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Infoblatt Vitus Bering (1680 - 1741)


Vitus Bering - eine Kurzbiographie

Vitus (Witus) Bering wurde 1680 in Horsens (Dänemark) geboren. 1703 heuerte der dänische Seeoffizier in der neu geschaffenen russischen Flotte des Zaren Peter I. (1672 bis 1725) an. Bering, der nur noch ein einziges Mal nach Dänemark zurückkehrte (1715), ließ sich in Russland nieder und gründete eine Familie. Im Großen Nordischen Krieg (1700 bis 1721) zwischen Russland und Schweden zeichnete er sich aus und wurde zum Kapitän befördert.

Der Petersburger Hof war auf ihn aufmerksam geworden. Peter der Große suchte einen fähigen Mann, der in die bis dahin unbekannten Weiten Sibiriens vorstoßen sollte. Seine Wahl fiel auf Bering, den er 1724 zum Leiter einer Expedition berief, die erkunden sollte, ob es eine Nordost-Passage oder eine Landverbindung zwischen Sibirien und dem nordamerikanischen Kontinent gab. Bereits 1648 hatte der Kosakenführer Simon Denschniew die sibirische Ostspitze umschifft und als Erster die später nach Bering benannte Seestraße durchfahren. 1679 wurde die Halbinsel Kamtschatka entdeckt. Allerdings blieben diese Nachrichten zweifelhaft. Nun wollte der Zar Gewissheit.

Als die 34-köpfige erste Kamtschatka-Expedition 1725 Petersburg verließ, lebte Peter I. nicht mehr. Vor Bering und seinen Männern lagen bis zur fernen Ostküste mehr als 6.000 Kilometer Landweg, der über Berge, endlose Steppen, riesige Flüsse und Seen und durch grundlose Sümpfe führte. Der strapazenreiche Marsch dauerte zwei Jahre. Dann endlich war Ochotsk erreicht, wo ein kleines Schiff gebaut werden konnte, mit dem Bering nach Kamtschatka übersetzte. Er durchquerte die Halbinsel, um zur Pazifikküste zu gelangen. Dort ließ er 1728 das Expeditionsschiff St. Gabriel bauen, mit dem der Vorstoß in Richtung Norden gewagt wurde.

Am 14. Juli 1728 stach Bering in See. Er segelte vier Wochen bei dichtem Nebel, Regen und starken Winden an der Ostküste Sibiriens entlang nordwärts und fuhr am 13. August durch die Meerenge zwischen Amerika und Asien. Bering entdeckte die Kurilen, die Kommandoren (Komandeursinseln) und die Aleuten. Das aber waren Inseln, von einer Landverbindung zwischen Asien und Amerika fand sich dagegen keine Spur. Als das Schiff bei 67 Grad nördlicher Breite über den Polarkreis hinaus war, gab Bering den Befehl zur Rückkehr. Für Bering stand fest, dass Amerika und Asien zwei voneinander getrennte Kontinente waren.

Auch auf der Rückfahrt erschwerte dichter Nebel die Sicht. So sah die Expedition die nahe amerikanische Küste nicht, die Bering nach einer Überwinterung noch einmal zu erreichen versuchte. Doch wieder verhinderte schlechtes Wetter die Fahrt. Bering kehrte nach Petersburg zurück, wo seine Entdeckungen heftig bezweifelt wurden. Er konnte die Zweifel nicht ausräumen, denn seine Expedition hatte nur den logischen, nicht aber den positiven Beweis einer möglichen Nordostpassage geliefert.

Trotz aller Angriffe und Zweifel war Bering jetzt der bekannteste Forscher Russlands. Einem solchen Mann vertraute man auch die Leitung der zweiten Kamtschatka-Expedition (1733 - 1743) an, die alle bis dahin bekannten Dimensionen von Forschungsreisen sprengte. Bering unterstanden insgesamt 10.000 Mann. Sie waren in eine Reihe von Einzelexpeditionen aufgeteilt und sollten die nördlichen Küsten Sibiriens und des Pazifiks vermessen sowie die Weiten Nordostsibiriens wissenschaftlich untersuchen. Bering hatte den Auftrag, die westliche Seite Amerikas zu finden und zu kartieren.

Doch zunächst wurde Sibirien erforscht. Erst 1741 konnte Bering von Petropawlowsk auf Kamtschatka, das er selbst 1740 gegründet hatte, mit zwei Schiffen in Richtung Südosten lossegeln. Er hielt Kurs bis zum 46. Breitengrad, weil dort das sagenumwobene Gamaland mit Straßen aus Gold vermutet wurde. Bering und Tschirikow, der Kapitän des zweiten Schiffes, bewiesen jetzt, dass die Insel nur in der Phantasie von Seefahrern existierte.

Man änderte den Kurs auf Nordost, um Amerika zu erreichen. Die Schiffe verloren sich im Nebel. Bering traf mit seiner "St. Peter" am 14. Juli 1741 auf Land. Er hatte Alaska gefunden, wo sich die Expedition einen Monat aufhielt und die amerikanische Westküste kartierte. Danach trat man die Rückreise nach Kamtschatka an. Der arktische Herbst war schon mit starken Stürmen hereingebrochen, die Mannschaft durch die schlechte Versorgung und übermenschliche Strapazen geschwächt. Fast alle litten an Skorbut, die Vorräte gingen zur Neige. Bald starben die ersten Besatzungsmitglieder. Fehler passierten, auch in der Navigation. Doch Bering änderte den Kurs nicht. Er wollte auf keinen Fall in Alaska überwintern.

Als endlich Land in Sicht kam, hielten es alle für Kamtschatka. Weil der ausgeworfene Anker nicht hielt, strandete die "St. Peter". Halb tot schleppte sich die Mannschaft an Land. Vitus Bering erlebte das erfolgreiche Ende seiner zweiten Expedition nicht mehr. Er starb am 8. Dezember 1741. Nur 46 Besatzungsmitglieder überlebten den Winter, bauten aus Wrackteilen einen kleinen Segler und reisten von der nur 200 Kilometer vor Kamtschatka gelegenen Insel nach Petropawlowsk zurück, wo Kapitän Tschirikow schon im Herbst 1741 angelangt war.

Vitus Bering war einer der größten Entdeckungsreisenden der Welt. Der Däne trug den Ehrennamen "Russlands Kolumbus". Was er wirklich in der Geschichte der geographischen Entdeckungen geleistet hatte, bestätigte sich erst Jahrzehnte nach seinem Tod, als ihm nachfolgende Entdecker die Richtigkeit seiner Entdeckungen und Aussagen bestätigen konnten.

Bis 1991 wusste die Welt nicht, wie Bering ausgesehen hatte. Doch dann entdeckten dänische Archäologen Berings Grab und exhumierten den Leichnam. Anhand der Schädelknochen konnte das Aussehen von Bering rekonstruiert werden. Vitus Bering hatte wieder ein Gesicht.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1680
    Der dänische Seefahrer Vitus Jonassen Bering wird in Horsens (Jütland) geboren.

  • 1703
    Bering tritt in russische Dienste und wird Unterleutnant in der neu geschaffenen russischen Flotte, in der er sich im Großen Nordischen Krieg auszeichnet und zum Kapitän befördert wird.

  • 1724
    Der russische Zar ernennt den Dänen zum Leiter einer Expedition, die durch Sibirien zum Pazifik führt. Die Expedition soll erkunden, ob es zwischen Sibirien und dem nordamerikanischen Kontinent eine Nordost-Passage oder eine Landverbindung gibt.

  • 1725 - 1730
    Bering bricht 1725 zur russischen Halbinsel Kamtschatka auf. Nach zwei Jahren erreicht die Expedition Ochotsk. Von dort aus reist Bering per Schiff weiter nach Kamtschatka. Auf der Halbinsel wird dann das eigentliche Expeditionsschiff gebaut, mit dem Bering und seine Männer im Sommer 1728 nordwärts segeln. Die Expedition hat keine Landbrücke zwischen Asien und Amerika entdecken können. Daraus schlussfolgert Bering, dass Asien und Amerika zwei voneinander getrennte Kontinente sein müssen, zwischen denen es auch keine Nordost-Passage geben kann.

  • 1733 - 1743
    Bering leitet auch die 2. Kamtschatka-Expedition, die vielleicht die zahlenmäßig größte wissenschaftliche Expedition aller Zeiten gewesen ist. Sage und schreibe 10.000 Mann nehmen an dieser Expedition teil, die – aufgeteilt in einzelne Teilexpeditionen – die nördlichen Küsten Sibiriens und des Pazifiks vermessen und die riesige sibirische Landfläche naturwissenschaftlich untersuchen soll. Außerdem ist geplant, Schiffe nach Amerika und Japan zu entsenden. Viele dieser Aufgaben werden erfolgreich gelöst. Bering selbst erreicht 1741 Alaska und nimmt es für Russland in Besitz. Auf der Heimfahrt ereilt ihn sein Schicksal: Er muss rund 200 Kilometer östlich von Kamtschatka auf einer Insel, die heute seinen Namen trägt, notankern. Bering stirbt am 8. Dezember 1741 auf dieser Insel. Auch die Hälfte seiner Männer kommt ums Leben. Seine Nachfolger setzen die Entdeckungsexpedition bis 1743 fort.

  • 1991
    Dänische Archäologen, die an einer russischen Expedition teilgenommen haben, entdecken Berings Grab.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012


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