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Infoblatt Mechanisch-biologische Restabfallbehandlungsanlage Münster


Funktionsweise einer MBRA am Beispiel des Standorts Münster (Westf.)

Das Bevölkerungswachstum der 1960er Jahre, die Industrialisierung und fortschreitende Landflucht führten dazu, dass immer mehr Lebensmittel verpackt werden mussten, damit die Menschen sie im Supermarkt kaufen können. Die Kehrseite der vielseitigen und praktischen Verpackungen war eine stark ansteigende Menge an Verpackungsmüll. Damit nun nicht in jedem Ort eine Mülldeponie entstand, wurden verschiedene Möglichkeiten der Abfallverminderung entwickelt, wie etwa Verbrennung, Recycling oder die mechanisch-biologische Restabfallbehandlung (MBRA).

Funktionsweise einer MBRA

Die mechanisch-biologische Restabfallbehandlung gliedert sich allgemein in die Schritte Abfallanlieferung und Inputkontrolle, Mechanische Aufbereitung, Biologische Behandlung und Einbau der behandelten Abfälle auf der Deponie. In der mechanischen Stufe werden zunächst unerwünschte Stoffe (z. B. große Metallstücke) sowie Wertstoffe aussortiert. Nachfolgend wird der Restabfall für die biologische Behandlung vorbereitet, durchmischt, zerkleinert und angefeuchtet. In der biologischen Stufe soll der Abfall biologisch stabilisiert werden. Dies kann über die Zufuhr von Luftsauerstoff als Rotte (aerobe Verfahren) oder unter Ausschluss von Luftsauerstoff als Vergärung (anaerobe Verfahren) erfolgen. Im Anschluss wird das behandelte Material auf der Deponie eingebaut.
Durch die kontrollierte Vorwegnahme der biologischen Abbauprozesse, die ansonsten in der Deponie über lange Zeiträume und unkontrolliert ablaufen, wird eine Verringerung des Abfallvolumens, eine Verlängerung der Deponielaufzeiten, eine Verringerung der Gasbildung, eine Reduzierung der Gefahr von Deponiebränden und eine Reduzierung der Sickerwasserbelastung erreicht.

Die MBRA Münster

Die mechanische Stufe der MBRA Münster wurde im Januar 2003 in Betrieb genommen, im Frühjahr 2005 folgte die biologische Stufe. Seit Juni 2005 arbeitet die MBRA im Vollbetrieb. Die im Norden Münsters gelegene Anlage hat im Drei-Schicht-Betrieb eine Kapazität von 100.000 t pro Jahr. Davon sind zurzeit ca. 45.000 t Hausmüll, 10.000 t Gewerbeabfälle und 9.000 t Sperrmüll.
Nach einer Sichtkontrolle und der Aussortierung von Störstoffen wird der Restabfall einem Vorzerkleinerer zugeführt. Das Material durchläuft zwei Siebstufen, 220 mm und 40 mm. Das Material über 220 mm wird wiederum dem Annahmebereich zugeführt, das Material von 220 - 40 mm wird durch eine Windsichtung in Leicht- und Schwerfraktion getrennt. Aus ersterer werden verwertbare Papier- und Plastikbestandteile aussortiert. Letztere wird von Metall sowie Kunststoffen befreit und dann einer thermischen Verwertung zugeführt.
Die Feinfraktion (< 40 mm) läuft ebenfalls über Metallabscheider. Danach werden 65 % dieser Fraktion mittels Trockenvergärung (bis zu 18 Tage) aufbereitet und anschließend mit den restlichen unbehandelten 35 % vermischt. Das Gemisch wird dann einer 6-wöchigen Tunnelrotte zugeführt und anschließend auf der Zentraldeponie II der Stadt abgelagert.
Bei der Vergärung entsteht Biogas, das einerseits zur Behandlung der während des gesamten Prozesses entstehenden Abluft und andererseits zum Betrieb eines Blockheizkraftwerks (BHKW) genutzt wird.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004/2011
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011


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