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Infoblatt MOSE-Projekt


Lagune von Venedig (Corel)

Großprojekt für den Hochwasserschutz von Venedig

Die italienische Lagunenstadt Venedig wird schon seit langem immer wieder teilweise vom Hochwasser überspült. Ein besonderes Problem stellt dies für den Tourismus sowie die Kunstschätze und Bauten der Stadt dar. Der berühmte Markusplatz im Herzen der Stadt ist mehrere Monate im Jahr nur auf extra errichteten Stegen zu überqueren. Hinzu kommt, dass die auf Eichenpfählen errichteten Gebäude aufgrund einer Landsenkung langsam immer tiefer absinken. Im letzten Jahrhundert ist die Stadt um ca. 23 cm im Erdboden versunken. Seit 1970 wurde deshalb über ein Konzept zur Rettung Venedigs nachgedacht. Das vorerst letzte Ergebnis dieser Überlegungen ist der "MOSE-Damm", wobei MOSE für "Module sperimentale elettromeccanico - experimentelles elektromechanisches Modul" steht.

Die Technik

An drei Eingängen der Lagune zur Adria werden insgesamt 78 Bauteile von bis zu 28 m Breite, 20 m Höhe und 350 t Gewicht angebracht. Die einzelnen Bauteile bestehen aus Stahl, sind mit Wasser gefüllt und 15 m unter dem Meeresboden verankert. Steigt der Meeresspiegel, werden die Module computergesteuert mit Luft voll gepumpt, richten sich auf und bilden so einen Damm, der die Lagune abschließt. Das Wasser bleibt in der Adria und kann nicht in die Lagune eindringen. Am 7. November 2003 legte der italienische Premierminister Berlusconi den Grundstein für das Projekt. Bis zum November 2009 wurden ca. 60 % der Arbeiten für das Projekt erledigt. Die ursprünglich auf 3,24 Mrd. Euro veranschlagten Kosten werden bis zur Inbetriebnahme im Jahr 2014 jedoch aller Voraussicht nach auf 4,67 Mrd. Euro angestiegen sein.

Sinnhaftigkeit von MOSE

Das MOSE-Projekt wird auch von der UNESCO unterstützt, da sich die Weltkulturbehörde davon einen verbesserten Schutz der Kunstwerke und architektonisch wertvollen Bauten Venedigs verspricht. Die italienischen Grünen haben seit Beginn der Planungsphase in den 70er Jahren versucht, das Projekt zu verhindern. Sie befürchten bei längerer Abschottung der Lagune schwere Schäden für die Unterwasserflora und -fauna. Gleichfalls ist nicht geklärt, wie die Abwässer der Stadt die Lagune verlassen sollen, falls der Damm wirklich einmal längere Zeit geschlossen bleiben sollte. Steigt der Meeresspiegel aufgrund der globalen Klimaveränderungen in den nächsten 100 Jahren um bis zu 50 cm an, muss der Damm jeden zweiten Tag geschlossen werden. Umweltschützer argumentieren, dass man lieber die Umweltsünden der Vergangenheit rückgängig machen sollte. Aus dem Untergrund Venedigs wird nämlich zu viel Grundwasser entnommen, so dass sich die Erdoberfläche senkt und die Stadt langsam in den Fluten versinkt. Auch hat die Ausbaggerung der Hafenanlagen Venedigs dazu geführt, dass das Hochwasser bei Flut schneller die Stadt erreicht und somit höher auflaufen kann. Bei den Ausbaggerungen ging es aber in erster Linie um die Erreichbarkeit der venezianischen Häfen für tiefer gehende Frachtschiffe und Tanker. Bis 2014 finden sogar Fahrsimulationen für die Reedereien statt. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Rückbau der Lagunenöffnungen den Höchstwasserstand innerhalb der Lagune um ca. 20 bis 30 cm senken könnte. Die Überflutung des Markusplatzes würde sich auf ein- bis zweimal im Jahr beschränken - so selten wie vor 100 Jahren. Allerdings würde die Verschmutzung der Lagune durch den verringerten Wasseraustausch zunehmen, vorausgesetzt, es werden keine neuen Kläranlagen gebaut. Hierzu besteht jedoch auch mit MOSE eine Notwendigkeit.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 28.05.2012


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