschaftlichen Forschung und als Bildungseinrichtung für Schüler und Urlauber.


Im Kontext:
Infoblatt Nationalparks in Deutschland



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