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Infoblatt Jermak Timofejewitsch (zwischen 1525 und 1540 - 05.08.1585)


Jermak Timofejewitsch - eine Kurzbiographie

Wie schon an der weit auseinander klaffenden Angabe zu seinem Geburtsjahr ersichtlich, liegt das Leben des Kosaken-Atamans Jermak bis zu dem Zeitpunkt, an dem er sich in die Reihen der großen Entdecker als Eroberer Sibiriens eingliedert, weitestgehend im Dunkeln. Soweit bekannt, kämpfte er unter dem Befehl des Zaren als Kosak gegen polnische Heere. Daran anschließend verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Flusspirat, indem er Schiffe, die unter dem Schutz des Zaren standen, überfiel und plünderte.

Sicher ist allerdings, dass er im Frühjahr 1582 in die Dienste der Familie Stroganov trat. Die vor allem durch Gewinne aus dem Salzgeschäft reich gewordene Kaufmannsfamilie wollte ihre Geschäftstätigkeiten auf das zu diesem Zeitpunkt noch unerschlossene Sibirien ausdehnen, um von den unermesslichen Naturschätzen des weiten Landes zu profitieren. Dabei gerieten sie jedoch in Konflikt mit dem Chanat Sibir und den dort ansässigen Tataren, die unter der Führung Kutschum Khans ab dem Jahre 1571 regelmäßig die Siedlungen der Stroganovs heimsuchten. Um diesem Einhalt zu gebieten, rekrutierten die Stroganovs Kosaken, um so in der Kriegsführung geschulte Verbündete in die anstehenden Konflikte mit den Tataren zu schicken. Als geeigneter Anführer des Expeditionsheeres stach der Ataman Jermak heraus, dem insgesamt etwa 850 Mann für die Unternehmung unterstanden. Die Ausrüstung des Heeres bestand dabei aus den modernsten Waffen, die zu dieser Zeit in Russland vorhanden waren, darunter Musketen und kleinere Kanonen, wofür die Familie Stroganov immense Summen aufwenden musste. Hinzu kam auch noch entsprechende Verpflegung, da an Nachschub in dem unwirtlichen Land jenseits des Urals nicht zu denken war.

Am 01. September 1582 zog das Heer unter Jermak von einem am Fluss Tschussowaja gelegenen Fort mit einer Flottille hochwandiger Flussschiffe gen Sibirien aus. Dabei kamen die Kosaken, die bei der Überquerung des Urals ihre Schiffe teilweise tragen mussten, zügig voran und erreichten nach etwa zwei Monaten die Hauptstadt des Reiches von Kutschum Khan, Isker. Während des Weges wurden sie ständig von den Untertanen und Verbündeten Kutschum Khans attackiert, doch hielten sich die Männer Jermaks nicht lange mit diesen kleinen Scharmützeln auf, da sie die Entscheidung bei Isker suchten. Am 26. Oktober 1582 kam es zu der entscheidenden Schlacht zwischen den Truppen Jermaks und Kutschum Khans, wobei letztere unter dem Befehl Mahmet Kul standen. Die Tataren waren zahlenmäßig zwar weit überlegen, doch hatten sie den Musketen und Kanonen der Kosaken nichts als Pfeile und Speere entgegenzusetzen. So konnte sich Jermak gegen Kutschum Khan durchsetzen und eroberte noch am selben Tag die Hauptstadt Isker. Hier machte er reiche Beute in Form von Gold, Silber, wertvollen Stoffen und Steinen, doch vor allem edlen Pelzen von Zobel, Marder und Silberfuchs. Der Tag, an dem die Hauptstadt des Chanats Sibir fiel, gilt heute zahlreichen Historikern als maßgebliches und entscheidendes Ereignis auf dem Weg Russlands nach Osten und daher als Tag der Eroberung Sibiriens.

Die Beute wurde gemäß der Tradition der Kosaken unter ihnen aufgeteilt, doch sandte Jermak 2.000 Pelze, deren Wert die Kosten für die Ausrüstung des Heeres bei weitem überstieg, als Geschenk dem Zaren zusammen mit einer Urkunde, die diesen darum ersuchte, Sibirien für sich in Besitz zu nehmen. Der Zar seinerseits bestätigte daraufhin die Ansprüche der Stroganovs auf die eroberten Gebiete und gab sich selbst den Titel „Zar von Sibirien“. Außerdem sandte er Jermak zur Unterstützung und zum Schutz der eroberten Gebiete 300 Musketiere, die zudem dringend benötigten Nachschub für die Kosaken mit sich führten.

Jermaks Truppen sahen sich währenddessen häufigen Gefechten mit den Tataren ausgesetzt, die sie zwar größtenteils für sich entscheiden konnten, auf der anderen Seite jedoch das Heer stetig dezimierten. So gewann der Nachschub mit Blick auf die anstehende Überwinterung 1583/84 immer mehr an Bedeutung, doch blieb er aus. Erst im November 1584 erreichten die Musketiere die Kosaken, doch hatten sie den Nachschub auf ihrem Weg entweder aufgebraucht oder verloren. So mussten die Kosaken Jermaks einen harten Winter ohne ausreichende Vorräte durchstehen, der vielen von ihnen das Leben kostete.

Jermak überlebte den Winter und konnte im Sommer 1585 auf Unterstützung durch ein neues Expeditionsheer aus Moskau hoffen. Doch bevor dieses eintraf, überfielen die Tataren am 05. August 1585 das Lager der Kosaken, welche aus Erschöpfung keine Wachen aufgestellt hatten, und erschlugen einen Großteil der Männer. Jermak selbst konnte fliehen, ertrank aber bei dem Versuch auf eines seiner Schiffe zu gelangen. Der Legende nach wurde er vom Gewicht seines Kettenpanzers, der ihm in Anerkennung seiner Verdienste vom Zaren zum Geschenk gemacht worden war, unter Wasser gezogen.

Auch nach dem Tod Jermaks setzten sich die sibirischen Völker erbittert zur Wehr, konnten ein weiteres Vordringen der russischen Eroberer gen Osten jedoch nicht verhindern. So erstreckte sich das russische Reich schon Ende des 17. Jahrhunderts über das komplette sibirische Territorium bis hin zur Pazifikküste. Die dort beheimateten Völker hatten in den folgenden Jahrhunderten horrende Tributleistungen an den Zar zu entrichten.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • vor 1582
    Jermak Timofejewitsch wird zwischen 1525 und 1540 geboren. Er kämpft als Kosak für den Zaren gegen die Polen, plündert jedoch nach dieser Phase Schiffe, die unter dem Schutz des Zaren stehen.

  • Frühjahr 1582
    Jermak tritt mit einem Kosaken-Heer in den Dienst der Kaufmannsfamilie Stroganov, die ihre Geschäftstätigkeit auf sibirisches Gebiet unter Tatarenherrschaft ausdehnen will.

  • 01.09.1582
    Mit einem etwa 850 Mann starken Kosaken-Heer zieht Jermak zur Hauptstadt des Chanats Sibir, Isker, gegen den Tatarenführer Kutschum Khan.

  • 26.10.1582
    Die Kosaken besiegen die Truppen Kutschum Khans, erobern die Stadt Isker und machen reiche Beute. Dieses Datum gilt heute als Tag der Eroberung Sibiriens.

  • 1583 - 1585
    Jermak wird immer wieder in Gefechte verwickelt, aus denen er zwar häufig als Sieger hervorgeht, doch werden seine Truppen stark dezimiert und die Vorräte nähern sich dem Ende.

  • 05.08.1585
    Bei dem Versuch, mit Hilfe eines Bootes einem Überraschungsangriff der Tataren zu entgehen, ertrinkt Jermak Timofejewitsch.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dietmar Wagener, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 03.06.2012


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