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Infoblatt Pamir


Naturräumliche Einordnung, Geologie,
Vegetation, Landnutzung, Politische, wirtschaftliche und soziale
Entwicklung, Ökologische Probleme und Naturreservate

Naturräumliche Einordnung

Als Pamire bezeichnet man die Hochplateaus und hoch reichenden Gebirgsregionen, welche sich mit einer Gesamtausdehnung von 250 x 250 km zu 80 % innerhalb der autonomen Provinz Gorno Badakhshan in Tadschikistan befinden, sich aber zum Teil auch über Afghanistan, China, Kirgistan und Pakistan erstrecken. Eingeschlossen wird das Pamirgebirge von der nordafghanischen Depression im Westen, dem oberen Amu Darya und der Takla Makan im Osten, dem Hindukush und Wakhan im Süden sowie den Tien-Shan-Ketten im Norden. Die Gipfel erreichen Höhen zwischen 4.000 und 7.500 m.
Zu den höchsten Bergen gehören der Kongur (7.719 m), der Mustag Alta (7.546 m), der Pik Somoni (7.495 m) und der Pik Lenin (7.134 m).

Geologie

Nach der tektonischen Hebung werden vier Hauptzonen unterschieden: der Nord-Pamir (hercynisch), der Zentrale Pamir (meso-känozoisch), der Südost-Pamir (permisch bis känozoisch) und der Südwest-Pamir (präkambrisch mit iranischen Gebirgskomplexen). Im Jahr hebt sich das Pamir-Gebirge um 3 bis 4 cm, dies spricht für eine andauernde hohe tektonische Aktivität.
Die Ketten des Pamir verlaufen vorwiegend in O-W-Richtung, einige streichen aber auch Richtung N-S, verbunden mit einer höheren Niederschlagsmenge an der westlichen Abdachung als an der östlichen.
Während der westliche Teil des Pamirs durch scharfe Gratformen und tiefe Zerschluchtungen gekennzeichnet ist, prägen ausgedehnte Hochebenen das Landschaftsbild des Ost-Pamirs.

Vegetation

Aufgrund der landschaftlichen Vielfalt des Pamirgebirges konnte sich ein diverses Vegetationsmosaik herausbilden. Dieses beinhaltet sehr unterschiedliche Vegetationstyen, wie z. B. Waldflecken, Wiesen, Steppen, Salzpflanzen, Xerophile, Gebüsche und Felsspaltenfluren.
Die zonale Vegetation des Pamirgebirges setzt sich folgendermaßen zusammen:

Gebirgswüsten mit Zwergsträuchern (1.700 - 4.200 m)
Gebirgsxerophyten mit Ephemeroiden (3.200 - 4.700 m)
Gebirgssteppen (3.200 - 4.700 m)
Kryophytische Kräuterfluren in großen Höhen (4.100 - 5.000 m)

In den genannten Höhengürteln können azonale Vegetationsflecken wie Auenstandorte, Quellfluren und Gebirgswiesen auftreten.
Offene Wacholderwälder und Gebüschfluren kommen mosaikartig vor und lassen auf eine theoretische Waldgrenze bei etwa 2.800 bis 3.200 m schließen.

Landnutzung

Im westlichen Teil des Pamirs dominiert der Ackerbau als traditionelle Nutzungsform. Dieser ist auf künstliche Bewässerung angewiesen. Während im West-Pamir nur 20 % der Fläche für die extensive Weidewirtschaft genutzt werden, nimmt diese im Ost-Pamir die doppelte Flächengröße ein. Die wichtigste Weidegrundlage für das Vieh ist Ceratoides papposa (auch teresken genannt). Diese Pflanze wird außerdem als Brenn- und Feuerholz genutzt. In der Folge sind heute große Flächen weiträumig "abgeholzt" und bieten verstärkt eine Angriffsfläche für Winderosion.
Weiterhin hat das Pamir-Gebirge eine bedeutende Funktion für den Transitverkehr. Straßen schaffen Verbindungen zur ehemaligen Seidenstraße sowie zwischen China, Turkestan, Afghanistan und führen bis zum Mittelmeer.
Die Gletscher des Gebirges speisen den Fluss Pandj, welcher übergehend in den Amu Daria zum wichtigsten Zufluss des Aralsees wird. Als bedeutender Wasserspeicher ermöglicht der Pamir somit die Bewässerungslandwirtschaft im angrenzenden semiariden Tiefland.

Politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung

Bedingt durch seine Lage kennzeichnen verschiedene Sprachen, Religionen, Bräuche und Kulturdenkmäler den Pamir. Ohne Rücksicht auf traditionelle Herrschaftsgebiete wurden im Jahr 1895 die heutigen Grenzen zwischen den chinesischen, englischen und russischen Einflussgebieten gezogen.
Durch den sowjetischen Einfluss wurde die in der Pamir-Region traditionell dominierende, Subsistenzwirtschaft von einem arbeitsteiligem Wirtschaftsgefüge abgelöst. Neben der Verstaatlichung und dem Umbau der Landwirtschaft bildeten sich ein Gewerbe- und Industriesektor sowie in geringerem Umfang ein Dienstleistungssektor heraus. Wegen der wichtigen strategischen Funktion für die Sowjetunion erhielt die Region Gorno Badakshan, welche einen Großteil des Tadschikischen Pamirs umfasst, im Jahr 1932 beschränkte Autonomie. In Folge dessen wurde das kaum entwickelte Gebiet stark gefördert, dazu gehörten u. a. die Verbilligung von Gütern des täglichen Gebrauchs und der Aufbau von Infrastruktur. Aufgrund der verbesserten Bedingungen kam es zu einer Bevölkerungszunahme von 56.000 Bewohnern im Jahr 1926 auf etwa 220.000 im Jahr 2000.
Mit dem Anfang der 1990er Jahre einsetzenden Transformationsprozess kam es zu einer starken Abschwächung der Wirtschaftskraft, hauptsächlich verursacht durch den Wegfall der sowjetischen Transferzahlungen. Eine Vielzahl von Arbeitsplätzen ging verloren. Die zentral organisierten Betriebe wurden wieder von einer diversifizierten und arbeitsintensiven Subsistenzwirtschaft auf Haushaltsebene abgelöst, welche den Haushalten oft kein genügendes Auskommen bieten kann. Dazu kamen Flüchtlingswellen aus anderen Regionen Tadschikistans. Dies alles führte die Bergregion Gorno Badakshan an den Rand einer humanitären Krise. Bis heute ist sie von externer Hilfe abhängig, die einzelnen Haushalte sind auf Unterstützung und Nahrungsmittellieferungen angewiesen.
Zuwendungen in Form von Entwicklungshilfe und Geldüberweisungen von im Ausland lebenden Pamiris übersteigen das staatliche Budget. Durch Abwanderung der jüngeren und gut ausgebildeten Generationen lebt in der Region eine wachsende Anzahl von Rentnern. Dies bringt eine Schrumpfung der Renten auf ein Minimum mit sich. Der Bildungs- und Gesundheitssektor verliert an Qualität aufgrund der niedrigen Löhne in staatlichen Institutionen und der damit verbundenen Abwanderung von qualifizierten Angestellten. Die durch Hilfsorganisationen aufgebauten Parallelstrukturen verstärken diese Entprofessionalisierung im öffentlichen Sektor.
Neben dem genannten hohen Subsistenzniveau setzen die nur beschränkten landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, fehlende Nebenerwerbsmöglichkeiten, das tiefe Mechanisierungspotenzial, eine aufwendige Bewässerungsinfrastruktur und mangelndes landwirtschaftliches Wissen die Grenzen der Landwirtschaft in der Pamir-Region. Funktionierende (Familien-)Netzwerke, ein hoher Bildungsstand der Pamirischen Bevölkerung und eine überdurchschnittliche Infrastrukturausstattung sind dagegen Vorteile im Wettbewerb gegen andere Berggebiete Zentralasiens.

Ökologische Probleme und Naturreservate

Aufgrund seiner Lage und Klimatologie weist das Pamirgebirge eine sehr spezifische und diversifizierte Naturlandschaft auf. Bereits mit der Einführung der sowjetischen Planwirtschaft nach 1930 begann die Ausbeutung des empfindlichen Ökosystems.
In den letzten 50 Jahren wurden einzelne Wildtierbestände stark dezimiert. Als Gründe dafür werden die fortschreitende Verarmung der Bevölkerung (insbesondere in den 1990er Jahren) und die damit verbundene überlebenswichtige Jagd, aber auch die Jagd nach Trophäen (v. a. Marco Polo-Schaf) angeführt.
Seit dem Wegfall der Subventionen für Kohle und Diesel muss die Bevölkerung der Region Gordon Badakshans mit einem akuten Energiemangel leben. Um die herkömmlichen Energieträger Kohle und Gas zu ersetzen, wurden Waldgebiete abgeholzt, Dünger aus der Landwirtschaft genutzt und Zwergstraucharten zum Heizen und Kochen verwendet.
Aufgrund der langjährigen intensiven Hochweidenutzung verstärkten sich vor allem im Ostpamir die Desertifikationsprozesse. Die fortschreitende Bodenerosion reduziert die Bodenfruchtbarkeit und steht einer Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität im Wege.

Zum Schutz Naturlandschaft gibt es bisher drei Naturreservate im Pamirgebirge:

  • der Bereich um Botanisches Garten bei Khorog (2.360 m)
  • der Bereich um Pamirische Biologische Station im O-Pamir (3.860 m)
  • die Umgebung der Wakhanischen Selektions-Station bei Langar (2.800 m)

1992 wurde der Tadschikische Nationalpark errichtet, welcher große Teile des Nord-Pamirs umfasst. Seit 2000 trägt das Zorkulski-Landschaftsschutzgebiet im Südosten des Pamir zum Schutz der Bergregion bei.

Literatur

Agakhanjanz, O. E.; Breckle, S.-W. (2004): Pamir. – In: Burga, C. A.; Klötzli, F.; Grabherr, G. [Hrsg.] (2004): Gebirge der Erde. Landschaft, Klima, Pflanzenwelt. Stuttgart.
Hurni, H.; Breu, Th.; Ludi, E.; Portner, B. (2004): Der tadschikische Pamir. Entwicklungsprobleme und Perspektiven einer Hochgebirgsregion in Zentralasien. – In: Geographische Rundschau, 56 (2004) Heft 10.
Machatschek, F. (1938): Das Relief der Erde. Versuch einer regionalen Morphologie der Erdoberfläche. Berlin.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Katrin Eilert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.04.2012


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