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Infoblatt Artensterben und Artenschutz


Die tropischen Regenwälder beherbergen eine gigantische Artenzahl. (Leicht)

Dieser Beitrag informiert über das globale
Problem des Artensterbens und über wichtige Instrumente im Kampf gegen
den Verlust von Biodiversität wie z. B. das Washingtoner
Artenschutzabkommen.

Artensterben ist ein natürlicher Bestandteil der Evolution, aber durch anthropogene Einflüsse steigt das Tempo exponentiell: Nach Schätzungen starb 200 Millionen Jahre lang durchschnittlich etwa eine Art pro Jahr aus, seit 1970 geht man davon aus, dass sich diese Zeitspanne auf einen Tag verkürzt hat. Seit 1985 betrage diese Rate eine Art pro Stunde, seit 2000 gar eine Art pro 30 Minuten. Der WWF rechnet sogar mit dem Aussterben von 70 Arten pro Tag, also dem Verschwinden von 25.000 Tier- und Pflanzenarten jedes Jahr! Obwohl nicht geklärt ist, wie viele Arten überhaupt auf der Erde leben (Schätzungen reichen von drei bis über 30 Millionen), sind diese Zahlen alarmierend. Die Internationale Naturschutz-Union (IUCN) hält die momentane Rate der Artvernichtung für 1.000- bis 10.000-mal höher, als sie unter natürlichen Bedingungen ohne menschlichen Einfluss zu erwarten wäre.
Eine Kompensation durch die Entstehung neuer Arten ist wegen der Geschwindigkeit der Zerstörung wertvoller Lebensräume nicht denkbar; eine geringere Biodiversität ist somit eindeutiges Ergebnis dieser Entwicklung. Selbst konservative Schätzungen gehen davon aus, dass das Aussterben einer Pflanzenart das Aussterben von durchschnittlich 30 Tierarten nach sich zieht.
Einige Hauptursachen dieser Entwicklung sind:

  • Das flächendeckende Auslöschen von Populationen und Vernichten von Lebensräumen und Lebensgrundlagen. Hierzu zählt auch die Bedrohung durch die direkte Jagd von Tieren und die Entnahme von Pflanzen aus der Natur.
  • Das Einbringen gebietsfremder Tiere und Pflanzen, welche die ursprüngliche Artengemeinschaft im schlimmsten Fall völlig verdrängen können.
  • Die Verinselung von Lebensräumen. Nur ein geringer Teil der Pflanzen- und Wirbeltierarten kann auch nur kurze Distanzen zwischen verinselten Wäldern überwinden, die Entfernung zwischen Waldinseln verhindert zudem eine Überbrückung durch Bestäuber.
  • Die Dezimierung und damit langfristige genetische Erosion von Populationen. So werden z. B. beim selektiven Nutzholzeinschlag nur besonders kräftige und gesunde Stämme aus dem Genpool entfernt, schwächere Bäume bleiben zurück und geben ihr Genmaterial an die nächste Baumgeneration weiter.
  • Das Aussterben von Schlüsseltieren. Beispielsweise wirkt sich das Verschwinden von Bestäubern direkt auf die Reproduktionsrate von Pflanzen aus.

Artenreichtum der tropischen Regenwälder

Die Tropen beherbergen 50 - 75 %, nach manchen Schätzungen sogar 90 % aller Arten. In der 7,3 km² großen Forschungsstation La Selva in Costa Rica gibt es beispielsweise mehr Vogel-, Amphibien- und Säugetierarten als in ganz Deutschland, darunter ein hoher Anteil endemischer Arten. Grundlage für den Artenreichtum in den Tropen ist das seit Millionen von Jahren unveränderte Klima dieser Region, welches die ungestörte Entwicklung einer solchen Artenvielfalt erlaubte.
Tropenwälder brauchen selbst nach nur leichter Schädigung Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte, um sich zu "erholen"; die Regeneration von Primärwäldern kann 150 - 1.000 Jahre dauern. Das zerstörte Klimax-Stadium ökologischer Systeme ist nicht durch einfache Aufforstung und Sanierungsmaßnahmen wiederherzustellen, kein aufgeforsteter Sekundärwald (anthropogen geschaffen) kann die tropischen Primärwälder ersetzen, der Verlust biologischer Vielfalt ist unwiederbringlich.
Die seit Jahrzehnten andauernde Vernichtung großer Regenwaldareale hat daher katastrophale Auswirkungen auf die Artenvielfalt der Region, viele Arten sterben aus, ohne dass der Mensch je von ihrer bloßen Existenz wusste!
Der Schutz so genannter "hot spots" ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen den Verlust an Biodiversität. So konzentrieren sich auf lediglich 1,4 % der Landfläche, zumeist in den Tropen und Subtropen, 44 % aller bekannten Arten von Gefäßpflanzen sowie 35 % aller registrierten Wirbeltierarten. Durch konsequenten Schutz dieser Lebensräume könnte mit relativ geringen Mitteln eine große Artenzahl bewahrt werden.
Um das weltweite Artensterben einzudämmen, reicht es heute nicht mehr, allein Schutzgebiete einzurichten. Moderne Artenschutzkonzepte müssen den Menschen mit einbeziehen. In vielen Teilen der Erde sind Menschen auf eine Nutzung von Tier- und Pflanzenarten angewiesen. Dort ist es dann erforderlich, den Schutz der Natur mit deren Nutzung zu verbinden, nach dem Motto: Artenschutz aus Eigennutz. Allerdings sind viele Tier- und Pflanzenarten heute schon dermaßen bedroht, dass deren Nutzung ausgeschlossen werden muss, um sie zu retten.

CITES

CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ist in Deutschland eher als "Washingtoner Artenschutzabkommen" bekannt. Dieses Abkommen verfolgt das Ziel, den internationalen Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen, der pro Jahr einen Umsatz von mehr als 200 Milliarden US-$ erreicht, zu regulieren. Es wurde am 3. März 1973 beschlossen und bisher von derzeit 175 Staaten unterzeichnet. In Deutschland ist es seit dem 20. Juni 1976 in Kraft. CITES beschränkt und kontrolliert den internationalen Handel mit Exemplaren, Teilen oder Produkten von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Das Instrument dazu sind Ein- und Ausfuhrbestimmungen. Derzeit umfasst das Abkommen gut 5.000 Tier- und 28.000 Pflanzenarten, deren jeweiliger Schutzstatus in drei Anhängen festgelegt wird:

  • Anhang I listet diejenigen Arten auf, die direkt vom Aussterben bedroht sind. Für sie gilt ein absolutes Handelsverbot. Für wissenschaftliche Zwecke können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.
  • Anhang II enthält Arten, die gefährdet sind und ohne Einschränkung und strikte Kontrolle des Handels ausgerottet werden könnten, obwohl die Bestände eine wirtschaftliche Nutzung noch zulassen.
  • Anhang III enthält Arten, die wenigstens ein Ursprungsland schützen will, aber ohne Mithilfe nicht in der Lage ist, den internationalen Handel zu kontrollieren.

Die Delegationen der Unterzeichnerstaaten treffen sich alle zweieinhalb Jahre, um über Aufnahme, Herausnahme oder Umgruppierung von Arten in einen anderen Schutzstatus, über Kontrollmaßnahmen und Auswirkungen ihrer früheren Entscheidungen zu diskutieren.

Rote Listen

Rote Listen sind Verzeichnisse ausgestorbener, verschollener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften sowie Biotoptypen und Biotopkomplexe. Sie sind wissenschaftliche Fachgutachten, in denen der Gefährdungsstatus für einen bestimmten Bezugsraum dargestellt ist. In Deutschland sind vor allem die Roten Listen des Bundes und der Bundesländer von Bedeutung, die in der Regel von den Naturschutzverwaltungen erarbeitet bzw. herausgegeben werden. Von insgesamt ca. 45.000 in Deutschland heimischen Tierarten sind beispielsweise mehr als 16.000 Arten (35 %) hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet worden, lediglich 51 % galten nach der Untersuchung als ungefährdet.
Von internationaler Bedeutung und Grundlage nationaler Naturschutzkonzepte ist die von der IUCN herausgegebene und jährlich aktualisierte Liste der weltweit bedrohten Arten.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sebastian Siebert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011


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