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Infoblatt Palm Islands


The Palm (NASA)

Überblick über die künstlichen Inselgruppen vor der Küste von Dubai

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Vereinigten Arabischen Emirate ausschließlich mit der Förderung von Erdöl in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren wird von den Scheichtümern jedoch mit Blick auf die knapper werden Erdölvorkommen eine Entwicklung zu einer internationalen Dienstleistungs- und Tourismusregion forciert. Vorreiter in diesem Bereich ist das Emirat Dubai, das seit Jahrzehnten vor allem im Bereich der Architektur nach immer neuen Superlativen strebt. So ist es nicht verwunderlich, dass hier mit dem "Burj el Arab" das erste 7-Sterne-Hotel der Welt zu finden ist. Nahtlos fügt sich an dieser Stelle der Bau von riesigen palmenförmigen Inseln ein, die ihrer Form entsprechend den Projektnamen "The Palm" tragen und von der internationalen Presse häufig als "achtes Weltwunder" bezeichnet werden.

Das Projekt

Kern des Projekts "The Palm" ist der Bau von drei in ihrer Gesamtfläche unterschiedlich großen Inselkomplexen, die jeweils aus einem symbolisierten Palmstamm, einer Krone, einer verschieden großen Anzahl von Palmenwedeln sowie einem vorgelagerten halbmondförmigen Wellenbrecher bestehen. Die Verbindung zum Festland wird über dreihundert Meter lange Brücken hergestellt.
Zu Beginn der Bauarbeiten wurden große Fundamente aus Fels auf dem Meeresboden angelegt, auf denen dann mittels Hochdruckpumpen Sand aufgeschüttet wurde. Dieser wird durch Schiffe, die mit einer speziellen Fördertechnik ausgestattet sind, von Sandbänken in den Gewässern vor Dubai gefördert und dann mittels GPS-gesteuerten Lastkähnen zum Einsatzort transportiert.
Die kleinste der Inseln ist mit 25 km² Fläche und 16 Palmwedeln "The Palm Jumeirah". Der Bau der Insel begann im Juni 2001 und sollte in der ersten Hälfte 2006 abgeschlossen sein. Planänderungen verzögerten die Fertigstellung aber bis 2008. Dennoch wurden die ersten 1.260 Grundstücke schon zwischen September und Dezember 2007 an die Eigentümer übergeben. Im November 2008 fand dann zeitgleich mit der Eröffnung des Hotels "Atlantis The Palm" die offizielle Eröffnung der Insel statt, welche die Küstenlinie Dubais verdoppelt. Sie soll vornehmlich als Rückzugs- und Wohngebiet sowohl für Einheimische wie auch Touristen dienen. Auf der Insel sind Häuser von 25 verschiedenen Hotelketten aus dem oberen Preissegment angesiedelt, ferner 1.800 Villen in 20 architektonisch unterschiedlichen Versionen und drei verschiedenen Ausstattungsklassen sowie 7.000 Apartments.
"The Palm Jebel Ali" ist um 50 % größer als "The Palm Jumeirah", hat jedoch ebenfalls 16 Palmwedel. Der Wellenbrecher besteht nicht aus einer zusammenhängenden Insel, sondern aus fünf Teilen, die über Brücken miteinander verbunden sind. "The Palm Jebel Ali" soll vorrangig der Unterhaltung dienen und ist dementsprechend nach den Plänen der Erbauer mit sechs Yachthäfen sowie einem Wasserthemenpark ausgestattet. Baubeginn dieser Insel war im Oktober 2002. Die Besonderheit liegt in einer 12 km langen Kette von 504 "Waterhomes", die auf Stelzen zwischen den Palmwedeln und dem Wellenbrecher stehen. Ferner sollen die Palmenwedel mit verschiedenen Haustypen, von repräsentativen Villen bis hin zu 'normalen' Einfamilienhäusern bebaut werden.
Die ursprünglichen Pläne sahen nur die Inseln "The Palm Jumeirah" und "The Palm Jebel Ali" vor, doch da der Verkauf der angebotenen Immobilien sehr viel erfolgreicher als angenommen verlief, entschied man sich im Oktober 2004 zum Bau einer dritten Insel, "The Palm Deira". Sie ist die größte der drei Inseln und hat im Gegensatz zu den anderen 18 Palmenwedel, wobei diese nicht über eine zentrale Verbindung, sondern über Brücken von den Wellenbrechern aus erschlossen werden. Mit einer Länge von 12,5 km und einer Breite von 7,3 km erstreckt sie sich das neue Areal über mehr als 90 km² Fläche. Dem eigentlichen Palmengebilde sind verschiedene künstliche Inseln vorgelagert, die das Projekt komplettieren. Nach ihrer Fertigstellung sollen etwa 8.000 Privathäuser, verschiedene Yachthäfen, Shopping Malls sowie Sporteinrichtungen entstanden sein.
Um den Erfolg von "The Palm" zu garantieren, ist es interessierten Ausländern im Rahmen des Projektes seit Sommer 2002 erlaubt, die angebotenen Objekte tatsächlich voll zu erwerben. Dies stellt in der Immobilienwirtschaft Dubais wie auch der gesamten Vereinigten Arabischen Emirate ein Novum dar, denn bisher waren Kaufverträge über Immobilien mit ausländischen Investoren nicht möglich. Vielmehr wurden Mietverträge über einen Zeitraum von 99 Jahren und einer Gesamtmiete, die dem Kaufpreis entsprach, abgeschlossen.

Ähnliche Projekte

Ein weiteres Projekt ist die vor der Küste Dubais entstehende Insellandschaft "The World". Hier werden etwa 300 unterschiedlich große Inseln aufgeschüttet, die als Gesamtes ein Abbild der Kontinente der Erde darstellen. Die Inseln sind in verschiedene Kategorien gegliedert, darunter Privatinseln, Ressorts sowie Gemeinschaftsinseln. Die Verkehrserschließung erfolgt über vier Inseln, die als Knotenpunkte für den Fährverkehr mit dem Festland dienen. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2003 und sollen sich nach den Plänen des Bauträgers bis 2020 hinziehen.
Im Januar 2008 kündigte das für die Bauvorhaben verantwortliche Unternehmen "Nakheel" ein weiteres Großprojekt an: "The Universe". Die Inseln in unmittelbarer Nachbarschaft zu "The World" sollen diesmal das Sonnensystem abbilden. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich 15 bis 20 Jahre. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung im Jahre 2009 wurde das Projekt jedoch vorerst eingefroren.
Ein weiteres und das weltweit größte Entwicklungsprojekt ist das ebenfalls durch Nakheel ausgeführte "Waterfront". Das Gebiet, welches im Rahmen des Projekts erschlossen wird, liegt südwestlich von "The Palm Jebel Ali". Es soll bei seiner Fertigstellung die doppelte Größe Hongkongs haben und die Küstenlinie Dubais um 70 km verlängern. Insgesamt sollen einmal 1,5 Mio. Bewohner das neugeschaffene Areal bewohnen.
Doch nicht nur in Dubai werden Vorhaben dieses Stils forciert und durchgeführt. Auch das Emirat Katar unternimmt mit "The Pearl" Anstrengungen im Wettbewerb um exklusive Immobilien- und Tourismusprojekte. Auf einem künstlichen Areal von 400 Hektar Größe entstehen 8.000 Häuser und Apartments, die einmal etwa 41.000 Menschen beherbergen, drei 5-Sterne-Hotels sowie drei Yachthäfen und verschiedenste Infrastruktureinrichtungen. Die ersten Häuser wurden im Herbst 2009 von den neuen Bewohnern der Insel bezogen. Um den Verkauf der Immobilien zu sichern, besteht für die Investoren auch hier die Möglichkeit des tatsächlichen Immobilienerwerbs in Verbindung mit einem Visum. Dieses verliert seine Gültigkeit wieder mit dem Verkauf der Immobilie.
Des Weiteren entsteht Dubai Konkurrenz durch das Emirat Bahrain. "Tala Island" beherbergt knapp 100 Villen und mehrer 100 Apartments, einen Yachthafen sowie verschiedene Freizeit- und Dienstleistungseinrichtungen.
In Europa plante das Fürstentum Monaco die Erweiterung der Staatsfläche um ca. 15 ha durch Landaufschüttungen, um dadurch hochwertigen Wohnraum für 2.000 neue Bewohner zu schaffen. Das Projekt sollte in 2011 starten, die Kosten wurden mit 4,5 bis 9,5 Mrd. Euro veranschlagt. Wegen der konjunkturellen Entwicklung seit Herbst 2008 wurde das Projekt jedoch vorerst gestoppt.

Probleme des Projektes

Investoren und Umweltschützer mahnen die mangelnde Zirkulation des Wassers im Bereich der Inseln an. Bedingt durch die hohen Temperaturen kam es zu massiver Algenbildung mit einer deutlichen Eintrübung des Wassers. Bei entsprechenden Vorfällen wurden bisher zusätzliche Drainagen gelegt, was jedoch sehr kostspielig war und nur bedingten Erfolg brachte. Der ursprünglich um die Palme geplante Kreis wurde an beiden Seiten durchbrochen, um den Wasseraustausch durch die Gezeiten zu verbessern.
Weiterhin werden Verkehrsprobleme erwartet, sofern die Palminseln komplett besiedelt sind; 50.000 bis 60.000 Menschen werden sich bei Vollauslastung hier drängen – was einer Auslastung städtischer Quartiere entspricht. Zu Stoßzeiten des Verkehrs wird es also zu erheblichen Staus kommen, da die Zu- und Abfahrt jeweils über den Palmenstamm erfolgen muss.
Weitere Kritikpunkte, die auch die Vermarktung problematisch werden ließen sind: ein eintöniger Baustil, zahlreiche Areale ohne Küstenanbindung oder -ausblick, kaum vorhandener öffentlicher Raum und mangelnde Urbanität sowie eine hoch ragende Bebauung.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2006
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 03.05.2012


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