Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Mont Saint Michel


Mont St. Michel (Fischer)

Probleme und Lösungsansätze

Der Mont Saint Michel ist eine 78 m hohe und ca. 1 km breite Granitinsel, die vor der französischen Küste der Normandie an der Grenze zur Bretagne liegt. Die Insel befindet sich mitten im Watt an der Flussmündung des Cousenon. Angeblich gab der Erzengel Gabriel persönlich im Jahre 708 den Befehl zum Bau eines Klosters auf dem Felsen. Noch heute leben und arbeiten hier Benediktinermönche und -schwestern. Jährlich wird das Kloster von ca. 3,5 Mio. Touristen und Pilgern besucht. Der Berg und seine Bucht gehören seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Früher war Mont Saint Michel nur bei Ebbe trockenen Fußes erreichbar. Heute ist die Insel durch einen befahrbaren Damm mit dem Festland verbunden und durch die zunehmende Versandung der Bucht von Mont-St.-Michel nur zu Zeiten des Springhochwassers komplett von Wasser umgeben. Die Gezeitenkräfte sind in der Gegend um den Berg sehr hoch. Das Wasser kommt mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s. Der Tidenhub liegt bei 14 m. Auch heute noch ist der 7 km lange Weg von der Küste über das Watt zum Kloster bei Ebbe aufgrund von Treibsanden und der schnell kommenden Flut gefährlich.

Das Problem


Blick vom Mont St. Michel auf den Damm (Fischer)

Die Ursache für die Versandung ist der Damm, der im Jahr 1879 errichtet wurde. Die natürlichen Strömungen, die normalerweise parallel zur Küste den Transport des Sandes übernehmen, werden vom Damm unterbrochen. Sande lagern sich ab. In der Bucht wachsen kleine Flecken von Salzwiesen heran, die weiteren Sand festhalten. Hinzu kommt die verlandende Wirkung der Polder, die an der Küste angelegt wurden. Um neues Land zu gewinnen wurden weite Küstenstreifen trocken gelegt und eingedeicht. So wächst die Bucht auch langsam von der Landseite zu, während von der Meerseite mehr und mehr Sedimente hereingetragen werden. Die besonders starken Springfluten, die normalerweise mit ihrer starken Strömung die Bucht von der Sedimentfracht befreien, können durch den Damm und die Polder nicht mehr in ihrem ursprünglichen Sinne wirken.
Um eine vollständige Verlandung der Bucht zu vermeiden, wurden mehrere Möglichkeiten zur Renaturierung des Watt rund um den Mont St. Michel in Erwägung gezogen. Dabei galt es zu beachten, dass die hohe Zahl von Touristen und Pilgern auch weiterhin auf die Insel gelangen kann.

Die Lösung

Das französische Ingenieurbüro Sogreah entwickelte dabei eine elegante Lösung, wie der Mont Saint Michel wieder in seine malerische Insellage zurückgeführt werden kann und löste gleichzeitig das Problem der Touristenströme, die jeden Tag die Insel besuchen.
Der alte Damm wird entfernt und durch eine Brücke mit einer Fahrbahn und einem breiten Fußgängerbereich auf Stelzen ersetzt, die der Strömung kaum Widerstand entgegensetzt. Die Brücke wird durch ihre filigrane Bauweise von weitem fast unsichtbar sein.
Die Mündung des Flusses Cousenon erhält ein Stauwehr, das den Fluss bei Hochwasser abschließt. Die Sedimente des Meeres können so nicht in die Mündung eindringen. Vielmehr wird bei Ebbe das Wehr geöffnet und das während der Flut zurückgehaltene Wasser ergießt sich in die Bucht. Man erhofft sich, dass das schnell abfließende Flusswasser bei jeder Ebbe ca. 5 Mio. m³ Sand aus der Bucht spült. So sollen schon zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten die Hälfte der Ablagerungen verschwunden sein. Spätestens im Jahr 2018 soll die Bucht des Mont Saint Michel dann wieder so aussehen wie zur Zeit der Klostergründung. Die Insel wird dann wieder zweimal am Tag vom Meer umschlossen sein.
Parallel zu diesen Maßnahmen wird der gesamte Individualverkehr aus der Nähe des Saint Michel verbannt. Zukünftig müssen alle Autos und Busse auf großen, extra eingerichteten Parkplätzen auf dem Festland parken. Die Besucher können dann die letzten Kilometer zu Fuß über den Damm oder mittels eines neu einzurichtenden Pendelbussystems zurücklegen. Lediglich Versorgungsfahrzeuge dürfen dann noch zu bestimmten Zeiten die Insel anfahren. Soweit der Plan. Insgesamt wird das Projekt das Land Frankreich 164 Millionen Euro Kosten. Es wurde im Juni 2006 in Gang gesetzt und wird mindestens 6 Jahre dauern.
Im Zentrum der Bauarbeiten stand bis 2008 der Bau eines Gezeitendamms an der Mündung des Flusses Couesnon. Die Sperre lässt bei Flut Meerwasser in das Flussbett fließen, das dann bei Ebbe durch Öffnen mit gehörigem Druck wieder abgelassen wird und Sand und Sedimente aus der Bucht tragen soll. Bis Ende 2012 soll der bisherige Damm, auf dem eine Straße den Mont Saint-Michel mit dem Festland verbindet, durch eine 1 km lange Stelzenbrücke ersetzt werden. All dies soll dazu beitragen, dass das Wasser besser aus der Bucht ablaufen kann.
Nach rund zehn Jahren soll sich der Wasserstand in der Bucht damit um rund 70 Zentimeter erhöhen und der Berg wieder eine richtige Insel werden. Während der Bauarbeiten bleibt das Monument geöffnet.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 28.05.2012


Zurück zur Terrasse