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Infoblatt Yellowstone-Nationalpark


Weltweit ältester und größter Nationalpark in den USA

Geographische Einordnung

Der Yellowstone-Nationalpark befindet sich im Nordwesten der USA. Fast die gesamte Fläche des Nationalparks liegt im Bundesstaat Wyoming, geringen Anteil haben noch die Staaten Montana und Idaho. Das Naturreservat nimmt eine Fläche von 8.987 km² ein. Von Nord nach Süd beträgt die Länge 102 km und von West nach Ost 87 km. Im Wesentlichen wird das Schutzgebiet durch die Höhenzüge der mittleren Rocky Mountains bestimmt. Der höchste Punkt ist der Eagle Peak mit 3.462 m und die niedrigste Stelle liegt im Reese Creek bei 1.610 m. Aufgrund der Einzigartigkeit des Naturraumes erhielt der Yellowstone-Nationalpark Ende der 1970er Jahre den Status als Internationales Biosphärenreservat und als UNESCO-Welterbe. Namensgeber für den Park ist der vom Yellowstone River ausgewaschene Grand Canyon of the Yellowstone mit seinen gelben Felsen.

Naturraum und Ökosystem

Der Yellowstone Nationalpark ist eine Caldera (kraterähnliche Vertiefung vulkanischen Ursprungs). Die Yellowstone-Caldera zählt zu den größten bekannten Calderen weltweit. Bis heute gilt der Yellowstone als aktiver Vulkan. Typische Erscheinungen in dem vulkanischen Gebiet sind heiße Quellen, Schlammtöpfe, Geysire und über 2.000 Erdbeben jährlich. Im Naturreservat gibt es mehr als 300 Geysire. Besonders bekannt und bei Touristen beliebt sind der Old Faithfull Geysir und der Steamboat Geysir. Neben den vulkanischen Erscheinungen wird der Naturraum des Hochplateaus ferner durch zahlreiche Gewässer geprägt. Der für die Höhe erstaunlich große Yellowstone Lake, die großen Wasserfälle des Yellowstone Rivers, tiefe Täler und Canyons, viele kleine Seen und forellenreiche Flüsse machen den Nationalpark zu einem einzigartigen Naturraum für eine mannigfaltige Fauna und Flora.

Fauna und Flora

Insgesamt gibt es im Nationalpark mehr als 1.700 bekannte einheimische Pflanzen- und 186 Flechtenarten. Einige Pflanzen gibt es nur in diesem Naturreservat. Die heißen Quellen beeinflussen die Vegetation in verschiedener Hinsicht. So sterben Bäume, die mit dem silikathaltigen, heißen Wasser in Berührung kommen, ab. Dagegen profitieren andere Pflanzenarten durch die Nähe zu den heißen Quellen. Im Winter wird das Wachstum an den schneefreien Quellen kaum unterbrochen. Mehr als 80 % der Nationalparkfläche werden jedoch durch Nadelwald eingenommen. Die restlichen Flächen bestehen aus Wiesen (15 %) oder Wasser (5 %). Der Nadelwald wird hauptsächlich durch die Engelmann-Fichte, in tieferen Lagen durch die Douglasie und in höheren Lagen durch weißstämmige Kiefern dominiert. 2005 fanden Wissenschaftler in der Nähe von Mammoth Hot Springs noch lebende rund 1.500 Jahre alte Wacholder-Bäume und in den Absaroka-Bergen eine beinahe 2.000 Jahre alte Kiefer. Im Jahr 1988 wüteten schwere Brände im Nationalpark. Mehr als ein Drittel der Waldfläche wurden durch die Feuer vernichtet. Es wurde festgestellt, dass Brände wichtige Elemente für die Entwicklung des Ökosystems Wald darstellen. Waldbrände übernehmen gewissermaßen eine Reinigungsfunktion. Jahrzehntelang wurden Waldbrände möglichst unterbunden, aber mittlerweile überlässt man die Wälder den Flammen. Auf den verbrannten Flächen erholt sich die Natur erstaunlich schnell und zeigt sich später teilweise sogar üppiger als nicht betroffene Flächen. Deswegen werden heute sogar manchmal Feuer künstlich gelegt und natürliche Brände nur überwacht.
Im Yellowstone-Nationalpark sind auch zahlreiche seltene Tierarten zu finden. Vertreten sind große Säugetiere wie Bisons, Gabelböcke, Maultierhirsche, Pumas, Luchse, Dickhornschafe, Bergziegen, Elche und Waipitis (größere Unterart des Rothirsches). Außerdem sind noch Streifenhörnchen, Eichhörnchen, Dachse, Biber, Murmeltiere, Stachelschweine und Bisamratten zu finden, um nur einige weitere Säugetierarten (insgesamt über 50 Arten) zu nennen. Im Hinterland des Naturreservates sind Grizzly- und Schwarzbären, Wölfe und Kojoten beheimatet. Die Population der Grizzly- und Schwarzbären wird gegenwärtig auf 350 - 400 bzw. 500 - 600 geschätzt. In den 1970er Jahren galten die Bären noch als beliebtes Fotomotiv. Die Raubtiere gewöhnten sich aber an die Besucher und deren Abfälle an den Picknickstellen. Um die unnatürliche Abhängigkeit der Bären zu verhindern, wurde ein totales Fütterungsverbot erteilt, bärensichere Abfalleimer aufgestellt und Merkblätter an die Touristen verteilt. Grizzlybären sind heute nur noch im Hinterland des Nationalparks beheimatet und somit selten zu beobachten. In den 1930er Jahren wurde der Wolf im Yellowstone-Nationalpark ausgerottet. Bis 1994 gab es keine Wölfe mehr, Mitte der 1990er Jahre wurde dann jedoch ein gutes Dutzend kanadischer Wölfe angesiedelt. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Nachkommen. Schafzüchter rund um den Nationalpark befürchten allerdings, dass die Wölfe vermehrt Schafe reißen.
Offiziell sind 18 Fischarten im Nationalpark bekannt. Bei Anglern sind die Yellowstone-Cutthroat-Forellen, welche ausschließlich im Yellowstone-Nationalpark vorkommen, besonders beliebt. Weiterhin wurden mehr als 300 Vogelarten beobachtet. Zu den seltenen Arten gehören u. a. Fischadler, Trompeterschwäne, Pelikane, Adler und Kanadagänse. Aufgrund des relativ kühlen und trockenen Klimas ist die Zahl der Amphibien- und Reptilienarten sehr beschränkt.

Nutzung

Für Nationalparks bestehen immer Konflikte zwischen dem Schutz der Natur und möglicher Nutzungen durch den Menschen. Zum einen sind Nationalparks wichtige Rückzugsgebiete für seltene Tiere und Pflanzen und andererseits möchten sich Menschen in dem geschützten Gebiet erholen. Da man aber nur schützt, was man kennt, sind in Nationalparks Besucher trotzdem willkommen. Damit sollen die Schätze der Natur den Menschen zugänglich bleiben und die Gäste die Bedeutung von Schutzgebieten erkennen. In weniger sensiblen Bereichen sind deshalb menschliche Aktivitäten und Nutzungen in einem gewissen Maß gestattet. So auch im Yellowstone-Nationalpark, der ein bedeutendes Fremdenverkehrsziel in den USA darstellt. Jährlich besuchen ca. 2,9 Mio. Touristen den Nationalpark. Die touristischen Highlights sind der Grand Canyon of the Yellowstone (ca. 400 m tiefe Schlucht), die besagten Geysire Old Faithful und Steamboat, der Tower Fall (Wasserfall des Tower-Creeks) und der Yellowstone River sowie der Yellowstone Lake. In verschiedenen kleinen Ortschaften können die Touristen in Hotels, Hütten oder Zelten übernachten. Auf markierten Wegen können sich Wanderer und Radfahrer austoben. In den schneereichen Wintern ist Skilanglauf sehr populär. Außerdem werden verschiedene geführte Touren angeboten, z. B. den Nationalpark auf dem Rücken eines Pferdes zu erkunden, zu geeigneten Angelplätzen oder als Fotosafari für das perfekte Naturbild. Der Nationalpark ist auch ein wichtiger Arbeitgeber. So sind während der Hochsaison ungefähr 800 Beschäftigte unmittelbar für den Nationalpark tätig. Etwa 3.500 Mitarbeiter werden außerdem durch Konzessionsnehmer (z. B. Restaurants, Tankstellen etc.) saisonal beschäftigt.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.04.2007


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