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Infoblatt Sahelzone


Wasserstelle in der Sahelzone (Schulz)

Definition, Klima, Erscheinungsbild, Maßnahmen

Die Sahelzone

Die Sahelzone liegt am südlichen Rand der Sahara und erstreckt sich vom Atlantik bis zum Roten Meer über eine Länge von ca. 7.000 km und eine Breite von ca. 800 km. Insgesamt besteht sie aus sieben Anrainerstaaten, zu denen der Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, der Tschad und der Sudan zählen. Je nach Informationsquelle werden auch Nigeria, Äthiopien, Gambia und Eritrea hinzugezählt. In ihrem Gebiet verzahnen sich die Wanderwege der Nomaden mit ihren Viehherden und die Hirseanbauflächen der sesshaften Bauern.
Das arabische Wort Sahel heißt Ufer. Für die von Norden nach Süden durch die Sahara ziehenden Karawanen war die Sahelzone mit ihrer vergleichsweise üppigen Vegetation die Uferzone jenseits des Wüstenmeeres. Vom 16. bis 18. Jahrhundert galt der Sahel als ein blühendes Gebiet: Hungersnöte waren unbekannt, die Herden fanden auch in den trockeneren Jahren genügend Nahrung.

Das Klima in der Sahelzone

Heutzutage ist die Sahelregion durch ein sehr labiles Ökosystem mit einer hohen Variabilität der Niederschläge und einer enormen Dürreanfälligkeit gekennzeichnet. Die Schwankungsbreite der Niederschlagsmenge von Jahr zu Jahr beträgt in weiten Gebieten des Sahel um 30 Prozent, vereinzelt können die Abweichungen nach oben und unten bis zu 50 Prozent des Jahresmittels betragen. Oft ist ein Zusammenhang zwischen Jahresmittel der Niederschläge und Maß der Variabilität zu erkennen. Seitdem das Klimageschehen im Sahel beobachtet wird, werden auch Phasen mehrjähriger Dürre festgestellt. Eine eindeutige Periodizität ist noch nicht nachweisbar, wenn auch 2 – 3, 10 – 11 und 26 – 28-jährige Perioden häufig sind. Eine Tendenz zu geringer werdenden Jahresniederschlägen ist allerdings deutlich: Im Westsahel liegen die Werte seit Ende der 60er-Jahre unter dem langjährigen Jahresmittel.
Dabei gehören Dürren zur Natur des Sahel. Mehrjährige Dürren können sich zu Dürrekatastrophen ausweiten, vor allem in Gebieten mit relativ hoher Bevölkerungsdichte, wo dann Wassermangel und Hungersnöte die Bewohner treffen. Auch nach Dürrekatastrophen war das Ökosystem im Sahel nicht nachhaltig gestört, die Vegetation erholte sich und bot die traditionelle Ernährungsgrundlage. Dies hing u. a. mit den traditionellen Nutzungssystemen zusammen, die an die wechselhaften Klimaphasen gut angepasst waren. Denn bei der Feldwechselwirtschaft wurde nur höchstens ein Fünftel des Bodens bewirtschaftet, immer wieder unterbrochen durch mehrjährige Brachephasen. Seit Beginn unseres Jahrhunderts deuten die Berichte von Reisenden an, dass sich die Natur des Gebietes nachhaltig änderte und seit einigen Jahrzehnten weiß man, dass das Ökosystem entscheidend geschädigt wurde: Heute ist der Sahel ein Beispiel für den weltweiten Prozess der Desertifikation.

Erscheinungsbild der Desertifikation

Durch unangepasste landwirtschaftliche Nutzung in der Sahelzone entstand allein in den letzten 50 Jahren ein Verlust von 800.000 km² Weideland. Durch den Bevölkerungsanstieg und den damit gleichzeitig stark erhöhten Bedarf an Nahrungsmitteln begann die Loslösung von den traditionell überlieferten und angepassten Bewirtschaftungsmethoden. Die Nomaden vergrößerten ihren Herdenbestand und die landwirtschaftlichen Nutzflächen der Ackerbauern dehnten sich 200 km weiter in die Sahelzone in Gebiete mit nur noch 250 mm Jahresniederschlag aus. Damit überschritten sie deutlich die zuvor eingehaltene, ökologisch angepasste Trockenzone des Regenfeldbaus bei ca. 500 mm Jahresniederschlag, in der die Pflanzen ihren Wasserbedarf vollständig durch Regenwasser decken können. Diese Umstände führten zu starken Veränderungen innerhalb der Sahelzone und schließlich zur Desertifikation und somit zur Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit.

Gegenmaßnahmen


Durch Steinreihen gesicherte Felder (Krings)

U. a. wesentlich für eine erfolgreiche Durchführung der Projekte zur Bekämpfung der Desertifikation sind sowohl eine ausgeprägte Partizipation der lokalen Akteure sowie darüber hinaus die Anleitung zu Selbsthilfe und Eigeninitiative. Exemplarisch wird dies im Folgenden anhand der von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) betreuten Projekte "Patecore" und "Programme Sahel Burkanbè" in Burkina Faso aufgezeigt.
Als effektive Maßnahme gegen das Fortschreiten der Desertifikation haben sich Erosionsschutzmaßnahmen durch lang gezogene Dämme erwiesen (Projekt "Patecore"). Dabei ging es um die Ressourcen erhaltende Bewirtschaftung des mit 60 Einwohnern/km² am dichtesten besiedelten Gebietes in Burkina Faso, dem Zentralplateau. Durch die steigende Bevölkerungszahl ist dieses Gebiet von einer stetigen Ausdünnung der Vegetationsdecke betroffen, so dass die Getreideerträge innerhalb eines Zeitraums von 50 Jahren von 900 auf 400 kg/ha sanken. Das Unterfangen widmete sich einerseits speziell den technischen Erosionsschutzmaßnahmen (Steinwälle und Erosionsrinnenverbau) zur Rückgewinnung von Anbauflächen. Andererseits sollte die einheimische Bevölkerung eingebunden werden und wurde über kulturtechnische und agroforstliche Maßnahmen zur Rehabilitierung der Bodenfruchtbarkeit beraten. Insgesamt beteiligten sich ca. 300 Dörfer bzw. 90 % aller Gemeinden in den Projektgebieten an dem Projekt. Planung und Durchführung verantworteten die Dörfer selbst, die Männer wie auch Frauen in entsprechende Ausbildungsprogramme entsendeten. Mittlerweile werden die Erosionsschutzmaßnahmen weithin als Notwendigkeit angesehen, so dass diese von einem Großteil der Bevölkerung in ihren jährlichen Arbeitskalender aufgenommen wurden. Ferner stellte die GTZ eigene Transportkapazitäten zur Verfügung, um die notwendigen Materialien zu den Baustellen zu befördern. Nach Einschätzung der GTZ zählt "Patecore" zu einem der erfolgreichsten deutschen Entwicklungshilfeprojekte in Afrika. Im Ergebnis wurden binnen zwölf Jahren seit Projektbeginn im Jahr 1988 60.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche urbar gemacht, von der 40.000 Menschen leben können. Die Effekte des Projekts äußern sich außerdem in folgenden Ergebnissen:

  • nachhaltig abgesicherte Nahrungsproduktion
  • merkliche Reduzierung der Armut
  • weniger Umweltflüchtlinge
  • dichterer Baumbestand und größere Artenvielfalt
  • verbesserte Lebenssituation der Menschen, besonders der Frauen
  • großer Wissenstransfer durch 2.000 geschulte Bauernberater

Das Projekt "Programme Sahel Burkanbè" (PSB) versucht als Moderator und Mediator die verschiedenen Nutzergruppen, sowie ihre Interessen in die Verhandlungen um die gemeinsam genutzten Ressourcen einzubeziehen. Zu den Nutzergruppen zählen Wanderhirten, Agropastoralisten (landwirtschaftende Hirten), sesshafte Ackerbauern, ehemals adelige Gruppen und einstige Abhängige. So sollen Nutzung, Ressourcen und Ernährung gesichert, Kommunikation gefördert und damit Nutzungskonflikte, soziale Spannung, Übernutzung und Bodendegradierung verhindert werden. Beispielsweise sorgte die Überschneidung von Wanderwegen der Nomaden mit den ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzflächen der Ackerbauern zu lokalen Nutzungskonflikten. Jene konnten durch die Aufstellung fester Regeln eingedämmt werden, die von Ackerbauern und Nomaden gleichermaßen akzeptiert wurden. Auch werden zum Beispiel Dornbüsche angepflanzt, die die Schneisen für die Wanderwege markieren, in denen seitens der Ackerbauern nicht gewirtschaftet werden darf. Die organisatorische und technische Umsetzung von Erosionsschutz, Aufforstung und nachhaltiger Viehwirtschaft wird durch spezialisierte Bauern bewerkstelligt, die ihr Wissen zur Verfügung stellen. In Verbindung mit kulturtechnischen Maßnahmen, Dung und verbessertem Saatgut gelingt es, den Ernteertrag bis zu 100 % zu steigern.

Literatur

BENDER, H. U. u. a. (1996): TERRA Landschaftszonen und Stadtökologie. Gotha.
HAMMER, T. (1997): Aufbruch im Sahel. Fallstudien zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung. Hamburg.
HAMMER, T. (2005): Sahel. Gotha.
KÜMMERLE, U. u. N. VON DER RUHREN (1999): Fundamente. Dritte Welt. Entwicklungsräume in den Tropen. Stuttgart.
MOHAMED, O. (1990): Verwüstung. Die Zerstörung von Kulturland am Beispiel des Sudan. Bremen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kristian Uhlenbrock, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2006
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.07.2012


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